Ich kam über die Hufprobleme meines eigenen Pferdes (siehe Doku) hier auf der Seite zur Beschäftigung mit Barhuf und Hufen. Mit der Zeit hat es sich entwickelt, dass ich immer häufiger nach meinen Erfahrungen und meiner Meinung gefragt werde. Da ich nicht immer neu tippen wollte, diese Seite. Ich hoffe hiermit allen Reitern, die in einer ähnlichen Situation (Hilfe, Hufproblem, was soll ich machen?) sind, zu helfen. Ich fand damals nämlich leider kaum Informationen und musste sie mir mühsam zusammensuchen. Ich hoffe, dass diese Seite einen Beitrag dazu leistet, dass mehr Pferde mit gesunden Hufen leben dürfen.
Auch wenn Hufe für mich weiterhin hauptsächlich ein Hobby sind, biete ich im Raum Taunus auch persönliche Beratung am Pferd, Vorträge/Kurse über Hufbearbeitung an (nach Absprache).
Wie ich 'Hufbegeistert' wurde....
Meine ersten Reiterfahrungen machte ich auf frechen Shetties, ich ritt
ohne Sattel im Gelände... Danach wechselte ich in eine herkömmliche
Reitschule. Die Pferde standen in kleinen Boxen, kannten keinerlei
Weidegang. Diese Pferde waren alle beschlagen- einige Hufeisen habe ich
heute noch im Keller-. Ich war damals ungefähr 10 Jahre alt, das dort
gelehrte 'grobe' Reiten und die oft durchgehenden, beißenden oder sonst
wie schwierigen Pferde waren mir allerdings zutiefst unsympathisch. Ich
machte meinen Reiterpass, als ich jedoch das kleine Reitabzeichen anfing
und intensiver Reitstunden nahm, wurde mir die Sache immer
unsympathischer und ich hörte dort auf, ohne jedoch meine
Reitleidenschaft aufzugeben...
Als nächstes kam ich in eine Reitschule, die auch Ponys hatten... Diese
lebten in einem Offenstall (und waren Barhuf..). Der Rest der Reitschule
war traditionell, wenigstens gab es auch für die Großpferde Weidegang.
Der Gruppenunterricht bleibt weitgehend ohne Lerninhalt. Nach einiger
Zeit konnte ich eine Reitbeteiligung ein einem Schul- Hafi übernehmen.
Am Wochenende konnte ich mit dem Hafi Bienchen und einem älteren Mädchen
und ihrer RB ausreiten gehen. Dies machte mir viel Freunde.
Leider gab die Betreiberin den Schulbetrieb auf, Bienchen und die
anderen Schulpferde wurden verkauft.
In einem privaten Stall nahm ich eine RB mit Unterricht seitens des
Besitzers an einem Trakehner- Wallach an. Dieser war sehr jung, ich
reiterlich ihm nicht gewachsen. Dem Besitzer schwebte wohl vor, dass ich
den Trakehner nach einer Zeit des Unterrichts auf Turnieren reite...
Doch nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass ich nicht so reiten will, wie
die 'Turnierreiter', die ich kennenlernte. Vor dem Trakehner bekam ich
langsam aber sicher Angst.
Der Besitzer hatte noch ein weiteres Pferd, Alex, der als Beistellpony
gekauft wurde. Obwohl auch dieser nicht älter war als der Trakehner, war
er mir aufgrund seiner Größe doch wesentlich sympathischer. Auch mit ihm
nahm ich Unterricht beim Besitzer... Was jedoch bald nicht mehr gut
funktionierte, da ich mit einem druck- ausübenden RL nicht klar kam. Ich
nahm Unterricht bei seiner Tochter, der sehr gut war (Sitzschulung).
Leider hatte diese bald keine Zeit mehr. So ritt ich einige Jahre mit
Alex im Gelände, im wesentlichen ohne jegliche reiterliche Anforderung
an ihn. Ich genoss die Natur, nette Mitreiter, die Ruhe. Mir gefiel das
übliche 'FN- Reiten' nicht, da es mich oft an Kraftreiten, Zwang und
Leistungsdruck erinnerte. Bevor ich also Alex schlecht reite, dachte ich
mir, lasse ich mich einfach durch die Natur tragen.
Zu Beginn war Alex Barhuf. Ich wunderte mich über seine extrem
asymmetrischen Hufe und die ständig gammelige weiße Linie, ohne
allerdings mehr zu wissen. Ich wurde neugierig. Ich war immer dabei,
wenn der Schmied kam, hielt auf (auch andere Pferde) und fand die Arbeit
faszinierend. Als ich mehr im Gelände ritt, wurde Alex beschlagen, 'weil
er sich die Hufe sonst abläuft'. Für mich hörte sich das zunächst
schlüssig an, da auch alle anderen Pferde beschlagen waren, die geritten
wurden... Und kaum einer ritt soviel wie ich im Gelände, das
unbestritten ziemlich schottrig ist...
Als ich ihn ca. 1 Jahr geritten war, bekam Alex auf einmal dicke Beine
und lief nicht klar (ohne besondere Belastung). Diagnose:
Sehnenprobleme. Er wurde 24 h in seiner Box eingesperrt, war auch (ohne
neue Erkenntnisse) in der Klinik... Er wurde extrem unleidlich, lahmte
nicht, aber die Beine waren extrem dick. Nach einigen Monaten durfte
Alex auf die Weide, wo das Problem langsam verschwand. Die Beine blieben
allerdings dick. Ein Jahr später durfte ich ihn wieder reiten,
allerdings vorsichtig, da er schwache Sehnen habe. Ich habe ihn also
vorsichtig aufgebaut, ohne dass seine Beine jedoch klarer wurden. In dem
privaten Stall lernte ich viel über Haltung, Fütterung usw. Allerdings
hinterfragte ich diese Dinge zunehmend. Ich stellte alle Pferde des
Besitzers auf die Weiden... Ohne mich hätten sie meist in der Box
gestanden. Mit dem Besitzer gab es oft sehr kontroverse Diskussionen
über die Haltung. Ich bekam oft ärger, weil ich die Pferde 'zuviel' auf
die Wiese stellte.
Alex wurde eine zeitlang mit (festen) Stollen beschlagen, ebenso wie die
anderen Pferde des Besitzers auch (sie standen so in der Herde, heute
gruselt es mich da). Ich holte in einigen Internetforen Rat ein, und
setze durch, dass er mit glatten Eisen beschlagen wurde.
Die Hufe fand ich 'häßlich' ohne genaues Hintergrundwissen. Er hatte
öfter Ballentritte. Daraufhin trug er 24h Hufglocken, dann sah man die
Hufe auch nicht mehr ;-)
Im direkt benachbarten Stall gab es einen RL (der auf seinen Pferden
Kindern Unterricht erteilte und auf Dressurturnieren starten lies),
dessen Pferde alle Barhuf waren. Außerdem waren sie so oft wie nur
möglich auf der Koppel. Er hatte früher sogar einen Laufstall, den er
jedoch auf Wunsch von Alex' Besitzer in Boxen umwandeln musste. Diese
Pferden liefen meist 3 Stunden täglich im Unterricht- ohne jedes Problem
mit dem Abrieb.
Da die Stalleinrichtung, Sättel etc sehr alt und 'vergammelt' waren,
dachte ich ' Tja, der kann ich Eisen einfach nicht leisten, hat einfach
zu viele Pferde...
Je älter ich wurde, desto mehr geriet ich dem Alex' Besitzer aneinander.
Unsere Ansichten über Haltung usw. waren ziemlich unvereinbar geworden.
Alex' war jahrelang zum Reiten quasi mein Pferd gewesen, ich konnte ihm
allerdings keine Haltung ermöglichen, wie ich sie mir wünschte. Als ich
volljährig wurde, kaufte ich Alex. Ich musste ihn- da so schnell kein
Offenstall aufzutreiben war- noch einige Monate im direkt benachbarten
Stall lassen- nach 2 Monaten Box mit ganztägig Weidegang (vorher nur
solange ich eben da war) durfte er 24h auf die Weide.
Der Stall hatte eine schräge in der betonierten Stallgasse. Jedes Mal,
wenn ich Alex dort runterführte, rutschte er weg. Auch im Gelände, wo
ich nun noch mehr und weiter ritt, fiel mir auf, wieviel er rutschte und
stolperte. Ich las in Internetforen (und traf dort erstmals auf Leute,
die Barhufe befürworteten), kaufte mir ein Buch 'gute Arbeit am Huf'. Es
war klar, der alte Schmied machte ziemlich viele Fehler in der
Verarbeitung des Beschlages (das war dort detailliert beschrieben).
Also, ein anderer musste her, den eine Stallkollegin wärmstens empfahl.
Tja, er kam, und machte eigentlich noch mehr Fehler als der 'alte'. Ich
kam ans Nachdenken. Ich konnte ja nicht bei jedem Beschlag einen anderen
Schmied ausprobieren, und ich fürchtete, dass ich wohl sehr lange suchen
müsste, bis ich einen vernünftigen gefunden hatte (ich hatte zahlreiche
andere Schmiede schon vorher bei der Arbeit beobachtet). Wie gesagt- in
dem Buch waren im wesentlichen einfache Regeln beschrieben, wie Eisen
nicht zu eng oder kurz, nageln..., nicht wie die Hufform aussehen soll,
davon und den damit einhergehenden Schwierigkeiten hatte ich noch gar
keine Ahnung! - Weiterhin die hässlichen Hufe und die Rutscherei. Die
dicken Beine nicht zu vergessen. Achja, und die 'Prügelszenen' zwischen
Hufschmied und Alex, der kein bisschen Ruhe hielt. (Besonders nageln war
ein Drama)
Tja, ich las also weiter. Ich suchte nach einer Alternative. Zuerst war
mir der Kunststoffbeschlag sehr sympathisch, aber ich suchte noch
weiter. Die Argumente 'Pro-Barhuf' erschienen mir logisch. Hufschuhe
schienen mir die Versicherung, dass ich weiter reiten konnte. Ein
Schmied schien mir nach den Erfahrungen nicht geeignet, Barhufe zu
bearbeiten. Also rief ich einen Hufpfleger, der Alex die Eisen abnahm
und die Hufschuhe anpasste. Alex hatte kaum Probleme, ich ritt nur mit
Schuhen. Kurz nach der Barhufumstellung ging er etwas unrein, TA meinte
leichte Sehnenreizung (nicht die Hufe). Diesmal bekam er Koppelpause.
Nach 4 Wochen war das Problem weg, die Beine wurden zunehmend klarer.
Stallkollegen und besonders Alex' Vorbesitzer waren völlig entsetzt über
die Idee mit der Barhufumstellung. Ich fing an, an den Hufschuhen
rumzubasteln, damit sie besser hielten. ...und ich las noch mehr. Ich
ahnte, dass es rund um Hufe jede Menge zu lernen gab, was mir bisher
verschlossen geblieben war. Ich kaufte ein Buch mit dem Titel 'Hufkurs
für Reiter'. Dort waren grundlegende Dinge wie das berunden oder Strahl
schneiden beschrieben. Ich kaufte mir Messer und Raspel und... naja,
probierte es einfach aus! (Auf der weitab gelegenen Sommerkoppel, wo
mich keiner beobachten konnte) Entsprechend vorsichtig natürlich,
entfernte ein paar lose fetzen oder Ausbrüche...
Währenddessen war ich auf Stallsuche. Zum Ende der Koppelsaison fand ich
den heutigen Offenstall für Alex, bei einer Stallbesitzerin, die ihre
Pferde in Eigenregie hält. Gut, der Stall war nicht perfekt (etwas viel
Matsch, aber den gabs im alten Stall auch und 8 Monate stand er eh auf
der Wiese, das Nachtquartier war befestigt). Im Laufe der Zeit wurde der
Stall immer weiter verbessert- heute ist der Winterauslauf befestigt-
Matsch ade!. Ich zog von heute auf
morgen aus, weil Alex nicht noch einen Winter in der Box verbringen
sollte, denn er musste noch vor dem Winter in die Herde eingegliedert
werden. Die neuen Herdenkollegen waren Barhuf. Ich fing an, etwas
mutiger an den Hufen zu raspeln, vor allem verbogene Wände. Ich las die
Strasser- Bücher, fand die Hufbearbeitung allerdings eher unsympathisch.
Der 'Startschuss' für meine tiefergehende Beschäftigung mit Hufen war
ein Hufkurs bei Jochen Biernat. Seine Ideen und sehr detaillierte Sicht
der Hufe begeisterte mich. Ich ließ Alex bald darauf von einem HO
bearbeiten... und wurde immer neugieriger. Ich probierte aus, den HO
zwischen den Terminen nachzuahmen. Bald bot er an, dass ich
zwischendurch raspele! Gerne! Die Hufbearbeitung machte mir viel Spaß.
Leider wurde der HO unzuverlässiger, war nicht zu erreichen, schickte
eine Schülerin nun zu mir. Von ihr lernte ich auch viel, arbeitete immer
selbstständiger. Die Termine zwischen den HO- Terminen wurden länger.
Ich las parallel alles über Hufe, was ich finden konnte. Ich probierte
aus, sah was an den Hufen passierte... Was funktionierte, was nicht...
Dann 'expandierte' alles recht plötzlich. Sowohl meine SB als auch eine
Freundin wurden neugierig- zuerst sollte ich der Freundin helfen, da das
Pferd einen schiefen Huf hatte, den der Schmied nicht hinbekam. Ich half
ihr beim bearbeiten, gleichzeitig vereinbarten wir einen Termin mit der
HO. Eine zeitlang wurden die Pferde meiner Freundin ebenso wie Alex
bearbeitet. Die HO zog einige Zeit danach weg, ich entschloss mich auf
eigene Faust weiterzumachen, meine beiden Freundinnen beriet ich weiter,
sie bearbeiteten die Hufe nun auch selbst. Kurz zuvor hatte ich meine
Neugier auf englischsprachige Literatur ausgedehnt- und 'natural
hoofcare' entdeckt. Auch hier habe ich ausprobiert, und vieles für gut
befunden. Ich habe großen Erfolg mit 'meinen' Barhufpferden und freue
mich täglich an den Hufen.
Nachdem ich viel über eine 'schöne Hufform' gelernt hatte (Biernat),
entdeckte ich 'Hochleistungs- Barhufe' und wurde darauf neugierig. Wie
konnte man Barhufe erreichen, die das Pferd über jeden Untergrund
tragen, im Rahmen einer normalen Nutzung? Musste ich wirklich so viel
mit Schuhen reiten?
Mit meinem Wissen über Barhufe, das ständig wuchs, schaute ich mir alle Hufe an, die ich so sah... Bei Bekannten, bei Ritten, auf Koppeln... Ich sah viele gravierende Auswirkungen von Beschlag und/oder schlechter Hufbearbeitung.
Natürlich war ich am
Anfang der Umstellung auch skeptisch- ob es wohl wirklich funktioniert?
Je mehr Erfahrungen ich mit Barhufen sammelte, desto sicherer wurde ich
mir, dass Barhuf wirklich gut funktioniert- und es Möglichkeiten
eröffnet, an die ich zu Anfang nicht geglaubt hatte. Hätte man mir zu
Anfang meiner Beschäftigung mit Barhufen erzählt, dass man barhufig
jeden Tag (ohne Hufschuhe) in unser Gelände reiten kann, sogar
Tagesritte unternehmen oder gar
130 km Distanzritte
reiten (auf Artikel klicken) kann - ich hätte denjenigen
wahrscheinlich für komplett verrückt gehalten!
Für mich ist Barhuf kein 'Dogma', sondern einfach etwas, was schlicht
wunderbar funktioniert und den Pferden sichtlich gut tut. Genau dies
möchte ich weitervermitteln.
Alex Sehnenprobleme und natürlich die Rutschrei verschwanden dauerhaft. Seine Beine sind klar und gesund, keine Spur einer Sehnenschwäche. Er hat nie wieder gelahmt. Auch bei den Pferden meiner Freundinnen gab und gibt es wunderbare Erfolge.

Alex und ich im Trab -Sommer 2005
Zwischendurch habe ich auch das Dressurreiten 'wiederentdeckt'. Beim lesen entdeckte ich, dass es auch 'fein und leicht' geht, und dass Dressur nicht bedeutet, Pferd und Reiter abzuquälen. Meine erste Erfahrung in dieser Hinsicht sammelte ich auf einem Reitkurs mit meiner heutigen RL (ihre Pferde sind auch Barhuf...), ich fing praktisch von null wieder an. Aber es machte sowohl mir als auch Alex Spaß, und obwohl ich nach wie vor fast nur im Gelände reite, ist ein gymnastiziertes Pferd doch viel schöner zu reiten! Ich reite heute, wie ich es mir früher nicht hätte vorstellen können. Ich hoffe, auch hier noch viel zu lernen. Außerdem unternehmen Alex und ich gerne Tages- und Wanderritte.

Schulterherein im Schritt - Sommer 2005
So wurde ich also zu einem 'Barhufbefürworter'. Ich werde weiterhin mit
Neugier alles über Hufe lernen wollen, und mich bemühen, immer offen für
Neues zu bleiben. Ich tausche mich mit verschiedenen
Hufinteressierten aus, die aus verschiedenen Richtungen stammen. Jedoch
werde ich ein 'Hobby- Hufbearbeiter' bleiben. Meine beruflichen
Interessen liegen anders, außerdem kann ich als 'Amateur' eine
Hufbearbeitung machen, wie ich sie für gut halte, ohne mich 100% nach
einem 'Guru' oder Verein richten zu müssen. Ich muss keine Rücksicht auf
finanzielle Notwendigkeiten nehmen, sondern kann mich nach meinem Pferd
richten.
Diese Seite habe ich vor allem als allgemeine Einführung geschrieben. Sie stellt natürlich meine persönliche Meinung dar. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, alles zu lesen, was einem in die Finger kommt.
Alle Angaben hier habe ich nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit.
Wenn ihr Fragen habt, Bilder oder ähnliches: Mailt mir : tina@kreartiv.com
Gruß Tina Gottwald