No frog, no hoof, no horse. (Kein Strahl, kein Huf, kein Pferd).
So lautet die Originalversion des alten Spruchs 'Ohne Huf kein Pferd' -und der Strahl wird mit gutem Grund zuerst erwähnt.
Leider wird dem Strahl bei Hufbearbeitung- und Beurteilung oft viel zuwenig Beachtung geschenkt, so manches Mal wird gedankenlos daran herumgeschnitzt oder z.B. nicht erkannt, dass eine vorhandene Fühligkeit des Pferdes 'nur' am Strahl liegt.
Probleme in Strahl sind weit häufiger der Grund für Lahmheiten,
Fühligkeit oder hartnäckig verformte Hufe, als angenommen wird!
So manches Pferd, das als hufrollenkrank diagnostiziert wurde, hat
nichts anderes als schmerzhafte Strahlprobleme.
Überprüfen sie den Strahl also sehr kritisch auf seine Gesundheit - auch
in Verdachtsfall kann auf Strahlfäule behandelt werden.
Der gesunde Strahl
Beginnen wir mit dem gesunden Strahl als wichtigem Teil des leistungsfähigen und gesundes Hufes- und Pferdes.
Der Strahl unterscheidet sich in der Beschaffenheit seines Hornes stark von Wand oder Sohle, es ist deutlich weicher, jedoch sehr zäh und in seiner Konsistenz stärker von der Witterung abhängig. Das Strahlhorn wird von einer eigenen Lederhaut erzeugt, siehe die folgende Zeichnung.

d: Strahllederhaut

Präparat mit Blick auf Strahl und zugehörige Lederhaut.
Im inneren des Hufes liegt das
Strahlkissen oberhalb des Strahles, für hervorragende
Zeichnungen siehe auch
Ironfreehoof.com. Der gesamte Aufbau des Hufes weist uns
darauf hin, dass der hintere Hufbereich mit dem Strahl als
auffälligsten Merkmal aufgrund seiner Flexibilität vor allem zur
Stoßdämpfung und Anschmiegung an verschiedene Böden gedacht ist.
Zusätzlich spielt der Strahl bei der Sicherstellung einer guten
Bodenhaftung und Trittsicherheit eine wichtige Rolle.
Damit ein Strahl diese Aufgaben erfüllen kann, muss er seinen
Teil des Pferdegewichts tragen, bei gegebenen Bodenverhältnissen
also mittragen, gesund und ausreichend kräftig sein.
Ein gesunder Strahl ist prominent, fest, je nach
Bodenverhältnissen etwa auf Höhe des Tragrandes und weist eine
offene, breite mittlere Strahlfurche auf.

Mustanghufe- harter Boden- mit vorbildlichen Strählen.

Guter Strahl bei weitem Huf, man beachte auch die Form der
mittleren Strahlfurche.

guter Strahl bei schmalem Huf. Seit ca. 1 Jahr hat dieser Strahl
kein Hufmesser gesehen...

Der 'weite' Huf nocheinmal: Der Strahl liegt etwa auf Höhe des
Tragrandes. Wenn das Pferd den Huf auf den Boden stellt, der man
kein Lineal mehr unter den Strahl stecken können...
Ein solcher Strahl kann die ihm zugedachten Aufgaben erfüllen, zusammen mit einem gesundes Rest des Hufes sichert er Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Pferdes. Doch wie erhält man ihn oder löst Probleme?
Grundvoraussetzung für einen gesunden Strahl ist eine artgerechte Haltung mit genügend Bewegung und eine grundsätzlich vernüftige Hufbearbeitung. In diesem Abschnitt werde ich nur auf die Bearbeitung und Pflege des Strahls eingehen. Diese Maßnahmen müssen immer im zusammenhang mit der restlichen Hufbearbeitung stehen, siehe den Rest dieser Homepage.
Pflege und Bearbeitung des gesunden Strahls
Bewegt sich das Pferd ausreichend auf verschiedenen Böden und ist der gesamte Huf balanciert und gesund, so ist kaum Bearbeitung nötig. Lediglich lose fetzen, evtl. kleine Löchlein usw. sollten mit einem scharfen Hufmesser freigelegt werden. Dabei ist darauf zu achten, möglichst wenig Material zu entfernen. Bei feuchten Verhältnissen oder Berührung der Hufe mit Mist ist hier sehr sorgfältig vorzugehen, um Fäulnis zu verhindern. Bei sehr trockenen, sauberen Verhältnissen (z.B. eine große Weide im Hochsommer) kann man weniger machen.

Vor der Bearbeitung: Dieser gute Strahl an einem Hinterhuf weist
in der äußeren Strahlfurche einen losen Fetzen auf, unter dem
sich evtl. Fäule sammeln könnte...

... nach der Bearbeitung: NUR das lose Stück wurde vorsichtig
entfernt. Weniger ist mehr!
Der Strahl muss, ebenso wie der Rest des Hufes, durch Belastung
verdichten und abhärten, nur so ist er höheren Belastungen
gewachsen. Wenn der Strahl immer wieder beschnitzt wird,
funktioniert dies nicht. Das oben abgebildete Pferd wird auf
steinigem Boden Barhuf geritten und läuft bestens. Unbedachtes
herumschnitzen am Strahl könnte das Pferd für längere Zeit
vorsichtig bis fühlig machen...
Es ist nicht wichtig, dass der Strahl nach der
Hufbearbeitung 'hübsch' ausschaut. Die Funktion des Strahl muss
erhalten werden. Keinesfalls bei jeder Hufbearbeitung eine
einige mm dicke 'Scheibe' von der Oberseite des Strahls
abschneiden!

So besser nicht: Dieser Strahl des schön geformten Hufes wurde
sowohl von oben als auch von den Seiten deutlich bearbeitet.
Diese Art der Strahlbearbeitung ist bei vielen Hufbearbeitern
ziemlich unhinterfragt 'Standartbehandlung' und schwächt den
Strahl. Soviel an einem gesunden Strahl herumschnitzen ist
falsch!

Der gleiche Fehler nocheinmal. Beim gesunden Strahl sollten nur
kleinere lose Eckchen vorsichtig entfernt werden, wenn es nötig
ist. Ansonsten benötigt ein gesunder Strahl kaum Bearbeitung.
Strahlprobleme
Was tun, wenn das Pferd einen auf die eine oder andere Weise problematischen Strahl aufweist? Im Folgenden sollen die häufigsten Strahlprobleme vorgestellt und Lösungswege aufgezeigt werden.
Strahlfäule ist wohl das bekannteste Strahlproblem, leicht zu erkennen.

Typischer Huf mit Strahlfäule.
Bei Strahlfäule wirkt der Huf zersetzt, der Strahl ist oft geschrumpft, wirkt faserig. Es findet sich schwarze(!), faulig stinkende Schmiere.
Ursachen und Lösungsmöglichkeiten:
Zur Behandlung der Strahlfäule sollten die fauligen Bereiche
gründlich ausgeschnitten werden, soweit dies möglich ist. Hier
ist falsche Scheu fehl am Platz, geschwächt ist der Strahl beim
vorliegen von Strahlfäule sowieso schon, erst wenn er gesund
nachwächst, kann er kräftig werden und verdichten. Durch
diese Maßnahme wird den Strahlfäulebakterien das Leben schwer
gemacht, denn diese sind anaerob, d.h. brauchen sauerstoffarme
Bedingungen.
Direkt im Anschluss wird der Strahl mit einem zusätzlichen
Mittel gegen Strahlfäule behandelt, wobei dies nicht immer
notwenig ist (siehe später). Handelsübliche Produkte
funktionieren in der Regel gut.
Neben dieser direkten Symptombehandlung muss nach der wirklichen
Ursache geforscht werden. Sind die Stallbedingungen
unhygienisch? Sind die Pferde gezwungen, durch ihre Exkremente
zu laufen? (unabgesammelte Matschpaddocks, zu stark beengte
Haltung, Matraze) Wenn ja, abstellen.
Zum Problem seinen starken Beitrag leistet oft eine Imbalance in
der Hufform und/oder 'Arbeitslosigkeit' des Strahls- siehe
weiter unten.
Schwache/atropierte Strähle und Strahlpilz sind ein häufiges Problem, das leider oft nicht erkannt wird.


Diese beiden Pferde weisen äußerst schwache, dünne arthropierte
Strähle auf. Die Oberfläche wirkt unregelmäßig, wohingegen
klassische Strahlfäule nicht vorhanden ist.

Typische Signatur des Strahlpilzes: Tiefe mittlere Strahlfurche.
Besonders schwache, athropierte Strähle und Strahlpilz führen zu häufig deutlicher Fühligkeit. Die tiefe mittlere Strahlfurche schmerzt, wenn das Pferd auf unebenen Boden fusst und sich der Huf verwinden oder dehnen muss. Schlimmer betroffene Pferde können gar lahmen oder 'Hufrollenkrank' erscheinen. Schwerer betroffene Pferde zeigen eine deutliche Zehenfussung.
Die Korrektur und Behandlung beginnt mit der Überprüfung der Hufsitutation und Balance. Lässt sich eine Imbalance finden, z.B. die deutliche Birnenform des oberen Hufes, so ist diese zu korrigieren, um dem Strahl Raum zur Entwicklung zu verschaffen. Gleichzeitig muss das Pferd den meist insgesamt schwachen hinteren Hufbereich wieder belasten, denn nur dann lässt sich auch die Hufform korrigieren. Hierzu eignen sich insbesondere Hufschuhe mit Polsterung (Easy Boot Comfort Pads) evtl. mit zusätzlicher Polsterung unter dem Strahl, so dass der Strahl mitträgt, obwohl er noch sehr klein und schwach ist.
Zum zweiten sollte der Strahlpilz 'chemisch' behandelt werden. Mehr dazu siehe unten.
Gleichzeitig sollte sowohl Umgebung als auch Stoffwechsel/Fütterung des Pferdes überprüft werden, denn der Strahlpilz kann zumindest teilweise 'von innen' kommen.
Bei allen Problemen, bei denen der Strahl unterentwickelt oder schwach ist, ist ein schnelles Wachstum wünschenswert. Das Wachstum ist abhängig von der Stimulation des Strahls - diese kann man gezielt erhöhen. Alle Untergründe, auf denen auch ein Strahl, der klein und schwach ist, Bodenkontakt hat, stimuliert. Dies ist z.B. Sand, weicher Wiesenboden, loser Schotter/Kiesel usw. Wird das Pferd überwiegend auf eher ebenem, hartem Boden geritten, hat es sich bewärt, ein Polster (z.B. Neoprenpad oder fertig erhältlich bei Easycare) in Hufschuhen unter den Strahl zu legen. Bei all dem sollte darauf geachtet werden, dass das Pferd immer freudig läuft und eine leichte Trachtenfussung zeigt. Tut es das aufgrund seines schwachen Strahls unter dem Reiter nicht, mit den oben beschriebenen gepolsterten Schuhen arbeiten.
Sonderfälle
Der Strahl sollte bearbeitet werden, wenn er offensichtlich zu lang geworden ist und sich 'Zerfallsstrahl' bildet. Dies findet man meist bei Hufen, die längere Zeit nicht bearbeitet wurden und wenig Abrieb hatten. Solche Hufe müssen, inkl. Strahl ersteinmal auf ein natürliches Maß gekürzt werden, um sich von dort aus zu verdichten und zu kräftigen.
In seltenen Fällen kann der Strahl zu hoch werden und in Folge auf hartem Boden drücken. Dies kann der Fall sein, wenn Trachten über längere Zeit (z.B. Keilbeschläge) sehr hoch gezüchtet wurden und der Strahl nun ebenfalls sehr lang ist. Werden die Trachten auf ein natürliches Maß gekürzt, ist der Strahl wesentlich höher als die Trachten. Ist diese Abweichung nur gering, hat sich der Strahl meist innerhalb kurzer Zeit etwas 'gesetzt' und braucht nicht bearbeitet zu werden. Extreme Höhenunterschiede können allerdings sehr unangenehm sein, in einem solchen Fall sollte der Strahl von oben gekürzt werden.
Beiden Fällen ist gemein, dass die Maßnahmen einen einmaligen Charakter haben. Bei zukünftigen Hufbearbeitungen ist ein so deutliches Bearbeiten des Strahls dann nicht mehr nötig.
Chemische Behandlung von Strahlpilz und Strahlfäule
In diesem Abschnitt schildere ich meine persönlichen Erfahrungen mit bestimmten Mitteln zur Behandlung von Strahlproblemen.
Alle Mittel werden auf betroffene Stellen aufgebracht, mit Ausnahme der Borax- Lösung, in die die Hufe eingeweicht werden sollten. Hat ein Pferd tiefe mittlere Strahlfurchen, werden diese zunächst gereinigt und anschließend mit einem Stück Mullbinde ausgestopft, das zuvor mit dem Strahlfäulemittel getränkt wurde. Dies wird täglich wiederholt, bis das Problem verschwunden ist.