Eine möglichst artgerechte Fütterung und Haltung haben einen sehr großen Einfluss auf die Gesunderhaltung des Pferdes, auch und besonders auf seine Hufe.
Welche Bedürfnisse hat ein Pferd?
Jedes Pferd ist ein Herden- und Lauftier, das sich natürlicherweise von strukturreichem, eher energiearmem Futter ernährt. Pferde sind Meister im verwerten von sehr 'wertlosem' Futter, siehe Lebensräume heutiger verwilderter Hauspferde.


Beide Bilder oben: Mustangs in den USA- zeitiges Frühjahr. Pferde in
bester körperlicher Verfassung bei offensichtlich sehr spärlicher
Vegetation.
(Bilder m. freundlicher Genehmigung von Pete Ramey)
Die Herde bietet ihm Schutz vor Gefahren, seine Ernährungsgewohnheiten
zwingen es dazu, täglich lange Strecken zurückzulegen (es wird von 20 bis 40 km
berichtet) um Futter und Wasser zu finden. Sie leben ganzjährig im
freien und sind jeder Witterung ausgesetzt, wobei die Pferde natürlichen
Schatten- und Regenschutz wie Bäume oder Felsen selbstverständlich
aufsuchen.
Für dieses Leben hat die Natur das Pferd optimiert -mit einem
leistungsfähigen Bewegungsapparat und viel Ausdauer, widerstandfähigen
Hufen, Sozialverhalten usw.
Niemand kann einem Pferd in Gefangenschaft eine wirklich natürliche Haltung bieten- jedoch müssen die Grundbedürfnisse des Pferdes erfüllt werden, sonst leidet die körperliche oder seelische Gesundheit des Pferdes. Dies ist nicht nur auf eine Weise möglich....
Das Lauf- und Herdentier Pferd allein in einem 3x3m großen Käfig (Box)
zu halten, möglichst noch eingedeckt und bandagiert ist nicht akzeptabel
- andere 'Bereiche' des Pferdes leiden zuerst, aber eben auch die Hufe.
Ein absolutes Mindestmaß (was ich persönlich aber weniger mag) ist ganztägiger Koppelgang bei Boxenhaltung nachts.
(Pferde kennen keinen Tag- Nacht Rhythmus wie der Mensch und stehen in
fast jedem Boxenstall 14-16 Stunden im Stall, im Winter meist wesentlich
länger).
Leider gibt es immer noch Ställe, wo die Pferde im Winter 23 h in der
Box stehen. Ein (kleiner) Paddock an der Box führt oft dazu, das
zumindest im Winter kein zusätzlicher Auslauf mehr gewährt wird. Tun sie
ihrem Pferd eine solche Haltung nicht an, das gilt ausdrücklich auch für
Hengste.
Besser sind verschiedene Lösungen der Gruppenhaltung, in Lauf- und
Offenställen sowie Weiden.

'Klassische' Boxenhaltung entspricht nicht den Grundbedürfnissen des
Pferdes.

Besser: Einfache, aber pferdegerechte Offenstallhaltung im tiefsten
Winter. Das Pferd benötigt Herdenleben, Klimareize, häufiges
Raufutterangebot und Bewegung. (Der Schimmel im Vordergrund ist viel zu
fett!)
Herdenleben
Jedes(!) Pferd gehört in eine Herde. Eine Einzelhaltung ist außer für
kurze Zeiträume z.B. Reitkurs, Wanderritt, Turniere... nicht zu
akzeptieren.
Idealerweise ist jede Herde 24 Stunden zusammen- so bildet sich am
sichersten ein festes soziales Gefüge. Boxenhaltung mit tagsüber
Koppelgang ist ganz sicher keine ideale Pferdehaltung sondern höchstens
eine Notlösung.
Im einführenden Teil dieses Artikels verwendete ich pauschal den Begriff 'Herde'. Viele Reiter stellen sich unter eine Herde
vielleicht eine riesige Gruppe mit z.B. mehr als 30 Tieren vor, die ständig zusammenbleibt. Doch ein genauerer Blick auf die Lebensweise freilebender
Pferde lohnt. Wie zahlreiche Beobachtungen zeigen, ist die oben genannte landläufige Vorstellung vom Herdenleben des freilebenden Pferdes falsch.
Tatsächlich leben Pferde eher in kleineren Familienverbänden, größere Gruppen bilden sich in der Regel nur vorübergehend bei Gefahren oder z.B. auf besonders guten Weideflächen. Nur sehr erfahrene Hengste können mehr als eine oder 2 Stuten in ihrer Herde halten. Typisch werden z.B. ein Hengst und z.B. zwei Stuten beobachtet, dazu Fohlen oder Jährlinge. Zusätzlich sammeln sich Grüppchen von jüngeren Hengsten, die noch keine Stute 'erobern' konnten. Die Herdenzusammenstellungen sind durchaus wechselnd, gerade die Junghengstverbünde sind eher lose. Es gibt keine völlig zementierten Regeln , es kommt sogar vor, dass zwei Hengste in einer Herde zu finden sind. Zeitweise wandern einzelne Pferde auch durchaus einmal alleine umher.
Für unsere Hauspferde ist eine sorgfältige Zusammenstellung der Gruppen sinnvoll, wobei kleinere Gruppen zu bevorzugen sind, es sei denn, es steht sehr viel Platz zur Verfügung. Bei der Zusammenstellung der Herden ist auf ähnliche Ansprüche der Pferde und gegenseitige Sympathie zu achten, damit ein harmonisches Pferdeleben entsteht.
Eine Trennung in weibliche und männliche Herden kann- gerade bei
größeren Herden- sinnvoll sein. Stutenherden sind meist ruhiger mit
festerer Hierarchie, Wallach und Hengstherden verspielter. Apropos
Hengste: Auch ein Hengst bleibt ein Pferd und gehört in eine Herde.
Hengste in Einzelhaltung leiden physisch und psychisch und werden nicht
selten gefährlich im Umgang/beim Reiten. Hengste, die wirklich sehr
schwierig im Umgang sind, sind äußerst selten. Ansonsten benötigt ein
Hengst eine besonders konsequente Erziehung und eben eine artgerechte
Haltung, dann wird es in der Regel auch keinerlei Probleme mit ihm
geben. Wenn sie einen Hengst besitzen und ihm keine Herdenhaltung
ermöglichen können, lassen sie ihn lieber legen bevor sie ihn alleine
einsperren!
'Nasenkontakt über den Zaun' ist keine Herdenhaltung. Pferde nachts
allein in (Paddock)boxen zu halten und tagsüber alleine auf kleine
Koppeln zu stellen ist in keinster Weise eine akzeptable Haltung.
Viele sorgen sich um die Verletzungsgefahr. Meine Erfahrung ist, dass
die Gefahr einer Verletzung in der Herde extrem überschätzt wird.
Wichtig ist ausreichend Platz, eine vernünftige Herdenzusammenstellung (siehe oben)
und dass die Pferde barhuf sind. Es gibt in der Regel keine wilden
Prügeleien. Kleinere Bisse und Macken sind normal -je nach Pferdetyp und
kein Grund zu Besorgnis. Pferde, die eingepackt und vereinzelt werden,
verletzen sich 'Notfalls' auch in der Box. Eine hohe Verletzungsgefahr
besteht, wenn ein 'geladenes' Pferd ohne Aufwärmphase von der Box auf
die Koppel kommt und dort eine wilde Buckelei aufführt.
Eine nicht artgerechte Haltung (z.B. überwiegende Einzel- Boxen Haltung)
führt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Krankheiten oder gar
irreversiblen Schäden am Pferd und damit erst recht zu einer stark
verkürzten 'Nutzung' des Pferdes.
Ganz besonders wichtig ist eine intakte Herde für Fohlen und Jungpferde. Ideal ist eine Herde gemischten Alters mit mehreren Jungpferden ähnlichen Alters. Die erwachsenen Pferde sorgen für die Erziehung, die Jungpferde können miteinander spielen. Reine Jungpferdeherden sind ungünstig, da den jungen Pferden ein Pferd fehlt, das Ihnen Grenzen aufzeigt. Ein Jungpferd ist in aller Regel damit überfordert, eine Herde zu führen.
Stall und Herdenzusammenstellung müssen so sein, dass jedes Pferd in Ruhe fressen kann (ausreichend Fressplätze) sowie schlafen/ruhen. Für das Pferd ungesunder Stress entsteht bei zu vielen Pferden auf zu kleiner Fläche, ungünstigem Stalldesign (z.B. keine Raumteiler, zu kleine Liegefläche). Auch das rangniedrigste Pferd sollte den Witterungschutz bzw. eine Liegefläche betreten dürfen!
Bewegung und Untergrund
Je mehr Bewegung ein Pferd hat, desto gesünder (auch für die Hufe!). Da eine Haltung in
Obhut des Menschen in aller Regel auf einer kleinen Fläche (im Vergleich
zum wildlebenden Pferd) auskommen muss, sollte die Haltung einen Anreiz
zur Bewegung bieten. Dies kann z.B. dadurch erreicht werden, dass
zwischen Witterungsschutz, Futter und Wasser eine möglichst lange
Strecke zurückzulegen ist. Bei kleineren Herden kann man sehr einfach
'Laufwege' anlegen, bei großen Herden sind mehrere Ausläufe und
Futterstationen sinnvoll. Längliche Koppeln und Ausläufe sind für die
Pferde günstiger als quadratische- auch wenn man so mehr Zaunlänge hat.

Vereinfachte Skizzen für eine günstige Stallanlage links und eine
einfallslose rechts. Der Platzbedarf ist der selbe, ein Umbau
vergleichsweise einfach. Im linken Stall werden sie Pferde den gesamten
Paddock nutzen, auch besteht ein größerer Anreiz/Möglichkeit mal einen
flotten Galopp einzulegen. Im rechten werden die Pferde bevorzugt im
unteren linken Eck rumstehen...
Es gibt viele Möglichkeiten, seinen Pferden eine vielfältige und anregende Umgebung zu gestalten. Seien sie kreativ! Obige Skizzen sollen nur das Prinzip verdeutlichen. Eine einfallsreichere Stallplanung ist kaum oder gar nicht aufwendiger- nur 'unüblich'.
Mein Pferd lebt mit seiner Herde in einem 'Racetrack'- Paddock. Die Pferde fühlen sich wohl und bewegen sich sehr viel, in allen Gangarten.
Untergründe
Pferde brauchen den Anreiz verschiedener und eher harter als zu weicher
Böden, um gesunde Hufe zu bekommen oder diese zu erhalten.
Viel Bewegung trainiert die Hufe enorm.
Gerade bei kleinere Ställen wird es nicht möglich sein, den gesamten Paddock zu befestigen, dies ist aber auch gar nicht nötig. Ideal sind z.B. 'Wege' im Paddock aus Betonplatten, eine Fläche aus Vorsieb, ein Platz zum wälzen mit Sand usw.! Im Sommer reicht ein unbefestigter Auslauf (je nach Region) aus, falls die Fläche nicht stark sumpfig ist oder ungewöhnlich starker Regen fällt.
Einstreu: Die meiner Meinung nach beste Einstreu ist keine Einstreu.
Dies ist möglich, wenn den Pferden eine Liegefläche mit weichen Gummimatten
angeboten wird. Dies spart zum einen Arbeit, zum zweiten hält es (eine
ausreichend große Fläche vorausgesetzt) Hufe und Mist auseinander.
Zusätzlich muss eine weiche Fläche (z.B. Sand, der regelmäßig gereinigt
wird) zum pinkeln angeboten
werden. Jede Einstreu wird von Pferden bevorzugt als 'Klo' und eben als
Aufenthaltsbereich genutzt, was zum stehen im Mist führt, was eine
nachteilige Wirkung auf die Hufe hat.
Wenn eingestreut wird, sollte so häufig wie vertretbar gemistet werden
und keinesfalls eine Matratzenstreu angelegt werden. Letztere ist immer
unhygienisch, schädlich für Hufe, Gelenke und Lungen.
Fütterung
Das Grundfutter eines jeden Pferdes ist Gras bzw. Wiesenbewuchs teilweise in getrockneter Form als Heu. Dieses ist für die Gesundheit des Pferdes -und auch seiner Hufe- von zentraler Bedeutung. Eine gesunde, für Pferde geeignete Wiese/Heu ist -leider- auch das schwierigste und komplexeste Thema in der Pferdefütterung. Dies wird leider oft falsch wahrgenommen. Es ist ist nicht egal, welches 'Grünzeug' im Heu ist und extrem wichtig welches Ergänzungsfutter gegeben wird....
Eine Weide oder Heuwiese wird häufig nur als 'grüne Fläche'
wahrgenommen. Nur wenige Pferdehalter wissen, was dort eigentlich wächst
bzw. wie eine pferdegerechte Weidebewirtschaftung aussieht. Fatal ist,
dass eine 'gleichmäßig satt dunkelgrüne' Wiese oft als ideal einer
korrekt gepflegten Weide gilt. Solche Wiesen sind im Gegenteil eine
konkrete Gefahr für die Gesundheit eines Pferdes.
Das Grünland hat sich hierzulande in den letzten Jahrzehnten stark
verändert in Bezug auf die Art der Bewirtschaftung und der Art des
Bewuchses. Diese Veränderung ging einher mit einer intensiveren und
produktiveren landwirtschaftlichen Nutzung, im Falle des Grünlandes
insbesondere mit der Milchviehwirtschaft.
Kühe wurden in den letzten Jahrzehnten auf eine immer größere
Milchproduktion gezüchtet. Damit geht ein extrem hoher Energiebedarf
einher, der über das Futter gedeckt werden muss. Eine Milchkuh (etwa
7000 l Milchleistung, was noch im unteren Bereich dessen liegt, was
heute züchterisch angestrebt wird) benötigt ca. 21kg (!!!!)
Futtertrockenmasse pro Tag, davon die Hälfte Raufutter und die Hälfte
Kraftfutter.
Eine solche Kuh braucht auf einen maximalen Energiegehalt optimiertes
Grünfutter, als Heu bzw. Silage um nicht zu verhungern.
Für diesen Zweck wurden nun auch die Gräser optimiert. Sie mussten
düngefreudig sein, einen hohen Ertrag bringen, sehr schmackhaft sein
damit die Kuh auch ausreichend davon frisst.... Die Wiesen mit diesem
Bewuchs werden entsprechend intensiv (synthetischer Dünger) gedüngt und
bringen maximalen Ertrag. Herausgekommen sind Hochleistungsgräser,
die auf entsprechend bewirtschafteten Wiesen fast allein vorkommen. Mit
dieser Entwicklung geht auch die für Pferde gefährliche Eigenschaft der
Leistungsgräser einher, unter bestimmten Umständen extreme
Konzentrationen an Fruktan einzulagern- mehr dazu weiter unten.
Diese Entwicklung des Grünlandes steht im krassen Gegensatz zu den
Bedürfnissen eines Pferdes. Wird ein Pferd mit Futter gefüttert, das
eigentlich für Hochleistungskühe gedacht ist, ist es drastisch über- und
gleichzeitig fehlversorgt. Anschaulich könnte man dies etwa mit einem
durchschnittlichen 'Bürojob'- Menschen vergleichen, der sich von
Hamburgern, Pommes, Limonade und Süßigkeiten zur freien Verfügung ernährt....
Das Pferd verfettet auf solchen Grünflächen, ist fehlversorgt, hungrig
aufgrund zu geringen Rohfasergehaltes und ist einer extremen
Hufrehegefahr ausgesetzt. Auch wenn es nicht zu offensichtlichen
Reheschüben kommt, reicht diese Fütterung jedoch in der Regel, um den
Huf so zu schwächen, dass das Pferd fühlig läuft oder z.B. ständig
verbogene Wände aufweist.
Auch Krankheiten wie Cushing, Equines Metabolisches Syndrom, Ekzem,
Headsheaking usw. werden mit modernem Grünland in Verbindung gebracht.
Wie erkenne ich solche Wiesen?
Extreme Hochleistungswiesen sind recht einfach als solche zu erkennen.
Auf ihnen wächst Deutsches Weidelgras, Wiesenlieschgras und Klee. Sie
wirken schon von weitem dunkelgrün und einheitlich. Auf solche Wiesen
würde ich ein Pferd GAR nicht stellen und auch solches Heu nicht
füttern.
Aber auch die 'normale' Pferdeweide ist oft -je nach Boden,
Vorgeschichte des Stückes etc., viel zu reichhaltig für das
Freizeitpferd, was wieder die Gefahr von Verfettung und Hufrehe birgt-
und auch fühliges laufen.
Je mehr 'ursprüngliche' Grassorten auf der Wiese wachsen, desto besser.
In einem Naturschutzprojekt in Schleswig Holstein weiden leichtfuttrige
Koniks auf 230h ehemaligem Truppenübungsplatz (d.h. niemals intensiv
bewirtschaftet) -ohne Probleme mit Verfettung oder Hufrehe.

Ausschließlicher Bewuchs mit Weidelgras

Detail: Die leicht zu erkennende Weidelgrasblüte (für Details bitte ein
Bestimmungsbuch für Gräser konsultieren)
Pflanzenstoffwechsel und Fruktane
Pflanzen produzieren Zucker und Sauerstoff aus Wasser und
Kohlendioxid mit Hilfe von Sonnenlicht. (Photosynthese). Damit die
Photosynthese ideal ablaufen kann, müssen ausreichend Rohstoffe zur
Verfügung stehen sowie eine geeignete Temperatur herrschen. Die Prozesse
sind komplex, im folgenden die für die Pferdehalter relevantesten
Punkte.
Fruktane sind eine Möglichkeit der Pflanze, Speicher anzulegen. Welche
Konzentrationen Fruktan in einer Pflanze zu finden ist, hängt ab von:
Betrachten wir als Beispiel ein Gras, das mit Wassermangel zu kämpfen
hat. Ist nicht mehr genug Wasser vorhanden, geht das Blattwachstum sehr
schnell zurück, die Photosynthese läuft aber bis in Bereiche
deutlicheren Wassermangels weiter und fällt viel langsamer ab.
Vereinfacht kann man also sagen, dass die Pflanze noch Energie erzeugt,
aber nur noch sehr wenig wächst. In einem solchen Fall lagert sie
Fruktan ein.
Völlig analog ist die Situation bei einer zu geringen Temperatur.
| Grassorte | g Fruktan/kg Trockenmasse bei 5-10° | g Fruktan/kg Trockenmasse bei 11-25° |
| Knaulgras | 130 | 8 |
| Wiesenschwingel | 220 | 0 |
| Deutsches Weidelgras | 210 | 10 |
| Lieschgras | 111 | 2 |
Die 'klassische' Fruktanwetterlage ist kaltes, sehr sonniges Wetter
im Frühjahr oder Herbst... Warum eigentlich?
Hier kommt nun das Wachstumstadium der Pflanze ins Spiel. Die Assimilate
d.h. auch das Fruktan verteilen sich je nach Wachstumsstadium des Grases
unterschiedlich. Während des 'Ährenschiebens' (nur grüne Blätter
sichtbar, zerlegt man das Gras kann man eine zusammengefaltete Ähre
finden) finden sich hohe Konzentrationen an FruKtan (wieder je nach
restlichen Bedingungen) in den Blättern. Blüht das Gras, wandern die
Assimilate Richtung Blüte. 4 Wochen nach der Blüte ist das Fruktan
weitgehend aus den Blättern abgezogen und in den Samen als (für das
Pferd harmlose) Stärke gespeichert. Daher ist das typische überständige
Gras viel besser für Pferde geeignet als frisches Frühjahrsgrün. Wurde
im Sommer die Wiese gemäht, befindet sich das Gras im Herbst in einem
ähnlichen Wachstumsstadium wie im Frühjahr.
Stress für die Pflanze führt also zur Einlagerung von Fruktanen.
Die Konzentration an Fruktanen kann sich stündlich (!) ändern.
Fruktan und Hufrehe
Es ist experimentell nachgewiesen, dass eine ausreichende Menge an
Fruktan zu Hufrehe führt, auch bei einem Pferd mit gesunden Hufen. Die
individuelle Anfälligkeit ist selbstverständlich verschieden.
Die Zucht der modernen Leistungsgräser hat 'nebenbei' zu Gräsern
mit einer extremen Fruktanproduktion geführt. Eigenschaften wie z.B.
hohe Energiewerte, niedriger Rohfasergehalt, gute Schmackhaftigkeit,
Silierfähigkeit gehen notwendigerweise mit hoher Fruktanproduktion
einher.
Das Fruktan führt über verschiedene Prozesse dazu, dass eine überstürzte
Produktion der Enzyme stattfindet, die normalerweise die Hufwand für das
Wachstum ein wenig ablösen und nach unten verschieben. Die massenhafte
Produktion führt von Verlust der festen Verbindung von Hufbein und
Hufwand. (Forschungen von Dr. Politt)
Hufrehe lässt sich mit 7,5 g Fruktan pro kg Lebendgewicht auslösen, als
kritisch gelten 5 g. (z.B. bei einem empfindlichern Pferd).
Dazu nun folgende einfache Rechnung:
Bei 24h Weidegang frisst ein Pferd etwa 2-2,5% seines Körpergewichtes
als Trockenmasse Gras. (Gras enthält etwa 20% Trockenmasse, also
entspricht das für 500kg Pferd 62,5 kg frischem Gras).
Enthält das Gras z.B. 210 g Fruktan pro kg/Trockenmasse, frisst das
obige Pferd 0,025*210g=5,25 Fruktan pro kg Lebendgewicht. Dies ist
eindeutig im kritschen Bereich. Bei extremeren Bedingungen wurden in
Leistungsgräsern bis 400g/kg Trockenmasse Fruktan gefunden! Hiermit ist
die Hufrehe sicher.
Die Zahlen gelten für offensichtliche, akute Hufrehe mit den typischen
Symptomen. Mir sind keine Untersuchungen zu 'schleichenden' Prozessen
oder 'nur' fühligen Pferden bekannt. Meine Erfahrung ist aber, dass
lange bevor eine Hufrehe offensichtlich wird Probleme wie dauernd
verbogene Wände oder eine seltsame Fühligkeit auftreten. Dafür dürften
schon weitaus geringere Konzentrationen Fruktan ausreichen. Hier liegt
der Grund für eine 'unerklärliche' Fühligkeit vieler Pferde! (siehe
gesunde Hufe!)
Standort und Düngung
Ein weiterer Aspekt der heutigen intensiven Wiesenbewirtschaftung ist
es, dass die Düngung es (Leistungs)gräsern erlaubt, auf Standorten zu
wachsen, auf denen es nicht natürlicherweise vorkommt. ("Stickstoff
ersetzt Wasser"). Hier ergibt sich ein weiteres Dilemma: Wird die
bisherige extrem intensive Bewirtschaftung fortgeführt, ist diese Wiese
ganz sicher viel zu reichhaltig für Pferde. Düngt man aber nicht mehr,
geraten die Leistungsgräser auf einem z.B. für sie zu trockenem Boden
leicht ganz massiv unter Stress und können so extremste Mengen an
Fruktanen produzieren. Es können solche Mengen Fruktan produziert
werden, dass Hufrehe klinisch sicher ausgelöst wird. (siehe oben)
Die 'Aushagerung' einer Wiese in Richtung einer Pferdegerechten
extensiv- Weide ist nicht so einfach, wie man vielleicht zunächst denken
würde. Eine Aushagerung dauert Jahre, und funktioniert leider nicht an
jedem Standort. Sehr fruchtbare Böden sollten anders als als Pferdeweide
bewirtschaftet werden.
Wenn sie Ihre Wiese 'analysiert' haben, lesen sie und lassen sich
fachkundig für ihren Fall beraten- Vorsicht übrigens mit den
Düngeempfehlungen der Landwirtschaftskammer, die normalerweise den
Bodenproben beiliegen: Eine 'extensive' Bewirtschaftung ist dort nicht
existent. Auch der Hinweis 'Pferdeweide' führt zu Düngeempfehlungen, die
auf eine intensive Leistungsgras- Wiese abzielen, zusätzlich sind die
Empfehlungen nicht immer sinnig.
Feuchte Tallagen sind die natürliche Heimat der Leistungsgräser und
deren Verwandten. Solche Standorte sind, selbst wenn sie niemals
intensiv bewirtschaftet wurden, zumindest für das durchschnittliche
Freizeitpferd, nicht oder nur zum stundenweisen Weidegang geeignet, denn
das Futter ist schlicht viel zu reichhaltig und birgt die Gefahr einer
Verfettung oder Hufrehe.
Besatzdichte, Extensiv oder Intensiv?
Die Besatzdichte bezeichnet die Anzahl der 'Grossvieheinheiten' (500kg)
die auf einem Stück (dauerhaft) weiden.
In vielen Ställen werden viele Pferde auf kleiner Fläche gehalten. Das
Resultat ist eine deutliche Überweidung ("Trampelkoppel"). Die
Flächen sind kurzgenagt, es wachsen vor allem Vertrittanzeiger, oft
Klee. Diese Koppeln sind sehr nachteilig. Zwar kann das Pferd dort
insgesamt 'wenig' fressen. Aber das, was dort wächst kann dennoch
schädlich sein, z.B. dadurch, dass für die Pflanzen Stress entsteht oder
dass sich Giftpflanzen wie Hahnenfuss massenhaft ausbreiten.

typische Trampelkoppel- extrem kurz genagtes Gras, einige Geilstellen
bleiben stehen
Klee (in Massen) ist ein zusätzliches Problem. Klee hat die Fähigkeit,
Luftstickstoff nutzbar zu machen. Stickstoff ist das Element das nachdem
eine intensive Düngung beendet wird, am schnellsten ausgewaschen wird.
Der Klee hat jedoch mit diesem Mangel kein Problem und kann die
restlichen Nährstoffe im Boden noch bestens nutzen- er breitet sich aus.
Mehr als 30% Klee auf der Wiese ist jedoch für Pferde gefährlich, denn
er kann Trifoliose (und auch Koliken oder Hufrehe) auslösen. Die Pflanzen ergeben eine
Photosensibilisierung beim Pferd, an hellen Hautpartien (z.B. helle
Abzeichen an den Beinen) bildet sich eine Entzündung der Haut, die auf
den ersten Blick aussieht wie Mauke - sich aber nicht wie solche
behandeln lässt. Bei dunklen Pferden bzw. wenn die Ursache nicht
abgestellt wird, können sich später massiv die Schleimhäute entzünden-
also Vorsicht. Behandlung: Pferd von dieser Wiese sofort runterholen,
schattig unterbringen, die Wiese sanieren und solange keine Pferde mehr
drauflassen.

'Trampelkoppel' mit massenhaften Kleevorkommen
Wer 'Trampelkoppeln' hat, hat in der Regel sehr wenig Weideland.
Gesünder für die Pferde ist es, einen Teil der Weide dann wirklich als
'Paddock' zu nutzen, d.h. so dass dort blanker Erdboden entsteht, je
nach Wetter/Nutzung befestigen. Dafür sollte ein Teil der Weide (z.B.
die Mitte) geschont werden, saniert und zwar so, dass dort vielfältige,
hohe Gräser wachsen. Die Pferde können dann im Sommer stundenweise auf
das möglichst überständige Gras gelassen werden.
Eine weitere, ungünstige Weidewirtschaft ist die Portionsweide,
eine eindeutig sehr intensive Bewirtschaftung. Hier wird eine kleine
Weide in Parzellen geteilt bzw. den Pferden jeden Tag ein Stückchen
zugesteckt. Die Idee dahinter ist, die Grasaufnahme zu portionieren. Im
Prinzip ist die Idee in Ordnung, nur die Umsetzung ist ungünstig für die
Wiese und damit für die Pferde.
Der schon abgefressene Teil der Koppel ist aufgrund der kleinen Fläche
oft einer extremen Belastung ausgesetzt- oft wächst hier nur noch
Millimeter kurzes Gras. Die Pferde warten in der Regel gierig darauf,
dass ein neues Stück Gras zugesteckt wird- und fressen die Wiese
'ordentlich' ab (das ganze sieht oft aus wie ein Zierrasen). Für viele
sieht das zunächst gut aus, problematisch ist aber, dass die Pferde hier
wegen mangelnder Wahlmöglichkeit wirklich alles fressen, oft genug auch
Giftpflanzen, die sie auf einer größeren Fläche einfach stehen lassen.
Damit eine Wiese eine solche Bewirtschaftung auf Dauer aushält, muss
stark gedüngt werden was allerdings wieder die unerwünschten
Leistungsgräser und damit die Hufrehegefahr fördert.
Besser: Falls die Koppel nicht am Offenstall liegt, ein Stück als 'Erdpaddock'
opfern und die Pferde stundenweise auf die gesamte Koppel lassen.
Intensive Weidebewirtschaftung und Heumahd: Häufig werden Pferdeweiden intensiv bewirtschaftet, weil die Wiesen sowohl als Weideflächen herhalten müssen als auch das Heu für die Pferde liefern müssen. Hat man nur 1ha pro Pferd, kommt man in einem solchen Fall um extrem intensive Bewirtschaftung nicht herum. Steht nicht mehr Land zur Verfügung und ist Zukauf von Heu wirtschaftlich nicht sinnvoll, ist es besser, die Weidezeit der Pferde zu begrenzen (damit reduziert sich die Besatzdichte) und auf den Heuwiesen durch Festmistdüngung z.B. Gräser wie den Wiesenfuchsschwanz, ein sehr gutes Heugras, zu fördern. Wie gesagt, intensive Weidelgrasweiden sind für Pferde völlig ungeeignet, wie wirtschaftlich reizvoll sie auch sein mögen. Und: Besser notfalls (geeignetes) Heu zukaufen, als kranke Pferde, die sind nämlich sicher teurer. Wenn man intensiver wirtschaften muss, ist dieser Bewuchs als Heu für Pferde besser geeignet als als Gras.
Extensive 24h- Weide: Sicher wohl das 'ideal' was vielen
Pferdehaltern vorschwebt. Eine kurze Warnung im Vorraus- so einfach wie
man vielleicht denkt ist es nicht. Wirklich extensive Weiden vertragen
je Art der Wiesengesellschaft nur eine äußerst geringe Besatzdichte, von
ca. 0,2 Großvieheinheiten für Trockenrasen bis 0,5 Großvieheinheiten pro
ha, wie sie in Naturschutzprojekten eingesetzt werden. d.h. man bräuchte
für vier Kleinpferde mind. 8ha Weideland.
Und natürlich ist nicht jeder Standort geeignet. Ideal und schwer zu
finden sind Standorte, die niemals intensiv bewirtschaftet wurden.
24h Weidegang sind nur auf wirklich extensiven Weiden möglich- sonst
geht die doch so schöne artgerechte Haltung von der der Halter träumte
schnell schief- (musste ich leider bei unseren Pferden erfahren- Hufrehe
und Verfettung..). Während die Pferde im Naturschutz auf dem ehemaligen
Truppenübungsplatz keine Probleme zeigten, bekamen die Pferde auf
'normalem' Land mit u.a. Weidelgrasflächen Hufrehe, die Hufe wuchsen
stark und verbogen sich zuvor schon... Auch Probleme wie überstürzter
Fettabbau im Winter (Hyperlidämie) traten auf.
Hat man solche Voraussetzungen nicht, dann ist 24h Weide nicht
empfehlenswert. Besser ist das stundenweiser Weidegang mit Rücksicht auf
mögliche Stressphasen der Pflanzen.
Liegen die Weiden direkt am Offenstall, kann man die Pferd einfach
stundenweise raus lassen, ansonsten kann man eine Ecke einer weiter
entfernten Koppel als Erdpaddock opfern.
Auch eine Möglichkeit ist es, den Pferden stundenweise einen
Weidemaulkorb aufzusetzen. Damit wird die Grasaufnahme stark reduziert.
Saatgut
Verbreitet wird auf Weiden eine 'Reparatursaat' ausgebracht, um Lücken
zu füllen. Wer regelmäßig nachsähen muss, betreibt keine ordnungsgemäße
oder sinnvolle Wiesenbewirtschaftung!
Der Großteil des Gras- Saatgutes ist für Pferdeweiden nicht geeignet.
'Übliche' Saatgutmischungen enthalten meist mehrere Sorten Weidelgras
und evtl. einige andere Leistungsgräser. Solche Saatgutmischungen werden
sogar von typischen Pferdefuttermittelhändlern angeboten! Bitte Finger
weg und mit ursprünglichen Grassorten säen insbesondere ohne Weidelgras.
(z.B. www.kraueterwiese.de
)
Durch Saat kann man nicht beliebige Gräser auf der eigenen Weide
ansiedeln. Es setzen sich nur die Gräser auf Dauer durch, die zu diesem
Standort und der Nutzung passen. Über die Bewirtschaftung kann man die
Zusammensetzung einer Wiese wohl mehr bestimmen als über (Nach)saat.
Leistungsgräser keimen und wachsen bei entsprechender Düngung so
schnell, dass man innerhalb von wenigen Monaten aus einem 'Acker' eine
knallgrüne, dichte Wiese machen kann. Dies funktioniert bei den
ursprünglichen Grassorten sich so, es wächst langsamer und spärlicher,
die Wiese entspricht nicht dem klassichen Idealbild, von dem wir aber
gelernt haben, dass es für Pferde nicht gesund ist...
Heu oder Heulage/Silage?
Meiner Meinung nach ist Heu ergänzt durch kleinere Mengen Stroh das
ideale Grundfutter für Pferde.
Tipps zum Heumachen:
Silage oder Heulage (Bezeichnung je nach Region) meint Gras, das
deutlich später gemäht wird als Silo für Kühe, aber in der Regel doch
eher bei Beginn der Blüte. Das Gras trocknet kürzer als Heu, in der
Regel 1 Tag und wird dann in Folie gewickelt. Resultat ist etwas, dass
fast aussieht wie Heu aber den typischen Geruch nach Milchsäuregärung
hat. Vorteil ist, dass es weniger wetterabhängig ist, sich einfach
draußen lagern lässt und staubfrei ist. Viele Firmen bieten inzwischen
Heulage inzwischen auch als kleine Ballen an.
Ein Problem bei Heulage ist die Gefahr des oft tödlichen Botulismus.
Ich möchte die Heulage im folgenden nur von Standpunkt des 'Grases'
betrachten. Extensiver Aufwuchs nach der Blüte lässt sich aufgrund
seines hohen Rohfasergehaltes, seiner Vielfalt schlecht oder gar nicht
silieren. Das Resultat ist bestenfalls 'eingewickeltes Heu', meist
gammeln diese eingewickelten Ballen aber.
Zur Produktion idealer Heulage braucht man einen möglichst einheitlichen
Bewuchs an gut silierfähigen Gräsern- das sind genau die nach dem obigen
Text für Pferde 'unerwünschten' Leistungsgräser. Sind die Gräser schon
zu überständig, funktioniert das silieren auch nicht mehr wirklich gut.
Wirklich spät geschnittene Silage gibt es also nicht.
Meines Wissens wird gerade die in kleinen Ballen verpackte Silage von
'Äckern' einheitlichen Leistungsgrases produziert. Dies gibt vielleicht
eine Silage idealer Qualität, ob diese aber vom Grundtyp des Futters für
Pferde geeignet ist, ist sehr fraglich.
Übrigens: Auf gar keinen Fall für Pferde geeignet ist unreif geerntetes Getreide wie Hafer. (u.A extreme Fruktankonzentrationen).
Stroh guter Qualität ist eine gute Ergänzung zu Heu, gerade bei leichtfuttrigen Pferden. Auch hier ist auf eine sehr gute Qualität zu achten.
Fütterungstechnik und Fresspausen
Wie oben erwähnt sind Pferde auf eine ständige Aufnahme kleiner
Mengen Futter angewiesen. Fresspausen von mehr als 4 Stunden sind für
Pferde unnatürlich und führen zu Magengeschwüren und/oder
Verhaltensauffälligkeiten, da Pferde ständig Magensäure produzieren. Ein
Pferd muss nicht ständig viel fressen, knappern einiger Halme
zwischendurch reicht.
Ideal in Bezug auf die Fresspausen (und den Arbeitsaufwand) ist Heu zur
freien Verfügung. Leider werden gerade leichtfuttrige Pferde dabei gerne
zu fett. Selbstverständlich legt sich die erste 'Gier' nach einigen
Tagen, viele Pferde fressen aber aus freien Stücken zuviel für ihren
Bedarf.
Portioniert Heu zu füttern führt häufig zu zu lagen Fresspausen,
insbesondere nachts. Lohnende Alternativen:
Ich empfehle jedem, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und
den Bewuchs der Weide zu analysieren. Dieses umfangreiche Thema kann ich
auf meiner Webseite nicht vollständig abdecken, hier sei auf die
Literatur verwiesen:
Kraft- und Ergänzungsfutter
Hier empfehle ich bei Bedarf ganz schlichten Hafer guter Qualität als
Kraftfutter und die kurweise Zufütterung eines passenden Mineralfutters.
Zusätzlich sollte ein Salzleckstein zur Verfügung stehen.
Kraftfutter sollte man geben soviel wie nötig, sowenig wie möglich.
Viele Ponys und Robustrassen brauchen bei normaler Freizeitnutzung von
ca. 1 Stunde am Tag kein Kraftfutter.
Warum kein Müsli oder Pellets? Beide erhalten oft unerwünschte oder
potentiell schädliche oder Allergie auslösende Stoffe. z.B. Melasse oder
Mengen ätherischer Öle (für die Nase des Käufers). Zusätzlich finden
sich in vielen solcher Futtermittel seltsame Mengen Mineralien, die
Mineralversorgung ist fest an die zusätzliche Energieversorgung
verkoppelt, woraus sich oft eine deutliche Fehlversorgung ergibt.
Zusätzlich ist die Qualität oft nicht kontrollierbar, das Futter lässt
sich schlechter lagern und verdirbt schneller als (ganzer) Hafer.
Hafer ist außerdem völlig ausreichend, in der Regel auch günstig beim
örtlichen Bauern oder Landhandel zu erwerben. Spinnig werden die Pferde
von zuviel Kraftfutter und zuviel Boxenhaltung, nicht vom Hafer an sich.
Übrigens: 'Schwerfuttrige' Pferde sind oft völlig
mit Kraftfutter überfüttert, so dass sie nicht mehr genug Heu fressen-
eine absolut fatale Kombination.
Lassen sie die Zähne 1x im Jahr von
einem Spezialisten (z.B. www.igfp-ev.de) kontrollieren- auch beim jungen Pferd, um Problemen
vorzubeugen. (Einem 'normalen' TA ohne Zusatzausbildung fehlen dort in
der Regel die Kenntnisse)
Ein Mineralfutter dient zum Ausgleich gerade bei weniger artenreichem
Aufwuchs. Ob und wieviel Mineralfutter sinnvoll ist, ist nicht einfach
zu beantworten.
Einen Anhaltspunkt kann eine Futterberechnung bieten, z.B.
www.hof-luettgesheide.de
Neben den Mineralfuttermitteln gibt es ein riesiges Angebot an Extra-
und Ergänzungsfuttermitteln. Diese werden verbreitet verfüttert, der
Sinn dieser Futtermittel liegt jedoch meiner Meinung nach ausschließlich
im gezielten Ausgleich von Mängeln. Für ein normales Pferd sind diese
Extra- und Ergänzungsfuttermittel im Allgemeinen unnötig. Bei Problemen
sollte man sein Futter (vor allem Heu) auf seinen Nährstoffgehalt
untersuchen lassen und eine Blutuntersuchung beim Pferd. Dann gezielt
zufüttern. Biotinmangel ist sehr selten, da ein gesundes Pferd sein
Biotin selbst aus Vorstufen herstellt. Die Versprechen der
Futterindustrie funktionieren eher selten, dies liegt daran, dass solche
Präparate nur dann wirken, wenn ein Mangel überhaupt vorlag. ‚Planloses’
zufüttern irgendwelcher Zusatzpräparate ist zudem potentiell schädlich,
denn eine Überversorgung ist ebenso problematisch wie eine
Unterversorgung. Häufiger ist mangelhaftes Hufhorn jedoch durch
Beschlag, eine falsche Hufform oder schlechte Haltung verursacht.
Wirkliche Ernährungsmängel sind eher selten. Häufiger sind die
Pferde eher überversorgt.
Aufwändiges Fütterungsmanagement für die beim normalen Freizeitpferd
in der Regel benötigen Mengen Kraft- und Ergänzungsfutter ist 'overkill'.
Evtl. ein Eimer nach dem Reiten reicht in der Regel!
Nur wer ein (Hoch)leistungspferd hat, wird hier etwas mehr Aufwand betreiben
müssen.
Alles in Allem wohl ziemlich das Gegenteil einer Haltung im 'traditionellen' Reitstall.
'Das Auge des Herrn füttert das Pferd' - ein alter Spruch mit viel Wahrheit. Er ruft dazu auf, die Fütterung dem Zustand des Pferdes anzupassen, denn je nach individueller Futterverwertung, Arbeit usw. benötigt jedes Pferde seine Futtermenge, und allgemeine Empfehlung und Berechnungen können nie mehr sein als eine Richtlinie.
Doch hierzu muss man den Futterzustand seines Pferdes realistisch
einschätzen können. Heutzutage sind übergewichtige Pferde leider die
Regel, was ein solches Pferd 'normal' erscheinen lässt. Aus eigener
bitterer Erfahrung kann ich nur warnen, die Gefahren von allgemeinem
Übergewicht oder 'Fettpölsterchen' zu unterschätzen. Lesen Sie sich
diese Kriterien durch und beurteilen sich den Ernährungszustand ihres
Pferdes ehrlich. Viele (mich eingeschlossen) haben als 'normal' zunächst
ein zu dickes Pferd in ihrer Vorstellung.
Eine sehr nützliche Richtlinie wurde von einer amerikanischen Tierärztevereinigung herausgegeben. Ein Ernährungszustand '5' gilt als ideal. 4 oder 6 sind je nach Situation des Pferdes auch noch akzeptabel.
Die Fütterungszustände 1-3 sind in der Regel nur bei extremer
Vernachlässigung/Krankheit anzutreffen und werden allgemein sofort als
entsprechend dramatisch erkannt.
7-9 sind ebenso schlimm und ein Grund zum sofortigen
Handeln seitens des Besitzers. Mit einem zu fetten Pferd ist keinesfalls
zu Spaßen. Probleme wie Hufrehe, Metabolisches Syndrom, Cushing usw.
sind geradezu vorprogrammiert. 'Nebenbei' oder als erste Warnung zeigen
zu fette Pferde oft eine Fühligkeit auf hartem Boden.
Bemerkung: Eine 'gespaltene Kruppe' ist bei manchen Pferden rassetypisch. In diesem Fall handelt es sich um Muskulatur, nicht um Fett. Dies ist von der 'Regenrinne' die bei fetten Pferden entsteht zu unterscheiden!