Grundlagen

Diese Seite bietet eine Einführung in den Aufbau des Hufes, Bezeichnungen uvm.

Ein gesunder Huf von unten.

1: Sohle

Diese hat je nach Hufform eine mehr oder minder starke Wölbung. Stark gewölbte Sohlen sind bei steilwandigen Hufen zu finden, z.B. oft bei Arabern. Wenig gewölbte Sohlen bei flachwandigen Hufen, z.B. bei Tinkern recht häufig. Die Hornstruktur unterscheidet sich deutlich von der der Hufwand, das Sohlenhorn ist zwar sehr hart, aber die Hornröhren liegen flach auf der Sohle. Bei der Bearbeitung muss zwischen harter, lebender Sohle und Zerfallshorn (siehe hier) unterschieden werden.
Die Sohle hat eine wichtige Funktion im Huf. Sie ist keineswegs eine extrem sensible Hornregion, die von jedweder Bodenberührung möglichst geschützt werden muss, sondern erfüllt zusammen mit Hufwand und Strahl auch Tragefunktionen, neben dem Schutz der inneren Strukturen. Am Rand der Sohle bildet sich bei intensiv genutzten Barhufen ein 'Ring' hartes Sohlenhorn (Eine Art 'Schwiele'). Die 'Tragefunktion' der Sohle ist bei einigen Hufbearbeitern umstritten, oft wird in harte, lebende Sohle geschnitten um ja einen Bodenkontakt der Sohle zu vermeiden. Das ist meiner Meinung nach falsch. Dafür gibt es Gründe:

 

2. Strahl

Der Strahl besteht aus weicherem, elastischen Horn und dient als Rutschbremse und Stoßdämpfung. Im Innenleben des Hufes liegt unter dem Strahl das Strahlpolster, das für die Dämpfung verantwortlich ist.
Der Strahl trägt schon auf hartem Boden mit, liegt also auf einer Höhe (oder 1-2mm darunter) mit dem Tragrand.
Ein häufiges Problem ist Strahlfäule. Der Strahl wird hier weich, schwarz-gammelig und stinkt. Entweder ist dies eine folge schlechter Stallhygiene (nicht abgesammelte Matschweiden, schlechte gemistete Boxen/Offenställe, Matratzenhaltung ) oder die Folge einer mangelhaften Hufform. Letzteres ist häufiger, gerade bei Zwanghufen bzw. einseitig engen Hufen.
Ausschneiden: Die seitlichen Strahlfurchen sind unbedingt freizuhalten. Dazu wird mit dem Hufmesser entlang der seitlichen Strahlfurchen der Strahl zurück geschnitten, dass diese nicht überdeckt werden. Taschen/Gammel entfernen.. Ansonsten sollte man den Strahl möglichst in Ruhe lassen, keinesfalls willkürlich 'schön' schnitzen.
 

3: Trachtendkanten

Das hintere Ende des Hufes. Die beiden Trachtenendkanten sollten sich nicht 'anschauen'.

4: Eckstrebenwand

Ein leider oft vernachlässigter Teil des Hufes. Die Eckstreben bestehen aus Wandhorn und besitzen wie die Wand eine Blättchenschicht und weiße Linie. Die Eckstreben dienen als Halt für die Hufknorpel.
Ausschneiden: Eckstreben sind nichts als eine Fortsetzung der Hufwand. Also ebenfalls auf Sohlenniveau kürzen. Sie reichen bis zum Ende der weißen Linie.

5: Mittlere Strahlfurche

6: Der Tragrand

Eigentlich eine etwas unglückliche Bezeichnung, denn der Tragrand trägt nicht allein, sondern mit Unterstützung von Sohle und Strahl.
Er sollte keinen oder nur einen sehr geringen Überstand über die Sohle aufweisen. Die Hufwand kann bei der Hufbearbeitung von außen bearbeitet werden, um z.B. Verbiegungen zu beheben. Der Tragrand sollte berundet werden.
Für eine einfache Analogie siehe 'Die Hufwand als Besen' unten.

pink: Die weiße Linie

Diese Linie ist dünn wie ein Bleistiftstrich und reinweiß (bei allem Huffarben). Sie stellt des Übergang zwischen Blättchenschicht und Hufwand dar. In der Zeichnung weit übertrieben breit dargestellt.

gelb: Die Blättchenschicht.

Oft als weiße Linie bezeichnet, zusammen mit 'pink'. Diese Linie ist jedoch nicht weiß, sondern gelblich-halbtransparent und einige mm breit. Am frisch ausgeschnittenen Huf sieht man deutlich die Struktur aus ineinander greifenden Lammellen. Hier halten Huf und Hufwand zusammen. Man sieht nur das untere Ende der Blättchenschicht, diese reicht jedoch unter der Hornwand bis zum Kronrand und wird auch Hufbeinträger genannt. Die Blättchenschicht ist ein guter Gradmesser für den Zustand des Hufes, denn in ihr finden sich oft Verfärbungen und Blutergüsse. Hebelt eine Wand bzw. ist zu schräg, wird die 'Verankerung' dieser Wand in der Blättchenschicht überstrapaziert. In Folge dessen bilden sich zunächst gelbe bis rote Stellen, danach reißt die Blättchenschicht auf, Fäulnis kann eindringen. Der schlimmste Fall tritt bei Hufrehe auf. Hier hat der Hufbeinträger seine Funktion aufgegeben, die Hufwand hat keinen oder kaum noch halt und die weiße Linie ist extrem verbreitert, im Zehenbereich.

Rehehuf mit extrem verbreiteter Blättchenschicht.

7, 8, 9: grobe Einteilung des Hufes

7: Zehenbereich

8: Seitenwandbereich

9: Trachtenbereich

Anatomie des Hufes

Ich hatte die Gelegenheit, ein Hufpräparat herzustellen. Hier einige Bilder, wie es im Pferdebein aussieht.

Die Zehenknochen des Pferdes (Vorderbein, vom Vorderfusswurzelgelenk abwärts).


Das Röhrbein musste wegen Platzmangel im Topf durchgesägt werden. Links im Bild hatte das Pferd ein Überbein am Griffelbein. Ich vermute daher, dass es sich um das Linke Vorderbein gehandelt hat.

und die zugehörige Hornkaspel:

Dieser Huf ist ein 'Überrest' eines Hufkurses. Das Pferd war zu Lebzeiten beschlagen, siehe Nagellöcher.  Die Zehe wurde bullnasig beraspelt, der gesamte Huf wohl deutlich gekürzt.

Man erkennt, dass der Huf untergeschobene Trachten hat, die Außenseite ist weniger belastet. Insgesamt ist der Huf an den Trachten überlastet und zu eng. Man achte auch auf die zahlreichen Ringe im Horn!

Besonders aufschlussreich ist die genauere Betrachtung des zugehörigen Hufbeins, es hat sich nämlich genauso geformt, wie die Hornkapsel:


hinten


unten


seite


vorne

Von unten sieht man deutlich, dass das Hufbein ebenfalls leicht asymmetrisch ist. Die Außenseite ist breiter!

Vorne hat das Hufbein eine Delle, verursacht durch den Druck des Zehenaufzuges des Hufeisens!

Und wie gehört das Hufbein nun in die Hornkapsel?

Zunächst die Ansicht der Hufkapsel von innen. Leider schafft meine Digitalkamera keine besseren Bilder... Man sieht deutlich die Lamellen, die sich an der gesamten Innenseite der Hornkapsel sowie an den Eckstreben befindet. Dies sehen wir von unten als Blättchenschicht! Am Hufbein befindet sich das Gegenstück. Das Hufbein wird so fest in der Hornkapsel verankert, ähnlich wie mit einem Klettverschluss. Erst nach stunden/tagelangem Einweichen und kochen lässt sich so ein Hufbein aus der Hornkapsel ziehen!


Na, überrascht wie 'klein' das Hufbein ist?  Der Teil, der in  diesem Präparat fehlt, sind die Hufknorpel (im Ballenbereich des Pferdes zu fühlen) und das Strahlpolster. Das Kronbein kommt in die Gelenkfläche des Hufbeines, das Strahlbein darunter.

Hufmechanismus- was passiert genau?

Über den Hufmechanismus wurde schon viel geschrieben, leider auch vieles, was nicht vollständig ist.

Die 'traditionelle' Vorstellung, wie in vielen Büchern nachzulesen: Beim Aufhufen dehnt sich der Huf im Trachtenbereich aus, die Sohle (dies funktioniert natürlich nur im Trachtenbereich, an der Zehe ist die Sohle fest mit dem Hufbeinknochen verbunden) flacht sich etwas ab, die Krone sinkt etwas ein. Schöne Animationen und Bilder hierzu sind auf www.speckmaier-hufe.de zu finden.

Aber: Der Huf kann noch viel mehr! Der Huf ist nämlich als ganzes elastisch und kann sich nicht nur in horizontaler, sondern auch in vertikaler Richtung verformen. Während die horizontale Ausdehnung mit Eisenbeschlag zumindest noch eingeschränkt und unvollständig funktionieren kann (Siehe auch Buch, Hufkurs für Reiter, dort wird über Messergebnisse berichtet), ist es klar, dass eine vertikale Verformung nicht mehr funktionieren kann.

Ein Barhuf passt sich bei jedem Schritt dem Untergrund an und gleicht so Unebenheiten des Boden aus. Mit starrem Beschlag funktioniert eine solche Stoßdämpfung überhaupt gar nicht mehr, zusätzlich werden Schwingungen auf das Pferdebein übertragen, der Stoß vom Boden her wird nicht gedämpft (Barhuf) sondern verstärkt! (Interessante Messungen hierzu: Im Buch 'Hufschuhe' von Birgit von Damsen, als 'Barhuf' wurde jedoch eigentlich fehlerhaft  der blanke Boden verwendet) .
Noch schlimmer wird die Situation bei unebenem Boden: Jede Unebenheit schlägt voll auf die Schaniergelenke des Pferdes, die nicht für eine seitliche Beweglichkeit konzipiert sind (siehe oben!).

Einfaches Modell: Die Hufwand als Besen

Die Hufwand des Pferdes besteht aus zahlreichen Hornröhrchen (die äußersten kann man mit bloßem Auge erkennen). Die Röhrchen wachsen vom Kronrand Richtung Tragrand. In dieser Hinsicht haben Hufe etwas mit Besen gemeinsam, auch diese bestehen aus 'Röhrchen' und sind ein ideales Modellobjekt.

In unserem Modell stellt der Besen die Zehenwand des Pferdes dar, der Kronrand liegt dort, wo der Besen zusammengebunden ist.


Ein Foto eines Besens, unverändert. Der Hintergrund wurde lediglich zur besseren Sichtbarkeit einfarbig gestaltet.
Hier liegt das vor, was beim Pferd als 'verbogene' Zehenwand in Erscheinung tritt. Die 'Hornröhrchen' verlaufen nicht mehr gerade von Kronrand zum Boden, sondern verbiegen sich. Der 'Tragrand' franselt aus. Die äußerten 'Hornröhrchen' (im Bild rechts) sind am stärksten verbogen und erfüllen keine Tragefunktion mehr. Sie verbiegen sich aufgrund der Hebelwirkung bei Bodenkontakt lediglich weiter, wenn der 'Huf' benutzt wird.
 

In den nächsten Bildern wurde der Besen nun elektronisch beraspelt, die üblichen Bearbeitungstechniken für verbogene Wände werden gezeigt.
 


Hier wurde lediglich der 'Tragrand' berundet. Die 'Hufwand' bleibt verbogen wie sie ist. In diesem Modell ist deutlich zu sehen, dass ein Teil der Hebelwirkung aufgehoben wird, jedoch bei weitem nicht alles. Ein Huf mit dieser Bearbeitung wird je nach Situation sehr langsam oder gar nicht geradere Wände bekommen. Die noch verbogenen Wandanteile hindern am geraden herunter wachsen.
 


Hier wurde nun die 'Zehenwand' beraspelt, um einen gestreckten Verlauf zu erreichen, der Tragrand bleibt jedoch scharfkantig. (Biernat- HO arbeiten üblicherweise nach dieser Idee). Die äußersten, am stärksten verbogenen Hornröhrchen wurden entfernt, ein Großteil der Hebelwirkung aufgehoben. Problem: Der scharfkantige Tragrand leistet erneutem Verbiegen Vorschub. Als ich (bzw. die HO) auf diese Weise gearbeitet haben, haben sich die Hufwände immer wieder verbogen, wie jeder Hufbearbeitung mussten sie so beraspelt werden. Die Wände brechen so auch leicht aus.

 


Schließlich wurde die Zehenwand beraspelt und berundet. Die Hebelwirkung ist nun so weit wie möglich aufgehoben, wie Zehenwand hat alle Möglichkeiten, gerade nach unten zu wachsen.
Meiner Meinung ist die Kombination von beraspeln und berunden die effektivste Technik. In der Praxis werden Hufwände so schnell gerade und verbiegen sich nicht erneut. (wenn die Hufe auch sonst korrekt bearbeitet werden!)