Hilfszügel



In diesem Artikel möchte ich ein Thema beleuchten, das mit Hufen zwar direkt nichts zu tun hat, mir zum Wohle der Pferde allerdings sehr am Herzen liegt.

Es geht um die heutzutage verbreitet verwendeteten Hilfszügel und Reithalfter. Sie sollen die Ausbildung von Pferd und Reiter erleichtern, gar die Pferde schonen. Doch sind diese Hilfsmittel wirklich sinnvoll oder gar schädlich und vollkommen kontraproduktiv?

Reithalfter

Meiner Meinung nach ausschließlich letzteres. Reithalfter unterbinden in aller Regel die Grundlage eines korrekten Kontakts mit der Reiterhand. Hilfszügel sind weder in der Ausbildung von Pferd noch von Reiter von Nutzen. Das Pferd wird in - in aller Regel falsche- Haltungen gepresst und der Reiter lernt keine korrekte Hilfengebung.

Diese Ansicht möchte ich im folgenden genauer darlegen und begründen.

Reithalfter wurden von Jagd- und Militärreitern erfunden, um Verletzungen des Kiefer(gelenks) bei Stürzen des Pferdes und gröbster reiterlicher Einwirkung zu verhindern. Das Reithalfter hielt das Maul in solchen Situationen geschlossen, ein Ausrenken des Kiefers beim Sturz oder ähnliche Verletzungen wurden auf diese Weise unwahrscheinlicher gemacht. Solche Gefahren treten beim heutigen Freizeitreiten- und ganz besonders beim Dressurreiten nun ganz sicher nicht auf. Trotzdem gehören Reithalfter in vielen Fällen zur völlig normalen Ausrüstung.

Tätsächlich werden Reithalfter heutzutage verbreitet dazu verwendet, dem Pferd schlicht das Maul zuzubinden. Gerade bei Dressurpferden(!) werden Reithalfter sogar häufig extrem fest verschnallt, spezielle dick gepolsterte Reithalftermodelle wurden hierzu entwickelt. Durch solche Praktiken wird allerdings die Grundlage eines Kontakts der Reiterhand mit dem Pferdemaul unterbunden, eine korrekte und sinnvolle Gymnastizierung wird schlicht unmöglich. Diese Grundlage des Kontakts mit dem Pferdemaul ist das leichte Nachgeben im Unterkiefer als Kommunikation mit der Reiterhand, das leichte Kauen und 'kosten' des Gebisses.

Bis 1958 war in den Reglement der FEI zu lesen:
"In allen Gangarten ist eine leichte Mobilität des Unterkiefers ohne jede Nervosität ein Beweis für den Gehorsam des Pferdes und für eine harmonische Verteilung der Kräfte"

Dieser Grundsatz, obwohl leider im aktuellen Regelement nicht mehr zu finden, findet jedoch in der Reitliteratur verbreitet Anerkennung, von Gueriniere bis zur deutschen Heeresdienstvorschrift. Das Nachgeben im Unterkiefer ist quasi der Schlüssel zur Gymnastizierung des Pferdes. Nur als Folge dieses Nachgebens ist ein 'am Zügel gehen', verstanden als ganzheitliche, die Gesundheit förderne Haltung überhaupt möglich. Ein zugebundenes, fest verschlossenes Pferdemaul verspannt das gesamte Pferd, es wird inkorrekt und immer unter seinen Möglichkeiten laufen. Wer hieran zweifelt, beiße seine eigenen Zähne zusammen und versuche nun, im Trab auszusitzen - es ist schlicht nicht möglich.

Sperren, Zungenfehler, Zähneknirschen und ähnliche Probleme sind immer ein Symptom harter und unsensibler Zügeleinwirkung durch den Reiter - falls keine Zahnprobleme vorliegen. Ein Reithalfter nimmt dem Pferd schlicht teilweise seine Äußerungsmöglichkeiten, die Folgen grober Zügeleinwirkung sind für den Zuschauer nicht mehr offensichtlich. Das Pferd leidet jedoch weiter unter den Folgen einer solch schlechten Reitweise. Pferde, die schlechte Erfahrungen mit dem Gebiss machen mussten, sollten schrittweise durch sanfte Einwirkung wieder Vertrauen fassen. Dies ist auch in Problemfällen möglich. Das letzte, was man hierzu braucht, ist ein Reithalfter!

Mit Reithalfter kann man ein Pferd nicht 'effektiver' bremsen. Schmerzen lösen beim Pferd hingegen eher einen zusätzlichen Fluchtreflex aus! Wie häufig geht ein (junges) Pferd durch, das sich ursprünglich nur erschreckt hat, weil der Reiter panisch an den Zügeln reißt! Tempokontrolle gelingt über eine sinnvolle Ausbildung von Pferd und Reiter, ohne dass man hierzu spezielle Hilfsmittel benötigt. Hierzu gehört ein Verständnis des Pferdes für die Hilfengebung, Gewöhnung an Umweltreize und eine vernüftige, kontrollierte Reitweise. Zum Beispiel wird man sicher ernsthafte Probleme bekommen, zu bremsen, wenn man sein Pferd immer unkontrolliert über bestimmte Wege oder Stoppeläcker brettern lässt. Egal mit welcher Zäumung!

Ein Reithalfter muss das Gebiss nicht im Maul 'stabilisieren'! Will man eine stabile, ruhige Lage des Gebisses im Maul, kann man z.B. D- oder Schenkeltrensen wählen, sie erfüllen diese Aufgabe übrigens viel besser als ein Reithalfter.

Zur Rechtfertigung des Benutzung von Reithalftern wird häufig angeführt, dass sie das Maul schonen, indem sie den Druck auf die Nase 'umverteilen'. Obwohl häufig wiederholt, ist dieses Argument jedoch physikalisch unsinnig. Ist das Reithalfter sehr fest verschnallt, hat das Pferd schlicht einen Dauerdruck um seine Nase, es kann sich schmerzhafter Einwirkung auf seiner Zunge nicht entziehen. Kann das Pferd das Maul noch öffnen bis zum Widerstand des Reithalfters, erfährt es schlicht und einfach zusätzlichen, undifferenzierten Druck auf der Nase. Dieser kann vom Pferd nicht als Hilfe eingeordnet werden. Soll die Wirkung eines 'Nasenriemens' mit dem eines Gebisses kombiniert werden, so ist der einzig sinnvolle Weg, mit 4 Zügeln zu reiten, z.B. auf Kappzaum und Trense!

Möchte man aus optischen Gründen oder um dem FN- Reglement zu genügen, mit Reithalfter reiten, so ist einzig ein sehr locker verschnalltes englisches oder deutsches (einzelner Nasenriemen ohne Genickstück, der durch Durchlässe im Backenstück geführt wird) Reithalfter sinnvoll. Locker verschnallt meint mindestens 2 Finger übereinander(!!) auf dem knöchernen Teil der Nase. So wird das Pferd nicht behindert, es wirkt wie ein unter der Trense getragenenes Stallhalfter. Alle anderen Reithalfter müssen, damit sie nicht verrutschen, relativ fest verschnallt werden. Auf diese Weise zeigen sie die oben genannten negativen Auswirkungen. Zudem behindern manche Reithalftertypen, allen voran das hannoveranische, die Atmung - und sind daher auf Distanzritten mit gutem Grund verboten.

Hilfszügel in der Ausbildung des Reiters

Beginnen möchte ich mir dem Einsatz von Hilfszügeln in der Ausbildung des Reiters. Der Anfänger soll zunächst auf dem Pferderücken einen geschmeidigen Sitz und sein Gleichgewicht in der Bewegung finden. Zu Beginn kann und soll er auf das Pferd noch keinen Einfluss nehmen. Es ist jedoch weder nötig noch sinnvoll, dazu das Schulpferd ausgebunden zu longieren. Zum einen kann der Longenführer das Pferd bei korrekter Longiertechnik auf ohne Hilfsmittel in eine korrekte vorwärts- abwärts- Dehnungshaltung bringen. Doch selbst wenn das Pferd 'nur' in einer zwanglosen Haltung läuft, kann der Reiter effektiv lernen. Es stimmt zwar, dass ein korrekt an den Hilfen stehendes Pferd leichter zu sitzen ist, doch kann man die allermeisten Pferde -für den Anfänger zunächst in reduziertem Tempo- auch in einer zwanglosen Haltung völlig problemlos aussitzen. Extrem werfende Pferde sollte man im Anfängerunterricht nicht einsetzen. Zudem bringen Hilfszügel Pferde meistens nur den Kopf in Haltung, ohne dass das Pferd wirklich eine reele Dehnunghaltung erreicht, das Pferd ist im Zweifel daher meistens verspannter -und schlechter zu sitzen- als ohne Hilfsmittel. Doch bevor die Auswirkungen des Hilfszügels auf das Pferd näher betrachtet werden, die Auswirkungen auf den lernenden Reiter:

Sobald der junge Reiter einen geschmeidigen Sitz erlernt hat, beginnt er, die Hilfengebung zu üben. Zu Beginn werden Fehler auftreten, insbesondere kann die Einwirkung leicht zu grob sein. Das Pferd wird auf grobe Zügeleinwirkung in der Regel mit einem deutlichen Heben des Halses, dem laufen über dem Zügel reagieren.
Zunächst sollte der Anfänger, um das Pferdemaul zu schonen, mit einer sehr weichen gebisslosen Zäumung, z.B. einem breiten Sidepull reiten. Hiermit kann relativ wenig Schaden angerichtet werden, trotzdem ist bei richtiger Handhabung eine differenzierte Einwirkung möglich. Hat der Reiter die Grundlagen der Hilfengebung erlernt, kann zur Trensenzäumung übergegangen werden.
Schnallt man dem Schulpferd Hilfszügel ein, und zwingt es damit in eine Haltung, lernt der Reitschüler nichts über eine korrekte Hilfengebung. Das Pferd kann dem Reitschüler keine unverfälschte Rückmeldung über seine Hilfengebung geben. So wird sich ein Pferd, zieht der Schüler zum Abwenden einfach am inneren Zügel, stark verwerfen und häufig geradeaus weiterlaufen. Er lernt sogleich 'Das funktioniert nicht'. Ist das Pferd ausgebunden, so wird beim ziehen am inneren Zügel der äußere Ausbinder als Ersatz des Außenzügels wirken, ohne dass der Reitschüler dies merkt. Er lernt, dass das Abwenden am inneren Zügel funktioniert. Beispiele wie dieses gibt es viele. Der Reitschüler lernt von Anfang an Fehler im Umgang mit den Zügeln, die später sehr schwierig und langwierig korrigiert werden müssen.
Aus anderen Sportarten sind ähnliche Probleme bekannt. So ist der Bewegungsablauf, der beim Hochsprung erlernt werden muss, komplex. Manche gutmeinende Sportlehrer versuchen den Bewegungsablauf zu zerlegen und stellen ein Sprungbrett vor die Latte. Nun wird der Schüler viel leichter die Latte überwinden können- lernt jedoch eine völlig falsche Bewegung: Die Federkraft des Sprungbrettes wird am effektivsten genutzt, hält man das Absprungbein möglichst gestreckt und steif. Ohne Brett muss man jedoch das Bein beugen, den Körperschwerpunkt nach unter verlegen und sich aktiv vom Boden abdrücken. Der mit Sprungbrett gelernte Bewegungsablauf ist daher kontraproduktiv und muss später aufwendig wieder verlernt werden! Falsche Bewegungsabläufe, die durch langes Üben 'in Fleisch und Blut' übergangen sind, lassen sich sehr schwierig wieder ausmerzen! Ich selbst habe Jahre benötigt, um kämpfe heute noch mit dem 'ziehen am inneren Zügel'. Es ist wesentlich leichter, einen Bewegungsablauf neu zu lernen als einen falschen durch einen richtigen zu ersetzen!

Auch wenn ein Pferd unter einem lernenden Reiter zunächst noch nicht korrekt an die Hilfen geritten wird- nur ohne Hilfszügel kann der Reiter wirklich lernen und wird umso schneller eine wirklich korrekte Hilfengebung erlernen. Hilfszügel lehren falsche Bewegungsabläufe und sind kontraproduktiv für die Ausbildung des Reiters. Hilfszügel verkürzen die Zeit, in der das Pferd unter dem Reitschüler noch 'unharmonisch' geht, keineswegs. Sie verlagern sie in der Ausbildungs des Reiters nach Hinten und verlängern sie.


Hilfszügel in der Ausbildung des Pferdes


Nachdem ein junges Pferd die Grundlagen der Bodenarbeit gelernt hat, an Sattel und Zäumnung gewöhnt ist, wird es üblicherweise mit Hilfszügeln longiert. Diese Praxis ist für das junge Pferd sehr problematisch. Gerade bei Jungpferden kommt es noch häufig vor, dass sie sich erschrecken, bocken oder noch Probleme mit dem Gleichgewicht haben. Bei all diesen Bewegungen brauchen sie ihren Hals als Balancierstange. Mit Hilfszügeln kann dann Pferd seinen Hals nicht frei einsetzen, zu allem Überfluss wird es auch noch massiv im Maul bestraft. So manches sehr sensible oder erregbare Pferd steigt aus Angst vor den Ausbindern und kann, da es sich kaum ausbalancieren kann, sogar stürzen.

Wird ein junges Pferd die ersten Male geritten, so reagieren die meisten auf das ungewohnte Gewicht ersteinmal, indem sich sich nach oben hohl machen, also den Hals heben, das Genick öffnen und den Rücken absinken lassen. Dies ist selbstverständlich keine gesunde Art, einen Reiter zu tragen. Indem man jedoch Hilfszügel einschnallt, hat man alles andere als eine Garantie, dass das Pferd nun in ein korrektes- vorwärts- abwärts findet. In den meisten Fällen kommt das Pferd von Anfang an in eine falsche Haltung, die meisten Hilfszügelkontruktionen verführen das geradezu hierzu. Besonders häufig ist entweder das verkriechen hinter der Senkrechten mit falschem Knick oder aber herausheben, hierbei trainiert das Pferd dann effektiv seinen Unterhals. Selbst wenn das Pferd jedoch in korrekter Haltung geht, wird es diese nicht lange beibehalten können. Es es ist für das Pferd zunächst sehr anstregend, eine korrekte Dehnungshaltung mit Reiter zu zeigen. Ohne Hilfszügel merkt der gute Reiter sofort, wann das Pferd nicht mehr kann und beendet die Arbeit. Mit Hilfszügeln kann das Pferd die vorgegebene Position nur geringfügig verändern. Die noch untrainierten Muskeln, die es für die Dehnungshaltung benötigt, beginnen zu schmerzen. Je nach Typ wird das Pferd seine Position etwas verändern, nun aber andere Muskeln verwenden um sie zu halten und möglicherweise wenig Freude an der Arbeit unter dem Reiter zeigen. Andere Pferde wiederrum zeigen deutliche Widersetzlichkeiten. In beiden Fällen ist das Training kontraproduktiv, da die Pferde die überwiegende Zeit in einer eigentlich unerwünschten Haltung, die eine sinnvolle Gymnastizierung unmöglich macht.

Junge Pferde sollten nach dem erlernen einiger Grundlektionen häufig im Gelände geritten werden. Im Gelände fällt vieles leichter, es gibt weniger Balanceprobleme, die Ausbildung gestaltet sich ungezwungener. Umweltreize oder natürliche 'Hindernisse' wie Wasser, querliegende Äste oder Hänge können in die Ausbildung einbezogen werden, das Pferd lernt Gelassenheit und natürliche Balance. Im Gelände verbietet sich selbstredend der Einsatz sämtlicher Hilfszügel, Ausnahme ist lediglich das Martigal. Dieses ist jedoch auch korrekt verschnallt ein besonderes Übel, das einen sensiblen und vielfältigen Einsatz der Zügelhilfen schlicht unmöglich macht. Konkret werden die Zügel durch die Ringe des Martingals so fixiert, dass der Reiter nur noch in einer Weise am Zügel einwirken kann- nach hinten ziehend! Ein ziehen nach hinten ist jedoch keine effektive Zügelhilfe. Die Zunge des Pferdes wird mehr oder minder schmerzhaft gequetscht, entweder es rollt sich ein oder kommt deutlich über den Zügel. Schonende Zügeleinwirkung Richtung Maulwinkel oder biegende, seitwärts weisende Zügelhilfen sind mit Martingal unmöglich!
Der Einsatz des Martingals ist also prinzipiell abzulehnen.

Mit einem intelligenten, pferdegerechten Einsatz der Hilfen ist es möglich, ein junges, wie ein ausgebildetes Pferd ohne jeden Einsatz von Hilfszügeln zu gymnastizieren. Details der Hilfengebung sind von der gewählten Reitweise abhängig, die Grundprinzipien ähneln sich vom Parelli- Westernreiten bis zur klassischen Dressur jedoch verblüffend.

Zeigen sich Ausbildungs- oder Anlehnungsprobleme, wird besonders gerne zum Hilfszügel gegriffen. Hier kann man verschiedene Fälle unterscheiden. Zum einen sind das wenig erfahrene Pferd- Reiter Kombinationen, hier mangelt es schlicht an korrekter Hilfengebung durch den Reiter, das Pferd hat oft kaum Ausbildung erfahren. Erfahrungsgemäß liegt in solchen Fällen beim Pferd seltest überhaupt ein Problem, hier muss schlicht der Reiter lernen. Mit Hilfszügeln lernt er allerdings nicht, wie oben bereits begründet. Hier hilft (guter) Reitunterricht, evtl. teilweise auf einem gut ausgebildeten Schulpferd. Etwas anders liegt der Fall beim 'schwierigen' Pferd, also einem, das z.B. ein ungünstiges Gebäude aufweist oder explizit verritten wurde. Hier greift sogar mancher Profi zum Hilfszügel. Doch gerade in solchen Fällen ist der Nutzen von Hilfszügeln stark anzuzweifeln. Natürlich- das Pferd kann in der Regel schnell in eine oberflächlich betrachtet 'korrekte' Halsposition gebracht werden. Gerade bei schwierigen Pferden erhält man häufig eben diese korrekte Dehnungshaltung nicht. Auch hier gilt das Argument, dass die noch untrainierten Muskeln bei erlernen der positiven Bewegung unter dem Reiter zu Beginn schnell ermüden. Alle Hilfszügel sind eine mehr oder minder starre Begrenzung- eine intelligente Hilfengebung des Menschen vermag viel mehr zu leisten, das gilt auch für die Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Der einzige Hilfszügel, der eine direkte Kommunikation zwischen Hand und Pferdmaul zulässt, ist der Schlaufzügel. Dieser ist mit Recht umstritten. Meiner Meinung nach liegen in seinem Einsatz sehr große Gefahren. Die meisten Reiter ziehen damit ihr Pferd lediglich flaschenzugartig zusammen, mit massiven Folgen. Solche Pferde trainieren völlig falsche Muskeln, verlieren ihre Rückentätigkeit und erleiden im Allgemeinen massive körperliche Schäden. Wer mit Schlaufzügeln feinfühlig umgehen könnte, der hat eine so gefühlvolle Hand und Reittechnik, dass er schlicht keine Hilfsmittel benötigt.

Zusammengefasst kann man mit dem 'Hilfsmittel' Hilfszügel weit mehr Schaden als Nutzen verursachen. Falsch eingesetzte Hilfszügel, auch in guter Absicht z.B. vom unerfahrenen Reiter, der nur weiss, dass sein Pferd auch die 'Nase unten halten soll', ermöglichen Zwänge auf das Pferd, die ohne Hilfsmittel nur mit extremer Hilfengebung möglich sind. Sich von seinem Pferd 'nur' durch die Gegend tragen zu lassen schadet beim halbwegs korrektem Gebäude weit weniger, als es mit Hilfszügeln in eine oberflächlich korrekte Haltung pressen zu wollen! Hilfszügel sind eine Bankrotterklärung des Reiters oder Ausbilders vor Pferd und Schüler, denn nur zu häufig dienen sie schlicht als Ersatz für Wissen und gutes Reiten oder Ausbilden. Jedem Reiter sei es angeraten, sich sorgfältig aus- und weiterzubilden, um sein Pferd in gesunder Weise reiten zu können. Der grundlegende Zweck dressurmäßiger Ausbildung ist es schließlich, dass das Pferd seinen Reiter ohne Schaden tragen kann.

Oder: Je kleiner der Schrank eines Ausbilders, desto größer ist sein Wissen!