Auf dieser Seite möchte ich gerne einige häufige Hufprobleme vorstellen, und wie man sie lösen kann.
Hufrehe ist eine schwere Erkrankung des Pferdes, jedoch nicht unheilbar. Vereinfacht gesagt verliert das Pferd bei einer akuten Hufrehe den Halt in einen Hufen ganz oder teilweise. Wie genau dies geschieht, unten. Es gibt verschiedenste Formen und Ursachen einer Hufrehe.
Im Normalfall heilen die Folgen einer akuten Rehe mit diesem Ansatz ab,
dem Pferd wachsen normale und gesunde Hufe und es ist mit seinen 'neuen'
Hufen natürlich wieder uneingeschränkt reitbar.
Hufbeinrotation und Hufbeinsenkung können rückgängig gemacht werden,
auch ein Hufbeindurchbruch ist kein Todesurteil.
Hufrehe ist allerdings leider kein klarer einfacher Fall, bei dem die
Behandlung immer den erwünschten Erfolg bringt. Fängt man an, gerade mit
'hoffnungslosen' Rehefällen zu arbeiten, wird man wahrscheinlich sehr
viel gutes tun und reihenweise Pferdeleben retten, aber ab und zu wird
man wohl scheitern.
Auch wenn ich den hier vorgestellten ganzheitlichen Ansatz für besser
und erfolgsversprechender halte als die traditionelle Behandlung ist
Überheblichkeit dennoch fehlt am Platz.
Das wichtigste ist
das Finden und Abstellen der eigentlichen Ursache der Hufrehe. Die
Hufbearbeitung erfolgt nach den ganz normalen Richtlinien, die auf
dieser Seite vorgestellt werden -wie sollte man einen Rehehuf auch
anders bearbeiten als mit dem Ziel eine normale, gesunde Hufform
herzustellen?
Die Hufbearbeitung kann allerdings nur die mechanischen Probleme lösen,
eine zugrunde liegende Stoffwechselstörung lässt sich so natürlich nicht
beheben!
Soviel zum Allgemeinen, nun zu den Details.
Vorgänge im Pferdekörper beim Entstehen einer Hufrehe
Die englische
Bezeichnung für (akute) Hufrehe 'laminitis' bedeutet 'Entzündung der
Lederhautplättchen'.
Die Blättchenschicht (die Hufbein und Hornkapsel bei einem gesunden
Pferd fest verbindet) besteht aus den primären Lederhautblättchen, die
fest mit dem Hufbeinknochen verbunden ist, den sekundären
Lederhautblättchen die sich an jedem primären Lederhautblättchen
befinden und
der Basalmembran, die die 'lebende' Hälfte der Blättchenschicht von
ihrem Gegenstück an der Hornwand trennt. Bei einem 'einfach'
hergestellten Präparat der Hornkapsel bleibt nur die Struktur an der
Innenseite der Hornwand sichtbar (siehe Grundlagen).
Die sekundären Lederhautblättchen bestehen aus Keratin-bildenden Zellen.
Diese bilden Begleithorn, dass sich an die von oben nachwachsende
Blättchenschicht anlagert- daher wird die Hufwand nicht dünner, obwohl
ihr Umfang am Tragrand deutlich größer ist als am Kronrand.
Viel zu lesen, aber nicht ganz aktueller Stand der Forschung ist, dass
die Hufrehe hauptsächlich ein Problem der Mangeldurchblutung und darauf
folgender Entzündung ist. Bei dieser Theorie wird angenommen, dass im
Fall einer Hufrehe die Anastomosen (AVA in vielen Artikeln), Abkürzungen
zwischen Arterie und Vene, geöffnet werden und dabei die feinen
Kapillaren, die die Lederhautblättchen versorgen, vom Blutfluss
abgeschnitten werden. Es wurde zwar nachgewiesen, dass dies passiert und
bei einer Belastungsrehe spielt dieser Mechanismus, der in diesem Fall
eine mechanische Ursache durch die Hebelwirkung hat, wahrscheinlich die
Hauptrolle, bei einer Vergiftungsrehe ist dieser Vorgang jedoch nicht
die Ursache, sondern die Folge des Rehegeschehens.
Ganz im Gegenteil,
es wurde von Politt gezeigt, dass eine normale Durchblutung notwendig
ist, um Hufrehe in Folge z.B. von zuviel Fruktan oder Kraftfutter
auszulösen, d.h. der Blutstrom liefert die reheauslösenden Stoffe in die
Hufe. Daher kann das Kühlen in der Phase nach dem Auftreten eines
(vermuteten) reheauslösenden Ereignisses ein Auftreten der Hufrehe
nachgewiesenermaßen verhindern.
Doch was passiert genau: Man kann sich leicht überlegen, dass die
Verbindung von Hufwand und Hufbein nicht völlig fest und statisch sein
kann- denn der Huf wächst täglich, und hierzu muss die Verbindung immer
ein wenig gelöst werden, genau im richtigen Maße. Dieser faszinierende
Prozess wird von besonderen Enzymen (MMP) gesteuert, die normalerweise
in der genau richtigen Konzentration vorliegen. Im Stadium vor einer
akuten Hufrehe erhöht sich die Konzentration der MMP- Enzyme
explosionsartig- die Verbindung von Hufbein und Hufwand wird mehr oder
weniger stark zerstört. Als Folge dieser Verstörung treten dann
Entzündungserscheinungen, Mangeldurchblutung und starke Schmerzen auf.
Anders gesagt: Wenn das Pferd die typischen Rehesymptome zeigt, ist
der Schaden schon passiert.
Doch kann man die eigentliche Ursache der Hufrehe im Stoffwechsel des Pferdes noch genauer bestimmen?
Bekannt war, dass z.B. Cushingpferde, bei denen hohe Insulinwerte vorliegen und die bekanntlich häufig an Hufrehe erkranken. Bei Cushingpferden ist bekanntlich die Cortisolproduktion krankhaft verändert, dieses Hormon steht im Zusammenhang mit dem Glucosestoffwechsel. Oder auch 'Insulinresistente' Pferde, die zu Übergewicht neigen und ebenfalls sehr häufig Hufrehe entwickeln. Also liegt die Vermutung nahe, dass die Ursache der Rehe im Glucosestoffwechsel des Pferdes zu finden ist. Genau dieser Zusammenhang wurde kürzlich von C. Pollit et al. detailliert untersucht und veröffentlicht- und die Resultate sind
sensationell.
Diese Forschungsergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst. Die Original- Veröffentlichung ist unter
zu finden.
Zusammengefasst wurde nachgewiesen, dass sehr hohe Insulinkonzetrationen im Pferdekörper direkt toxisch wirken und schließlich Hufrehe
auslösen. Um dieses genauer zu verstehen, die folgenden Grafiken:
Beim gesunden Pferd steigt der Glucosespiegel im Blut z.B. nach einer Mahlzeit kurzfristig an. Der Körper reagiert mit der Produktion des Hormons Insulin. Das Insulin ermöglichst den Abtransport der Glucose in die Zellen, wo sie zur Energiegewinnung verwendet wird. Durch den Abtransport kehrt der Glucosespiegel auf Normalniveau zurück.

Durch eine Reihe von Ursachen kann eine sogenannte Insulinresistenz
auftreten. In diesem Fall läuft der Glucosestoffwechsel im Prinzip noch
auf die gleiche Weise ab wie im Falle des gesunden Pferdes, allerdings
reagiert der Glucosetransport zunehmend schlechter auf eine Erhöhung der
Insulinkonzentration. Um den Glucosespiegel auf ein normales Niveau zu
sinken, muss daher eine deutlich größere Menge Insulin produziert
werden. Diese erhöhten Insulinwerte sind im Blut des entsprechenden
Pferdes nachweisbar.
Gründe für die Insulinresistenz sind vielfältig und noch nicht
vollständig erforscht. Kandidaten sind zu reichhaltige Fütterung,
Übergewicht, Einsatz bestimmter Medikamente (Kortison) und Veranlagung
des individuellen Pferdes.
Zur Katastrophe Hufrehe kommt es, wenn das 'am Limit' laufende System im Zustand der Insulinresistenz ungewöhnlich belastet wird.

In diesem Fall steigt der Blutzuckerspiegel (Glucose) stärker als gewöhnlich, z.B. nach Weidegang mit hohem Fruktangehalt, Gabe von Kraftfutter etc. Da das System des Glucosetransports nicht mehr normal auf eine Erhöhung des Insulinspiegels reagiert, wird nun extrem viel Insulin produziert, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Ab einer bestimmten Menge wirkt Insulin direkt toxisch und bewirkt die Vorgänge der Hufrehe, konkret eine Separation im Hufbeinträger.
Diese Untersuchungen erklären zusammenfassend das Auftreten jeder Art der Rehe, die im Zusammenhang mit dem Glucosestoffwechsel des Pferdes stehen (Futterrehe, Insulinresistenz, Cushing). Viele Beobachtungen aus der Praxis finden ihre Erklärung. Eine medikamentöse Behandlung bei rehegefährdeten Pferden ist noch nicht bekannt. Gezielte Untersuchungen für Blutzuckerspiegel, Insulingehalt usw. beim Pferd sind prinzipiell möglich, allerdings beim Pferd noch nicht standartisiert. Behandlung und Vorbeugung insbesondere der mit Fütterung und Insulinresistenz verbundenen Rehe funktioniert sehr wirkungsvoll über eine angepasste Fütterung, wie sie später in diesem Artikel im Detail erklärt wird.
Nun eine Vermutung meinerseits: Die toxische Wirkung des Insulins auf die Hufbeinaufhängung beginnt nicht plötzlich bei einer bestimmten Konzentration und führt sofort zum katastrophalen Rehegeschehen. Sondern es gibt eine langsam erhöhte Schadwirkung, die nicht sofort zu offensichtlicher Rehe führt. Stattdessen kommt es zu kleinen Schäden, die eine allgemein schlechte Hufbeinaufhängung, verbogene Wände, flache Sohlen, Fühligkeit, schlicht alle Faktoren einer 'schleichenden' Rehe.
Sind die oben vorgestellten Vorgänge korrekt erklärt, müsste eine ausreichende Menge Insulin in der Lage sein, bei jedem gesunden Pferd Hufrehe auszulösen. Dies konnte tatsächlich im Experiment nachgewiesen werden.
Eine gesunde Hufform kann an sich keine durch Stoffwechselvorgänge im
Körper auftretende Rehe verhindern, ihre Folgen dennoch vermindern. Je
stärker der Huf verformt ist, z.B. durch lange, hebelnde Wände, desto
stärker wird der Hufbeinträger überlastet. Je unnatürlicher die gesamte
Durchblutung, z.B. durch eine falsche Hufform oder Beschlag, desto
anfälliger ist das Pferd.
Ungesunde Hufformen, allen voran natürlich die klassischen chronischen
Rehehufe, sind Kandidaten für Belastungshufrehen, die rein mechanisch
aus einer Überlastung des Hufbeinträgers z.B. durch hebelnde Wände
entstehen. Besonders leicht passiert dies bei beschlagenen Rehehufen,
falls das Pferd seine völlig deformierten Hufe nicht mehr spürt, daher
lahmfrei ist, die ständige Überlastung aber zu ständig neuen kleinen
Reheschüben führt.
Alles in allen- es gibt eine sehr enge Verbindung zwischen Hufrehe und 'Stoffwechselproblemen', wie Übergewicht, Insulin- Resistenz, Equines Metabolisches Syndrom, Cushing.
Ursachen der Hufrehe
Hat man ein Pferd mit Hufrehe, ist das wichtigste, die Ursache zu kennen. Es kann selbstverständlich eine Kombination mehrerer Ursachen vorliegen. Im Folgenden zähle ich einige auf:
Belastungsrehe- Mechanische Rehe
Hufrehe durch 'Vergiftung'
Hufrehe durch ungeeignete Fütterung

7-jährige Stute wenige Tage vor dem Auftreten einer akuten Hufrehe. Das
Pferd ist sehr fett. Besonders 'verdächtig' sind auffällige Fettpolster
an Augen, Hals, Schulter, Schweifansatz, Euter/Schlauch. Falls ihr Pferd
so aussieht, es es Zeit, sofort zu handeln. Möglicherweise liegt auch
EMS vor. Das Pferd hatte bereits zuvor Probleme mit der
Hufbeinanbindung, die durch die Hufbearbeitung zwar verbessert, aber
nicht vollständig aufgehoben werden konnten.

Die Hufe der Stute 1,5 Jahre zuvor. Durch Hufbearbeitung wurden die Hufe
aufrechter (siehe 'Platthufe'), die herunter wachsende Wand neigte aber
immer massiv dazu, sich wieder zu verbiegen. Solche Hufe sind ebenfalls
ein massives Warnsignal.
Equines Metabolisches Syndrom (EMS) /Insulinresistenz
Cushing
Borreliose
Hufbeinrotation und Hufbeinsenkung?
Als Folge des temporären oder noch andauernden Verlustes der festen Anbindung zwischen Huf und Hufbein verformt sich der Rehehuf- mehr oder minder dramatisch.
Für 'Panik' sorgen die Begriffe Hufbeinrotation und Hufbeinsenkung,
die die folgenden Bilder verdeutlichen sollen.

gesunder Huf

reine Hufbeinsenkung, das Hufbein liegt zu tief in der Hornkapsel, der
Kronrand ist eingesunken, man kann ertasten, wie hoch Fesselbein und
Kronbein liegen.
(und natürlich die Senkung auf einem Röntgenbild erkennen)

'Hufbeinrotation', verbreiterte Blättchenschicht, die Zehenwand hat sich
von Hufbein entfernt.
Die Winkeldifferenz zwischen Hufbeinrücken und Hufwand wird als Gradmesser für die Hufbeinrotation genommen, z.B. 10°. Manchmal wird aber auch der Grad der Abweichung von einer ungebrochenen Knochensäule 'Fesselstandstheorie' verwendet.
Auch wenn bei vielen TA und Schmieden Pferde mit mehr als 5° Hufbeinrotation als unheilbar gelten, dies stimmt nicht.
Im Grunde sind Hufbeinrotation und Hufbeinsenkung irreführende
Begriffe. Es ändert nämlich nicht das Hufbein 'aktiv' seine Position
(weil z.B. die Beugesehne Zug ausüben würde) sondern die Hufkapsel folgt
schlicht und einfach dem Bodengegendruck dorthin wo die Anbindung am
schwächsten ist.
Die Knochen sind immer noch da wo sie hingehören und z.B. im Hufgelenk
weiterhin voll beweglich.
Ist z.B. der Hufbeinträger im Bereich der Zehenwand stark geschädigt
und die Seitenwände noch relativ intakt, verbiegt sich die Zehenwand
nach vorne.
Ist die Hufbeinanbindung überall gleich stark beschädigt rutscht die
Hornkapsel nach oben ('Hufbeinsenkung).
Allen Rehehufen ist gemein, dass sich die Zehenwand (evtl. auch die Seitenwände) von Hufbein entfernt haben. Eine Flexion (Knick) im Bereich Kronbein- Hufbein ist kein(!) Zeichen einer Rehe, sondern tritt auch beim Sehenstelzfuss (Bockhuf) auf.
Hier zu Verdeutlichung einige Bilder:

normaler Huf (flache Fesselung)
Dieses Bild zeigt die Zehenknochen (Hufbein, Kronbein, Fesselbein) eines Pferdes in normaler Anordnung, drumherum ist schematisch die Kontur des Hufes gezeichnet. Die Zehenwand verläuft parallel zum Hufbeinrücken.

Chronische Rehe mit flachen Trachten
Hier schematisch die Situation, wie sie in den Hufen von Fall 14 vorliegt. Die Anordnung der Zehenknochen ist nach wie vor normal, nur die Zehenwand hat sich vom Hufbein entfernt. Ein ähnliches Röntgenbild würde übrigens auch Fall 12 zeigen.
Die 'Schere' zwischen Hufbein und Zehenwand wird als 'Hufbeinrotation' beschrieben. Eigentlich ist jedoch nicht das Hufbein rotiert, sondern die Zehenwand 'abgehauen.

Sehnenstelzfuss /Bockhuf
Hier nun die schematische Darstellung eines Sehnenstelzfusses. Deutlich sieht man den 'Knick' zwischen Kronbein und Hufbein. Der Huf ist ebenso steil wie das Hufbein, Zehenwand parallel zum Hufbein. Hier ist in der Regel die Sehnen verkürzt, entstanden durch falsche/vernachlässigte Hufpflege als Fohlen.

Rehehuf mit hohen Trachten
Dies ist im eigentlichen der typische Hufzustand für chronische
Hufrehe. Es besteht eine Flexion (Knick) im Krongelenk, die kann schon
vor der Rehe bestanden haben oder aber durch die hohen Trachten
verursacht sein. Auch hier ist das entscheidende
Merkmal die Zehenwand, die sich vom Hufbeinrücken entfernt hat.
Wie man auf der Seite von
barefoothorse.com oder auch
hier sehen kann, werden solche Hufe bei der Korrektur wieder
flacher. (wenn die Sehnen nicht verkürzt waren =>Bockhuf)
Irreversible Veränderungen im Zuge der Hufreheerkrankung
Die oben dargestellten Fälle einer 'Hufbeinrotation' oder 'Hufbeinsenkung' können falls die Ursache der Hufrehe gefunden und abgestellt wird, vollständig rückgängig gemacht werden. Die Pferde überleben nicht nur als Beistellpferd, sondern sind voll reitbar.
Besteht eine Hufreheerkankung jahrelang bzw. wird falsch oder gar
nicht behandelt, können sich irreversible Veränderungen an den Knochen
selbst ergeben. Das Hufbein kann sich abbauen oder stark verformen. Dies
ist nicht oder in sehr geringem Maße rückgängig zu machen. Je nach
schwere der Schädigung ist in einem solchen Fall keine vollständige
Heilung mehr zu erwarten. Ein weitgehend schmerzfreies Leben als
Beistellpferd ist oft möglich.
Ein Beispiel siehe www.dhgev.de
(Huftagebuch Stella)
Hufbearbeitung und -Schutz bei Hufrehe
Die Hufbearbeitung bei einer Hufrehe folgt im wesentlichen den
gleichen Richtlinien wie sie für normale Hufe auf dieser Seite
vorgestellt wurden.
Von Seiten des Tierarztes bzw. Hufschmiedes wird im Falle einer Rehe in
der Regel ein orthopädischer Beschlag vorgeschlagen. Meiner Meinung nach
ist dies jedoch nicht sinnvoll, dies soll im Folgenden erläutert werden.
Die Hufe in der akuten Rehephase
Im Falle einer akuten Rehe leidet das Pferd an starken Schmerzen in
seinen Hufen, hervorgerufen durch die oben beschriebenen Prozesse, die
an allen Lederhäuten stattfinden. Ein Pferd lahmt während eines akuten
Reheschubes stark, insbesondere tritt ein starker Wendeschmerz auf.
Häufig ist die typische Rehestellung anzutreffen (Hinterhufe weit unter
den Körper gestellt, Vorderhufe so weit wie möglich nach vorne
gestellt). Dies ist jedoch nicht immer extrem deutlich der Fall, das
Pferd steht aber fast immer mit stark angespannter Kruppen- und
Rückenmuskulatur. Viele Pferde legen sich hin.
Um zu verstehen, welche Maßnahmen an den Hufen sinnvoll sind, kann man
sich vereinfach vorstellen, dass das Pferd momentan nicht mehr völlig
fest mit seinen Hufen verbunden ist.

Huf auf hartem Boden
Steht das Pferd mit akuter Rehe auf hartem Boden (bzw. auf Beschlag)
übernehmen seine Hufwände einen Hauptteil der Last. Hebelkräfte des
Bodengegendruckes wirken auf die Hornwände- diese werden normalerweise
natürlich von der Blättchenschicht aufgenommen. Genau diese ist momentan
aber nicht stabil, die gesamte Hornkapsel hebelt also weg vom Pferd.
Dies ist schmerzhaft und fördert Schäden im Huf - Lageveränderung der
Hornkapsel.
Je länger und verbogener die Hufwände, desto unnatürlicher die Hufform
(z.B. sehr lange Trachten), desto stärker dieser Effekt.

Huf mit Polsterung in weichem Boden
Da die Hornwände momentan keine feste Verbindung zum Hufbein
aufweisen, ist es sinnvoll, diese möglichst von Last zu befreien. Dies
funktioniert, indem die Sohle dick mit Polstermaterial (Moosgummi, Watte
oder ähnliches) ausgefüllt wird, so dass die Hufwände kaum mehr Last
tragen. Zusätzlich wird das Pferd möglichst auf eine weiche, tiefe
Einstreu gebracht- z.B. Sägespäne/Torf(ersatz), nasser Sand. Dies sollte so
schnell wie möglich geschehen, liegt auch nur der kleinste Verdacht auf
Hufrehe vor. (Schaden kann es nicht).
Ist das Pferd beschlagen, sollten die Eisen falls dies möglich ist,
abgenommen werden- vorsichtig, denn herumhämmern auf den Hufen ist
äußerst schmerzhaft. Geht dies nicht, sollte der Huf so dick
aufgepolstert werden, dass der Tragrand trotz Beschlag weitgehend von
Last befreit wird. Ein erhöhen der Trachten ist nicht notwendig. Der Huf
sollte in einer natürlichen Lastverteilung gehalten werden, denn hier
ist die Belastung am gleichmäßigsten verteilt. Auch hier gilt, je
gesünder die Hufe zu diesem Zeitpunkt, desto weniger wahrscheinlich sind
ernsthafte Schäden. Ist ein extremer Tragrandüberstand/Verbiegung
vorhanden, kann dieser gekürzt werden, falls es dem Pferd zumutbar ist.
Akute Rehe ist immer ein Fall für den Tierarzt. Dieser wird die Hufrehe aufgrund der typischen Symptome diagnostizieren und in der Regel mit Medikamenten behandeln. Diese sind durchaus sinnvoll- zumindest für einige Tage in der Phase der akuten Rehe. Das Pferd wird in aller Regel gegen die Schmerzen behandelt. Dies bedingt, dass das Pferd davon abgehalten werden sollte, sich zu überschätzen. Unnötige Bewegung sollte ein Pferd mit akuter Hufrehe nicht haben, es wird sich aufgrund der Schmerzen in der Regel auch nicht weit bewegen wollen. Falls es aufgrund der Medikamente die Schmerzen in seinen Hufen momentan nicht spürt, könnte es durch unvernünftiges herumspringen großen Schaden in seinen Hufen anrichten. Also ist ein begrenzter Bereich mit weichem Boden der richtige Aufenthaltsort für Pferd mit akuter Rehe. Legt sich das Pferd, ist das durchaus zu begrüßen.
Ein Beschlag an einem Pferd mit akuter Hufrehe ist Quälerei für das Pferd. Das nageln, langes stehen auf 3 Hufen ist extrem schmerzhaft fürs Pferd.
Wurde die Ursache erfolgreich abgestellt, klingt die akute Rehe nach einigen Tagen ab. Der Huf beginnt mit Reparatur- und Umbauprozessen. In diesem Stadium ist an den Hufen noch keine Veränderung zu erkennen, außer sehr dramatische wie ein Durchbruch des Hufbeines durch die Sohle bzw. Ausschuhen. Auf einem jetzt angefertigten Röntgenbild sind eventuelle Positionsveränderungen von Huf und Hufbein erkennbar.
Die Medikamente sollten sobald wie möglich reduziert und dann
abgesetzt werden, um den Organismus des Pferdes nicht weiter zu
belasten.
In diesem Stadium wird traditionell nun ein Beschlag angebracht.
Der Beschlag soll als Polsterung dienen, das Hufbein vor dem absinken
oder rotieren bewahren und das Abrollen erleichtern. Die durchgeführten
Beschläge sind vielfältig.
Es gibt zwei grundsätzliche Probleme mit einem Rehebeschlag. Zum einen
ist jeder Beschlag notwendigerweise fest mit der Hornwand verbunden- nur
ist diese in der Regel sind völlig fest mit dem Hufbein verbunden, von
Hufbein weggehebelt usw. Eine Belastung des Tragrandes wird das
weghebeln verschlimmern und damit ein gesundes Nachwachsen des Hufes
verhindern oder stark verlangsamen.
Problematischer ist aber, dass der Huf selbstverständlich ständig weiter
wächst. Selbst wenn der Beschlag am ersten Tag eine perfekte
Unterstützung bietet- schon in weniger Tagen wächst die Hornwand weiter-
und die Unterstützung ist dahin. Das Hufbein kann dem Beschlag nach
unten folgen, die Hufbeinposition wird leicht immer tiefer. Bei üblichen
Beschlagsintervallen ist den größten Teil der Zeit die Mechanik negativ.
Rehehufe zeigen in der Regel ein abnorm schnelles und dazu oft
ungleichmäßiges Wachstum- wöchentliche Hufbearbeitung kann nötig werden.
Dies ist mit Beschlag schlicht nicht oder nur unter extremem Aufwand
durchführbar.
Alle anderen Nachteile eines Beschlages greifen selbstverständlich auch
beim Rehehuf. Besonders problematisch ist es, falls ein Pferd mit
Rehebeschlag lahmfrei ist und zur Arbeit genutzt wird- was den Schaden
an den Hufen schnell potenziert.
Völlig ohne Hufschutz wurden schon viele Rehepferde geheilt, es ist aber potentiell problematisch, wenn das Pferd auf sehr geschädigten Hufen Barhuf laufen muss bzw. auf härterem Boden Hebelkräfte auf den Tragrand wirken. Das Pferd hat oft aufgrund seiner geschädigten Hufe (vermeidbare) Schmerzen. Ist die akute Phase überstanden, ist ruhige Bewegung sehr förderlich- und das Pferd bewegt sich nur, wenn es ohne Schmerzen ist.
Eine ideale Kombination beider Methoden stellen für mich Hufschuhe
dar. Diese können auf jede erdenkliche Weise gepolstert werden, um
optimale Unterstützung für die Hufe zu bieten. Die Polsterung dämpft die
Hufe stark, was den Pferden die Schmerzen nimmt.
Gleichzeitig können die Hufe in jedem notwendigen Abstand bearbeitet
werden, die Hufschuhe können jederzeit abgenommen werden, sollten sie
momentan nicht notwendig sein.
Mehr zum Thema Hufschuhpolsterung hier.
Wer möchte, kann sich die Hufschuhe als 'anklemmbaren' Rehebeschlag
vorstellen.
Ich verwende für diese Zwecke die Selbstbau- Hufschuhe, die sich bewährt
haben. (zusätzlich mit geschlossener Sohle ausgestattet). Die Pferde
können die Schuhe problemlos den gesamten Tag tragen. Ich empfehle, das
Pferd einige Stunden am Tag auf idealem Boden ohne Hufschuhe zu lassen.
Scheuerstellen gab es bei uns nicht.
Sobald das Pferd z.B. auf gutem Boden auch ohne Hufschuhe laufen kann,
kann man auf sie wieder verzichten.
Ist die wirklich akute Phase der Rehe überstanden, sollte man ein
Pferd keinesfalls einsperren. Es sollte zu ruhiger Bewegung ermutigt
werden. Dies geschieht am besten in einem Offenstall, wobei eine extrem
unruhige Herde bzw. Rennerei durch eine Neueingliederung natürlich
ungünstig sind.
Die gleichmäßige, ruhige Bewegung vornehmlich im Schritt fördert die
Heilung ungemein. Zusätzlich kann man mit dem Pferd spazieren gehen.
Wichtig ist immer, dass sich das Pferd freiwillig bewegt. Die oben
genannten gepolsterten Hufschuhe können eine große Hilfe sein.
Die Hufbearbeitung selbst
Die Aufgabe der Hufbearbeitung selbst ist es, dem neuen, gesunden und fest verbundenem Hufwachstum zu erlauben, am Tragrand anzukommen, ohne eine erneute Verformung zu erleiden.
Eine hilfreiche Vorstellung ist es, einen neuen Huf um das Hufbein
herum wachsen zu lassen. Der Rehehuf gibt durch sein Wachstum Hinweise
darauf, wie das Hufbein ungefähr im Huf liegt. Der oberste cm Horn unter
dem Kronrand folgt der momentanen Lage des Hufbeines, geht das Wachstum
senkrecht nach unten, ist das Hufbein schlecht angebunden, ist der
Kronrand eingesunken, ist das ein Hinweis auf eine Hufbeinsenkung. Auf
diese Weise kann man eine Art 'Röntgenblick' entwickeln.
Angefertigte Röntgenbilder sind durchaus nützlich, wenn man auch meist
die selbe Information erhält, schaut man sich das Wachstum des Hufes
gründlich an. Bestimmte Gradangaben für eine Hufbeinrotation sind kein
Grund zur Panik!
Die Knochen bleiben am Ende des Beines, wo sie hingehören, 'NUR' der Huf
ist durch die Hufrehe deformiert.

Diese Montage illustriert, wie man durch das 'lesen' im Wachstum des
Hufes einen 'Röntgenblick' entwickeln kann. Foto und Röntgenbild (mit
freundlicher Genehmigung von Kim Cassidy, www.clickandtrim.com) stammen
vom selben Huf und vom selben Zeitraum.
Betrachten wir zunächst das Foto: Der Huf zeigt offensichtliche Spuren
eines in der Vergangenheit erlittenen Reheschubes- etwa 3 Monate vor
Aufnahme dieser Bilder. Die Trennlinie zum alten Wachstum befindet sich
an den Trachten weiter Richtung Boden als an der Zehe- wo das Horn sich
quasi staut und daher keine Länge gewinnt. Unterhalb der Trennlinie
befindet sich an der Zehe (nur dies können wir aus dieser Ansicht
beurteilen) ein 'Knick' - das Horn unterhalb ist vom Hufbein separiert.
Darüber folgt das Horn dem Hufbein. Also legen wir im Geiste- bzw. hier
im Computer- eine Linie entlang des neuen Wachstums und finden so den
Winkel des Hufbeines -und siehe da- das Röntgenbild liefert die gleiche
Information! Einen zusätzlichen Hinweis liefert der Kronrand - je
waagrechter dieser ist, desto steiler steht das Hufbein.


Dieses Pferd erlitt etwa 6 Monate vor Aufnahme dieser Fotos eine
Hufrehe. Nicht immer findet man eine sehr klar abgegrenzte Trennlinie.
In diesem Fall ist der Huf insgesamt (auch die Seitenwände!) sehr stark
von Hufbein separiert. Da die bis dahin vorgenommene (konventionelle)
Behandlung nicht funktioniert hat, verbiegt sich der neue nachwachsende
Huf sofort aufs neue. Hufe dieser Art nähern sich im Laufe einer
Korrektur stetig einem fest verbundenen Huf an -auch das ist in Ordnung.
Tipps:


Rehehuf vor der Bearbeitung- 3 Monate nach der akuten Rehe- die
Trennlinie ist deutlich zu Erkennen.

...und danach. Die Verbiegung wurde reduziert, die Trachten gekürzt.
Sinnlose und/oder gefährliche Maßnahmen
Zum Schluss eine kurze Warnung vor verbreiteten, jedoch keinesfalls zielführenden Maßnahmen:
Arbeit und Belastung des Hufrehepferdes
Bei der Heilung eines Hufrehepferdes ist in Sachen Bewegung und Belastung Augenmaß gefragt.
Sobald die akute Phase überstanden ist, sollte das Pferd ruhige Bewegung im Offenstall haben. Ist es Lahmfrei im Schritt, kann man mit ihm Spazieren gehen (mit gepolsterten Hufschuhen oder auf idealem Untergrund). Ein Pferd zur Bewegung zu zwingen ist äußerst problematisch.
Je weiter der neue Huf herunter gewachsen ist, desto belastbarer ist
das Pferd.
Eine Belastung des Rehepferdes muss sorgsam erwägt werden. Auf jeden
Fall muss sehr vorsichtig vorgegangen werden. Erst wenn der Huf wieder
eine relativ feste Anbindung hat, sollte an (leichte) Arbeit gedacht
werden.
Beispiele
Hier einige Fallberichte:
Druid- ein extremer Fall, der wieder vollständig gesund geworden
ist.
Carla - Connemarastute
und Caryl - ihre Schwester. Die beiden erkrankten zeitgleich an Rehe.
Strahlfäule ist ein häufiges Problem, es gibt jede Menge 'Mittelchen' zur Behandlung, die jedoch oft nicht den gewünschten Erfolg bringen. Die Ursache für dieses Phänomen ist, dass die Strahlfäule nicht nur 'chemisch' behandelt werden darf, sondern dass vor allem die Hufe korrekt ausgeschnitten werden müssen.
Die bekannteste Ursache für Strahlfäule sind unhygienische Bedingungen im Stall. (z.B. nicht abgesammelte Matschpaddocks, Matratze Marke 'Misthaufen in der Box'). Jedoch sind die Verhältnisse in den meisten Ställen glücklicherweise besser, Strahlfäule kommt dennoch vor- Warum? Die Strahlfäule verursachenden Bakterien leben, und sei noch so gründlich gemistet, überall in der Umgebung des Pferdes. Die Bakterien sind anaerob, d.h. sie lieben Sauerstoffabschluss. Ein gesunder Huf hat jedoch mit einer gewissen Anzahl Bakterien kein Problem, erst ein kranker Huf wird anfällig und erkrankt an Strahlfäule.
Besonders begünstigen Zwanghufe die Entstehung von Strahlfäule. Hier ist der Strahl 'verkümmert' und eingequetscht, es entsteht fast unweigerlich Fäulnis. Die seitlichen Strahlfurchen werden so eng und tief, dass sie nicht mehr vernünftig gereinigt werden können.
Beschlag führt oft zu Zwanghufen (und begünstigt damit die Strahlfäule) zum zweiten trägt bei von Natur aus engeren Huf der Strahl beim beschlagenen Huf nicht mehr mit. Er erhält nicht genügend Reize und neigt in Folge dessen zur Fäulnis.
Abhilfe wäre hier, die Hufe wieder in eine gesunde Form zu überführen. Dies erfordert eine kompetente Bearbeitung des Barhufes.
Zur richtigen Bearbeitung des Strahles gibt es einen eigenen Artikel unter Hufbearbeitung. Tritt Strahlfäule auf, sollten faule und lose Teile weg geschnitten werden. Ansonsten ist weniger Bearbeitung oft mehr.
Tritt also die Strahlfäule auf, sollte die Frage nach der Ursache gestellt werden. Erst wenn diese gefunden und abgestellt ist, wird eine Behandlung Erfolg haben.
Die zahlreichen Mittel gegen Strahlfäule sind gut als Unterstützung. Bei leichten Fällen verschwindet jedoch Strahlfäule oft allein durch ordentliches Ausschneiden!
Tipps zur chemischen Behandlung der Strahlfäule:
Oft sitzt die Strahlfäule ist tiefen, unzugänglichen Ecken (besonders mittlere Strahlfurche). Um diese zu behandeln, geht man am besten folgendermaßen vor:
Mit Strahlfäule ist nicht zu spaßen. Fortgeschrittene Strahlfäule verursacht Lahmheiten oder kann sich schlimmstenfalls zu Strahlkrebs entwickeln!
Die Bezeichnung ist nicht wissenschaftlich exakt, das Problem hierzulande nahezu unbekannt. (engl.: fungus).
Es handelt sich ebenfalls um ein Problem am Strahl, dass sich jedoch völlig anders äußert als die klassische Strahlfäule.
Kennzeichen des Strahlpilzes:
Von Strahlfäule (schwarzer, faulig stinkender Gammel) ist dieses Problem also eindeutig zu unterscheiden. Leider habe ich kein wirklich aussagekräftiges Foto.
Strahlpilz verlangt wie die Strahlfäule eine Abstellung unphysiologischer Hufzustände.
Zusätzlich empfiehlt sich eine chemische Behandlung, die sich grundsätzlich von der der Strahlfäule unterscheidet.
Bei meinem Pferd hat sich das Behandeln der Hufe mit Borax- Lösung sehr bewährt. Der Strahlpilz verschwand.
Borax (Natriumtetraborat) ist ein uraltes Hausmittel zur Reinigung und Desinfektion. Es ist in Apotheken sowie bei speziellen Läden/Versandhäusern erhältlich. (z.B. 'Manufaktum', außerdem natürlich bei 'Ebay'). Das Mittel ist sehr günstig, ca. 5€ für 250g, zusätzlich extrem ergiebig...
3 TL des Pulvers werden in ca. 1,5 l Wasser gelöst und diese Lösung täglich auf den Strahl gesprüht. Bei hartnäckigen Fällen kann der gesamte Huf etwa 1x in der Woche in der Lösung eingeweicht werden (z.B. Wässerschuhe)
Das Einweichen in Borax- Lösung wirkt auch gegen White Line Disease.
Stolpern
Viele Pferde zeigen ein mehr oder minder häufiges Stolpern, sowohl frei als auch unter dem Reiter. Hiervon geht selbstverständlich für Mensch und Pferd eine stark erhöhte Verletzungsgefahr aus. Häufig liegt die Ursache hauptsächlich in den Hufen und kann dort abgestellt werden.
Zunächst muss man verschiedene Arten des Stolperns unterscheiden.
Zunächst gibt es ein Stolpern wg. schwieriger Bodenverhältnisse, z.B.
wenn das Pferd auf einen wegrollenden Stein, eine rutschige Wurzel oä
tritt. Dieses Stolpern ist ein Schutzmechanismus des Organismus um vor
einer Verletzung zu schützen. In einem geringen Umfang ist das normal
und kann dadurch minimiert werden, dem Pferd zu gesunden Hufen zu
verhelfen und ihm viele Möglichkeiten zu geben, sich in
unterschiedlichem Gelände zu bewegen. Auf schlechten Böden sollte
Schritt selbstverständlich sein, das Pferd sollte lernen z.B. einen Weg
mit dicken Wurzeln ruhig und Schritt für Schritt zu überwinden. Hier
kann vorbereitende Bodenarbeit z.B mit Stangen helfen. Ein solches
Stolpern ist selten und immer einer klaren Ursache zuzuordnen. Ebenfalls
eine Möglichkeit ist das Stolpern aufgrund von Reiterfehlern. Dies kann
entweder ein zu hohes Gewicht des Reiters sein oder eine grundfalsche
Reitweise, besonders reiten in eingerollter Haltung (Kopf hinter der
Senkrechten, so funktioniert das Gleichgewichtssystem des Pferdes nicht
richtig), 'Zusammenziehen', anreiten von Taktfehlern, fehlende oder
falsche Ausbildung die in Angst und Hektik seitens des Pferdes endet.
Ein weiterer Reiterfehler ist die Überforderung des Pferdes durch zu
lange und harte Arbeit. Ein übermüdetes Pferd stolpert. Durch besonders
korrektes Reiten ist es möglich, Stolpern zu vermeiden obwohl die
Ursache nicht abgestellt ist. Wenn ein Pferd nicht entspannt am langen
Zügel geradeaus geritten werden kann, ist etwas faul und die Ursache
sollte gesucht werden.
Nun folgen die typischen hufbezogenen Stolperursachen:
Alle diese hufbezogenen Stolperursachen können mit guter Hufpflege
abgestellt werden.
Ebenfalls möglich sind degenerative Erkrankungen am Bewegungsapparat. In
-eher seltenen- Fällen ist auch trotz korrekter Hufstellung bzw. falls
möglich Behandlung der Grunderkrankung nichts mehr zu verbessern. Ein
solches Pferd sollte schon aus Sicherheitsgründen nicht mehr geritten
werden, falls es noch fröhlich und lebensfroh ist kann es aber gut ein
Leben als Beistellpferd führen.
Die White Line Disease zeichnet sich durch 'Gammelvorgänge' in Bereich der Blättchenschicht aus. Die Blättchenschicht erscheint schwarz.

Typischer Huf mit White Line Disease (WLD).
Vereinfacht betrachtet ist die WLD mit der Strahlfäule verwandt. Auch hier ist eine alleinige Behandlung mit chemischen Mitteln nicht Erfolg versprechend.
Mögliche Ursachen sind:
Abhilfe wird geschaffen, indem die Ursache abgestellt wird. Eine zusätzliche Behandlung erfolgt am besten dadurch, dass, soweit möglich, der Gammel beim ausschneiden entfernt wird und danach ein handelsübliches Mittel gegen Strahlfäule aufgetragen wird. Auf keinen Fall sollte jedoch extrem viel Material oder gar die Hornwand entfernt werden, lediglich die obersten mm können entfernt werden!

Hufriss
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Hufspalten:
Normale Hufspalten: Hufspalten entstehen durch Spannungen und
Imbalancen im Huf. Das beantwortet auch schon
wie man sie behandelt: Durch das Verbessern der Hufform,
Aufheben von Spannungen und Imbalancen.
Die offensichtlichste Spaltursache sind verbogene Wände, die
eine enorme Hebelwirkung aufbauen.
Weiterhin häufig sind zu lange (auch eingerollte) Trachten
(deutlicher Tragrandüberstand über der lebenden Sohle) die
besonders für Spalten in der Seitenwand verantwortlich zeichnen.
Die Hufbearbeitung erfolgt ganz unspektakulär am Barhuf wie in
den Grundzügen auf dieser Seite beschrieben,
denn so stellt man eine normale, gesunde Hufform her. Die
Spalten wachsen dann einfach raus.
Alle weiteren Maßnahmen sind unsinnig bis extrem schädlich.
'Operationen' wie das herausschneiden des Spaltes oft bis auf die
Lederhaut sind zum einen unsinnig (das Problem, die Spannung
in der Hufkapsel bleibt). Zusätzlich wird der Spalt noch vergrößert(!)
Der Huf destabilisiert, es besteht die Gefahr einer Infektion der
aufgefrästen Stelle.
Wird er zuvor weg geschnittene Spalt zusätzlich versiegelt z.B. mit
Kunsthorn kann sich zu allem Überfluss auch noch Gammel bilden. Des
weiteren kann -ich habe von solchen Fällen gelesen- die Lederhaut
irreparabel geschädigt werden.
In Kombination mit solchen Maßnahmen steht der Spezialbeschlag, ohne den
das Pferd bei Anwendung solch drastischer Maßnahmen wohl auch nicht mehr
laufen könnte.
Neben der Methode des ausfräsen des Spaltes werden Spalten gerne mit
Rohrschnellen zusammengeschraubt in Kombination mit Spezialeisen.
Neueste 'Mode' ist wohl, mit der heißen Raspelangel ein Loch in den
Spalt zu brennen.
Schließlich noch die verbreitete, eher harmlose Methode Querrillen
anzubringen.
Allen diesen Maßnahmen ist gemein, dass sie überflüssig sind.
Denn Spalten können mindestens genauso gut durch Barhufbearbeitung
korrigiert werden.
Während einige Maßnahmen bei moderater Anwendung (oberflächliche
Querrillen) so harmlos wie wirkungslos sind gefährden andere die
Gesundheit des Pferdes nicht nur durch Erfolglosigkeit sondern durch
direkte Schadwirkung. (Herausschneiden des Spaltes). Selbst wenn ein
fähiger Schmied mit einer dieser Beschlagslösungen einen Spalt stoppt
(in der Regel gelingt das eher nicht) bleiben weiterhin die Nachteile
durch das Eisen selbst oder aber der Preis eines völlig unbeweglichen
Hufes, der langsam aber sicher völlig degeneriert.
Hinzu kommen bei den oben genannten Lösungen nicht selten erhebliche
Kostenbelastungen für den Pferdebesitzer.
Mit Rohrschellen zusammen geschraubter Spalt- unbedingt Finger
weg von solchen Maßnahmen

'Herausgeschnittner' Spalt- dessen Ursache sollte offensichtlich sein-
lassen sie eine solche 'Behandlung' niemals an ihrem Pferd vornehmen!
Des weiteren gibt es Spalten mit permanentem Schaden im
Kronrand(Hornnarben). Solche Schäden entstehen durch eine Verletzung
oder durch einen lange bestehenden 'normalen' Spalt. In diesem Fall
handelt es sich
um eine irreversible Schädigung, an der Stelle der Hornnarbe wird kein
normales Horn mehr produziert.
Am Kronrand kann man üblicherweise eine 'Delle' fühlen.
Die Behandlung erfolgt wie bei den normalen Spalten, im wesentlichen mit
den gleichen Argumenten. Oft gelingt es, dass anstatt eines Spaltes nur
eine Delle (geschlossen) herunterwächst. Dies ist die in diesem Falle
optimale Lösung. Dann gibt es Fälle, wo leider ein Spalt bleiben wird.
In den allermeisten Fällen ist dieser Spalt sehr oberflächlich und damit
harmlos wenn die Hufform optimiert und frei von Spannungen ist.
Spalten, die oben am Kronrand geschlossen herauswachsen und erst weiter
unten aufreißen sind logischerweise nicht durch eine Hornnarbe
verschuldet.
'Normale' Spalten sind vollständig heilbar (durch herauswachsen). Spätestens wenn der Spalt herausgewachsen ist (in der Regel viel früher) ist das Pferd voll einsatzbereit.
Hornnarben stellen eine permanente Schwachstelle dar, die nicht mehr
zu beheben ist. In solchen Fällen ist größte Sorgfalt bei der
Hufbearbeitung angebracht. Es kann- in schweren Fällen- zu
Einschränkungen in der Belastbarkeit des Pferdes kommen. Hornnarben sind
eher selten, schwere Fälle sowieso. Wurde erreicht, dass nur eine Delle
herauswächst, gibt es in der Regel keine Probleme.
Vermeiden kann man Hornnarben durch korrekte Hufpflege von Fohlen an und
der bestmöglichen Vermeidung von Verletzungsgefahren (z.B. Stachel- und
Schafdraht, schlampige Stallbauten, Unrat)
Für weitere Erklärungen siehe Hufbeurteilung, Fall11 und Gründe für Beschlag.
Als Bockhufe bezeichnet man Hufe, die eine extrem steile Zehenwand haben, manchmal fast senkrecht. Oft tritt das Problem einseitig auf, wird dann häufig auch als Sehnenstelzfuss bezeichnet.
Trifft man auf ein erwachsenes (älter als ca. 1,5- 2) Pferd mit einer solch auffälligen Hufstellung, muss man zunächst unterscheiden, welche Art von Bockhuf vorliegt.
A) Der 'manipulierte' Bockhuf
So etwas entsteht, weil die Hufe des erwachsenen Pferdes falsch
bearbeitet wurden, besonders wenn die Trachten bei jeder Bearbeitung
länger gelassen werden. Irgendwann ist der Huf dann aus dem
Gleichgewicht und läuft sich die Zehe schon von selbst immer mehr ab-
der Weg zum Bockhuf ist frei. Selbstverständlich ist es auch möglich,
dass auf diese Art und Weise ein Huf immer steiler gemacht wird, vor
allem wenn fälschlicherweise angenommen wird, es handele sich um Typ B
(siehe unten).
Solche Hufe sind leicht zu erkennen: Sie weisen immer einen sehr
ausgeprägten Tragrandüberstand an den Trachten und keinen an der Zehe
auf. (Über
der lebendigen Sohle).
Die Behandlung ist ebenfalls einfach-
kürzen der Trachten bis zur lebendigen Sohle, Abwägung ob sofort
oder in Schritten.
Mit der Zeit baut sich der Huf oft sogar noch ein wenig um, d.h. der Huf
macht seine Trachten kürzer. Eine normale Hufform wird mit der Zeit
erreicht.
Keinesfalls dürfen die Trachten weiter gekürzt werden als bis zum Niveau
der lebendigen Sohle- erstes verursacht dies Fühligkeit und zweitens
reagiert der Huf auf solche Angriffe mit zusätzlicher Hornbildung
anstatt langsam kürzere (=korrektere) Trachten zu bilden. Wer immer nur
bis zur lebendigen Sohle arbeitet, der wird in der Regel am Ende kürzere
Trachten haben, als er sich jemals getraut hätte, zu schneiden- also
Geduld!
B) Der 'echte' Bockhuf
In einem solchen Fall sind die Strukturen im Pferdebein so 'falsch'
zusammengebaut, dass der Huf nur steil sein kann. Auch
Verletzungen/Krankheiten (wie z.B. in einem mir bekannten Fall massive
Arthrose im Fesselgelenk) können eine steile Stellung notwendig machen.
Ein solches Pferd hat einen extrem steilen Huf, der jedoch rundrum nur
einen sehr geringen oder keinen Tragrandüberstand aufweist- der Huf ist
balanciert.
Die Grundlagen zu einer solchen Fehlstellung werden im Fohlenalter
gelegt- wenn die Hufe nicht oder falsch bearbeitet werden und/oder das
Fohlen zuwenig Bewegung auch auf härteren Böden hat.
Leider ist an echten Bockhufen nichts zu ändern. Jeder Versuch, die Hufe
flacher zu bekommen, verschlechtert die Situation für das Pferd. Ich
habe schon zahlreiche Versuche gesehen, 'echte' Bockhufe 'mit Gewalt' zu
korrigieren- es ist schlicht und einfach nicht möglich, das einzige was
man erreicht ist eine verbogene Zehenwand.
Auch bei einem Bockhuf und einem normalen Huf muss das Pferd damit
leben. Aus einer solchen Stellung ergibt sich eine höhere Anfälligkeit
für allerlei Lahmheiten- da im Bockhuf die Knochen in den Gelenkflächen
nicht normal angeordnet sind und der normale Huf ständig überlastet
wird. Ein Pferd mit zwei unterschiedlichen Hufen wird immer eine
ausgeprägte Schiefe ('Schokoladenseite', zeigt oft Galopp nur auf einer
Hand, setzt den Reiter im Leichttrab immer auf den gleichen Fuss)
aufweisen. Daher ist eine korrekte Gymnastizierung hier sehr wichtig,
damit die Schiefe wenigstens nicht schlimmer wird. (Auch wenn das Pferd
'nur' im Gelände geritten wird).
Diese Fehlstellung gibt es natürlich in sehr unterschiedlichem Ausmaß.
Leichte Fälle (Differenz d. Winkel bis ca. 5°, bei genauen hinsehen zu
erkennen) sind in der Regel unkritisch. Krasse Fälle (z.B. ein Huf 80°,
der andere 45°) sind sehr bedenklich und schränken die Nutzung als
Reitpferd wahrscheinlich ein.
'Echte' Bockhufe sind mit reiner Hufbearbeitung nicht zu korrigieren. In
manchen Fällen gibt es eine körperliche Ursache für Bockhufe, die
abgestellt werden kann. (siehe
www.hoofrehab.com, Artikel)
B) mit etwas A) falsch ausgeschnittene 'echte Bockhufe'
Auch bei einem Pferd das aufgrund seines Beinaufbaus 'Bockhufe' benötigt, kann diese Situation durch falsche Hufbearbeitung unnötig übertrieben werden. Die Lösung ist, sich an der lebendigen Sohle zu orientieren, siehe Fall A). Auf keinen Fall darf versucht werden, die Hufe über dieses Maß hinaus zu korrigieren oder anzugleichen (siehe B).
C) Beim Fohlen
Beim Fohlen kann jedweder Fehlstellung- insbesondere Bockhufen- sehr
effektiv vorgebeugt werden.
Ganz einfach in dem auch Fohlenhufe ca. alle 4 Wochen
bearbeitet/Kontrolliert werden, nach den gleichen Richtlinien wie
erwachsene Pferde.
Fohlen brauchen viel Bewegung auf unterschiedlichen Böden- nicht nur auf
Matschweiden oder tiefen Sandausläufen. In einer Box oder gar in
Matratzenhaltung hat ein Fohlen natürlich nichts zu suchen!
Angeborene Stellungsfehler sind selten. Die meisten geben sich innerhalb
weniger Tage, wenn das Fohlen ausreichend bewegt wird. Solche Fälle
sollten mit einem erfahrenen Tierarzt abgestimmt werden.
Ein Beispiel einer Hufbearbeitung am Bockhuf - Mini- Shetty, 3 Jahre, erste Hufbearbeitung durch mich:

Vorher: Der Huf steht stark bockhufig... doch was tun?

Zunächst wurde die lose Sohle entfernt. An beiden Trachten wird ein
großer Tragrandüberstand sichtbar, auf der Außenseite war der Huf schon
dabei, sich durch einen Ausbruch selbst zu helfen (leider keine ideale
Bildqualität)

Die Trachten wurden nun auf das Niveau der lebenden Sohle gekürzt- kein
Stück weiter!

Seitenansicht des fertig bearbeiteten Hufes.

...und das Resultat. Die Stellung ist schon wesentlich 'normaler'.
Verbogene Wände im Trachtenbereich wurden bearbeitet. Das Pony lief
sofort wesentlich freudiger und zeigte keinerlei Probleme.
Ob das Pony 'echte' Bockhufe hat oder aber sich die Hufe mit der Zeit
einem normalen Hufwinkel annähern werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt
nicht vorhergesagt werden- das ist für die momentane Bearbeitung aber
auch unwichtig. Orientiert man sich bei solchen Hufen an der lebenden
Sohle, wird man mit seiner Bearbeitung Erfolg haben. Grundfalsch ist es,
Bockhufe mit Gewalt auf einen als normal angesehen Winkel schneiden zu
wollen!
Mit der 'Fesselstandstheorie' kommt man hier übrigens nicht weiter.

Der selbe Huf 1 Jahr später. Ein völlig normaler Hufwinkel wurde
erreicht. Die Trachten wurden im Laufe der Zeit immer nur bis zur
lebenden Sohle gekürzt.
Übrigens... von Shetty bis Kaltblut verdient jedes Pferd die gleiche Aufmerksamkeit bei der Hufpflege! Für sehr kleine Mini- Hüfchen eignet sich ein sehr schmales und kurzes Messer. Der verwendete Hufbock sollte so niedrig sein, dass die Hufe problemlos abgestellt werden können. Kleinen Ponys bitte nicht die Hufe übermäßig hoch anheben, denn das fügt dem Tier Schmerzen zu und resultiert in Widersetzlichkeiten. Lieber einfache Arbeit (bei einem kooperativen Pony...) in einer unbequemen Position als ein 'Kampf' in einer bequemen Position...
Zunächst einmal durch Definition: Bei Hufgeschwüren handelt es sich um Fäulnisprozesse , beim Hufabszess kommt ein eitriger Prozess hinzu. Befinden sich Hufgeschwüre hinter der Hufwand, brechen sie nach einer Zeit- in der Regel ohne schmerzen für das Pferd, am Kronrand durch. Es zeigt sich dann ein waagrechter, bei hellen Hufen lila verfärbter Defekt im Huf.

An diesem Huf ist ein Hufabszess frisch am Kronrand durchgebrochen
(Ballen rechts im Bild). Es handelt sich nicht -wie so gerne angenommen-
um eine Trittverletzung, die sehen völlig anders aus. Hufabszesse können
an jeder Stelle des Kronrandes auftreten, später ist dann ein verfärbter
Querriss beim runterwachsen zu beobachten (nächstes Bild). Man beachte
übrigens die extrem langen Trachten dieses beschlagenen Zwanghufes- wo
auch gleich die Ursache für den Abszess zu suchen ist.

Am rechten Rand des Hufes ist ein Hufabszess zu sehen, dass ca.
3 Monate zuvor am Kronrand aufgebrochen war.
Ist das Hufabszess am Kronrand aufgebrochen, ist in der Regel keine weitere Behandlung nötig.
Hufgeschwüre und Abszesse können jedoch auch in der Sohle auftreten, was starke, meist plötzlich auftretende Lahmheit zu Folge hat. Solche Geschwüre/Abszesse sollten -möglichst materialschonend- vom TA geöffnet werden. Ist ein Geschwür nicht zu finden, können Verbände zum aufweichen des Hufes eingesetzt werden oder auch homöopathische Mittel als Unterstützung.
Auch Hufgeschwüre/Abszesse haben ihre eigentliche Ursache
zumeist in einer schlechten Hufform. Auch hier ist es
entscheidend, dass eine geschwächte Stelle im Huf dem 'Gammel'
Eintritt gewährt.
Besonders gefährdet sind: Schiefe Hufe, Rehehufe
(Blättchenschicht), Hufe mit wuchernden Eckstreben (Druck der
Eckstreben auf die Sohle kann Hufgeschwür verursachen), Hufe mit
sehr schrägen Wänden.
Der oben abgebildete Huf war sehr schief, das Hufgeschwür befand
sich in der minder belasteten, verbogenen Wand.
Wichtig ist also die verursachende Hufform abzustellen, dann werden auch Hufgeschwüre der Vergangenheit angehören.
Ein weiterer Verursacher von Hufgeschwüren ist ein extremes ausdünnen
der Sohle, wie ich es bislang bei einigen Strasser- Hufbearbeitern
beobachten konnte. Die Sohle wird hier- gerade im Bereich der Trachten-
gerne sehr dünn geschnitten. Die logische Folge ist das eindringen von
Gammel, Bakterien etc, und schon ist das Hufgeschwür da. Diese
Hufbearbeiter argumentieren in der Regel, dass diese Hufgeschwüre ein
notwendiger Teil der Umformung der Hufe sind und den Transport
abgestorbenen Gewebes nach außen darstellen.
Meiner Meinung ist das nicht so, man muss Hufe nicht nah ans Leben
schneiden, um gesunde Barhufe zu bekommen. Hufgeschwüre können bei einer
ungesunden Hufsituation durchaus einmal vorkommen (oder selten aufgrund
einer Verletzung entstehen) , sind aber keineswegs normal bei der
Barhufumstellung!
Man sollte seinem Pferd solche Ausschneidetechniken unbedingt ersparen,
insbesondere auch, da Hufgeschwüre für das Pferd extrem schmerzhaft
sind. Ganz abgesehen davon, dass ein Pferd mit dünn geschnittener Sohle
in der Regel fühlig läuft, zumindest auf härterem Boden.
Mit diesem fasse ich einige Probleme zusammen, z.B. hohle Wand, Löcher von Hufgeschwüren, Strahlfäule, Risse....
Bei all diesen Problemen entsteht ein mehr oder minder ausgeprägtes 'Loch' im Huf, z.B. in der hohlen Wand oder nach Eröffnung eines Hufgeschwürs. Leider setzen sich sofort Steine und ähnliches in ein solches Loch, was bei schon bestehender Instabilität nicht ideal ist.
Hauptaugenmerk sollte auch hier auf die Ausschaltung der Ursache gelegt werden. Zum Beispiel ist die Seite, wo sich eine hohle Wand bildet, in der Regel überbelastet. Damit zwischenzeitlich keine weiteren Probleme entstehen, sollte man folgendermaßen vorgehen:
Auf diese Art hat es das nachwachsende Horn leicht, da es 'nur' Mullbinde wegschieben muss, und keine Steine. Gammel wird verhindert, da kein Mist eindringen kann. Das Pferd kann normal in Offenstall und Weide, sowie geritten werden.