Dieser Artikel ist das Resultat einer langen Beschäftigung mit diesem Thema meinerseits. Ich wurde vor einigen Jahren überzeugt, meinem Pferd die Eisen abnehmen zu lassen, da die Argumente stimmig waren und er in der Stallgasse immer rutschte. Zunächst ritt ich ausschließlich, später fast ausschließlich mit Hufschuhen. Ich beschäftigte mich intensiv damit, wie man die Hufe möglichst ausbalanciert bekommen kann (was auch gut funktionierte...). 'Schöne Hufe'. Wenn jemand in meiner Umgebung überhaupt einen Barhufer hatte, dann ritt er meist nur auf weichen Wegen oder immer mit Hufschuhen. Ich hatte eben harte Wege, da musste ich eben mit Hufschuhen reiten... dachte ich. Ohne Hufschuhe ging mein Pferd auf schottrigem Boden leicht fühlig- er lief in keinster Weise schlecht, aber eben nicht so wie mit Hufschuhen.
Je mehr ich mich in der folgenden Zeit mit Hufen beschäftigte, desto
mehr wurmte mich, dass mein Pferd nicht 100% ohne Fühligkeit Barhuf
lief. Ich schaute mir Fotos von Wildpferdehufen und ihrer Heimat an
(extrem steinig) und war beeindruckt. Wenn die Natur das für
Pferdehufe vorgesehen hat, dann muss es doch möglich sein, das mein
Pferd daheim mal über Schotterboden läuft...
Meine Ansprüche stiegen. Ich gelangte zur Überzeugung, dass ein Huf
eigentlich nur dann die Bezeichnung 'gesund' verdient, wenn er das Pferd
ohne Probleme auch über härteren Boden trägt. Diese Ansprüche liegen
natürlich weit über dem, was üblicherweise erwartet wird (Pferd lahmfrei
mit Beschlag/Hufschutz)
Inzwischen habe ich das erreicht, was ich mir gewünscht habe und für machbar gehalten hatte. Und nicht nur bei Alex, sondern auch noch bei einigen anderen Pferden.
Das Ziel ist also ein Pferd, das innerhalb jeder üblichen Nutzung Barhuf ohne jeden Hufschutz auf allen Untergründen problemlos läuft. Ja, auch auf Schotter. Auf 'Bahngleisschotter' darf ein Pferd schon schauen wo es hintritt, aber es sollte freudig laufen. Dies ist leider heute (noch) die Ausnahme. Die Ausgangsposition ist oft ein Pferd mit geschädigten Hufen.
Kann dieses Ziel mit jedem Pferd erreicht werden? Ja, von
pathologischen Fällen abgesehen. Diese Fälle sind zum einen sehr kranke
Hufe, z.B. chronische Rehehufe, die womöglich jahrelang nicht oder
falsch behandelt wurden. Außerdem können natürlich andere Erkrankungen
am Bewegungsapparat ein lahmfreies Laufen trotz guter Hufe verhindern.
Auch möglich ist z.B. eine massive Grunderkrankung, die z.B. das
Hornwachstum oder die Qualität einschränkt.
Keine 'Ausrede' stellt die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse dar.
Auch Vollblüter, Kaltblüter, Friesen, Isis etc. können erfolgreich
Barhuf laufen.
Der Grund hierfür liegt darin, dass das System Huf ein seit
Jahrmillionen im Erbgut des Pferdes verankert ist. Eine solche
überlebenswichtige 'Grundeigenschaft' des Pferdes ist sehr schlecht
züchterisch zu beeinflussen- im Gegensatz z.B. zur Fellfarbe oder Größe.
Die menschliche Zuchtauswahl konnte die Anlagen zu gesunden Hufen nicht
zerstören- zum Glück!
Nahezu alle Pferde, denen bescheinigt
wird, sie könnten niemals Barhuf laufen (z.B. wegbröselnde Hufe) laufen
bei richtiger Hufbearbeitung einige Zeit später ohne jedes Problem.
Also, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zählt ihr Pferd zu den
Pferden, die erfolgreich Barhuf laufen können- man muss es ihm nur
ermöglichen. Wenn ein Pferd das nicht tut, liegt das nicht an 'schlechten Anlagen' oder ähnlichem sondern schlicht und
einfach an Haltung und Pflege der Hufe -noch mal: Davon ist keine Rasse
ausgenommen ;-)
Engl. Vollblüter von der Rennbahn sollen angeblich extrem schlechte Hufe haben, durch Zuchtselektion gingen angeblich die gesunden Hufe verloren. Diese Pferde haben angeblich hoffnungslose Platthufe... Unsinn!

'Typische' Hufe eines Vollblüters von der Rennbahn. Keine Sohlenwölbung
vorhanden, Pferd sehr empfindlich. Übliche Ansicht: Ja, Barhuflaufen ist
gut wenn die Pferde gute Hufe haben, aber mein Blüter wurde nicht auf
gesunde Hufe gezüchtet und muss leider beschlagen werden....

Stimmt nicht! Der selbe Huf 5 Monate später. Ein ganz normaler, gesunder
Barhuf der keinerlei Schutz benötigt, Pferd läuft problemlos.
Beide Bilder mit freundlicher Genehmigung von Pete
Ramey(www.hoofrehab.com)
Auf den Weg zu den wirklich gesunden Barhufen stolperte ich über die wichtigsten Gründe, die diese verhindern und möchte die Erfahrungen nun weitergeben. Diese Gründe gelten für jedes Barhufpferd, auch eines in der Umstellung.
Diesen Fehler habe ich selbst lange Zeit gemacht. Bei vielen hierzulande üblichen Ausschneidetechniken wird ein Sohlengewölbe 'geglättet' oder hergestellt. Auch wird oft versucht, einen Tragrandüberstand herzustellen.

Typische Spuren des 'Sohlenschnitzens'. Hier hatte ich versucht, einen
Tragrandüberstand herzustellen. Die hellen Bereiche der Sohle wurde
bearbeitet. Ich hatte dennoch immer sehr moderat gearbeitet, zwar von
der harten Sohle weggenommen, aber nicht viel. Meine Erfahrung ist aber,
dass auch ein 'bisschen' schon zuviel ist und auf die Dauer dem guten
Laufen im Weg steht.
Was tun?
Finger (Messer) weg von der lebenden Sohle!. Nur Zerfallshorn (leicht abzulösen) entfernen. Etwas schwierig zu beurteilen, besonders für den 'Hufanfänger', ist das härtere Horn, was sich oft in Fortsetzung der Ecktreben neben dem Strahl bildet. Dieses ist nicht 'krümelig-mehlig', darf aber trotzdem weg geschnitten werden. Man erkennt es sicher daran, dass es über der Sohlenwölbung liegt, die sich vom Boden der Strahlfurche zum festen Horn am Tragrand erstreckt (Siehe Artikel Sohlenkunde). Im Zweifelsfall lieber etwas weniger als zuviel schneiden.
Warum?
Die Sohle ist in Kontakt mit dem Boden, Steinen etc. Sie hat die
wichtige Aufgabe, die empfindlichen inneren Strukturen des Hufes zu
schützen. Sohlen gesunder Hufe sind sehr dick und kräftig. Das Geheimnis
starker, unempfindlicher Sohlen ist eine Art 'Schwielenbildung'. Das
Sohlenhorn verdichtet sich und wird härter. Meiner Erfahrung nach dauert
es ungefähr 3 Monate bis eine leicht dünn geschnitzte Sohle sich wieder
auf die natürliche Dicke aufgebaut hat. Und genau diese Schwielenbildung
verhindert man systematisch, wenn man immer ein wenig wegschnitzt...
Bei in grober Weise ausgedünnten Sohlen oder beschlagenen Hufen kann man
die Sohle zu Beginn oft sogar mit dem Finger eindrücken (d.h. nur wenige
mm dick). Hier dürfte es etwas länger dauern. Mein Hufpräparat
(beschlagener Huf) hat eine ca. 1mm dicke Sohle (autsch).
Als Kontrast schaue man
sich diesen Wildpferdehuf an.
Man braucht sich keine Sorgen zu machen, dass eine zu dicke Sohle den
Hufmechanismus behindert - sonst hätten Wildpferdehufe sicher nicht
solche Sohlen. Wir die Sohle zu dick, entsorgt sie der Huf, sie wird
bröselig und abgerieben.
Die einzige Fehlermöglichkeit besteht darin, dass Zerfallshorn gerade
bei großer Trockenheit oder Pferden die nur auf der Weide rumstehen
nicht als solches erkannt wird und die Hufe daher zu lang gelassen
werden.
Dieses Problem äußert sich auf verschiedene Weisen, oft bezeichnet als 'platte' Hufe. Solche Hufe werden vor allem als rassetypisch für Vollblüter angesehen, das stimmt zum Glück nicht. Obwohl solche Hufe den meisten Hufbearbeitern als unveränderbar gelten, auch das stimmt nicht. Mit einer korrekten Hufbearbeitung bildet sich eine normale Hufform und Sohlenwölbung, die Fühligkeit verschwindet. Die Stute vom ersten Foto konnte kaum über die kleinsten Steinchen laufen, heute galoppiert sie fröhlich über harten, schottrigen Boden.
1. Verbogene Wände

Die Wände der Hufe sind sehr flach gewinkelt und laufen verbogen.
2. Fehlende Sohlenwölbung

Falsch ausgeschnittener Huf fast ohne Sohlenwölbung, das was dort ist,
ist angeschnitzt (Siehe Problem 1).
Kontrast:

Korrekt gewölbte Sohle -die Sohlenwölbung ist deutlich und erstreckt
sich bis zum Rand.
(Ein seitliches Foto von einem Huf ohne Wölbung folgt).
Beide Probleme haben ihre Ursache darin, dass das Hufbein zu tief in der Hornkapsel sitzt. 'Hufbeinsenkung'. Ja, eine Hufbeinsenkung kann in mehr oder minder deutlicher Form auch ohne Hufrehe auftreten- und natürlich kann man das Problem aus der Welt schaffen.

Eindrucksvolles Beispiel einer Hufbeinsenkung: Das gesamte Hufbein ist
tief in die Hornkapsel eingesunken. Die obere Linie markiert den
oberen Rand der Hornkapsel. Am Hufbein hat sich eine 'Hutkrempe'
gebildet, die Spitze ist verbogen.

Der selbe Huf- mit geheilter Hufbeinsenkung. Das Hufbein liegt wieder in
normaler Position im Huf. Das Pferd ist lahmfrei und wird geritten.
Beide Bilder mit freundlicher Genehmigung von Pete Ramey (www.hoofrehab.com)
Was tun?
Die Hufe richtig bearbeiten. Verbogene Wände müssen beraspelt und berundet werden (Siehe Besenmodell). Die Hufe müssen ausbalanciert werden, die Sohle in Ruhe gelassen. Sohlenwölbung kann man nicht anschnitzen. Evtl. Schutz der Sohle durch Hoofarmor od. Hufverbände, spezieller Boden.
Warum?
Siehe Artikel 'Sohlenkunde'. Verbogene Wände sorgen für eine Hebelwirkung bei jedem Schritt, die Hufwände werden quasi immer ein Stück vom Hufbeinträger weggezogen- das ist ganz direkt schmerzhaft, abgesehen davon, dass eine platte Sohle auch immer eine zu dünne Sohle ist.
Alles wichtige steht schon im Artikel über die Bedeutung der inneren Strukturen.
Was tun?
Eine korrekte Hufform herstellen, mit tragender Strahl, Trachtenfussung ist erwünscht. Bewegung, Bewegung, Bewegung... Auf verschiedenen Untergründen, immer so dass eine Trachtenfussung erreicht wird (evtl. zunächst mit Hufschuhen). Strahlfäule oder Strahl'pilz' (mehr dazu in Kürze, solange schaut hier) bekämpfen.
Warum?
Die inneren Strukturen sind der Stoßdämpfer des Pferdes. Funktioniert die Stoßdämpfung nicht weil die Strukturen zu schwach sind, ist dem Pferd das laufen auf hartem Boden unangenehm. Nebenbei beugt man Hufrolle und Lahmheiten vor. Leider noch ein sehr unbekanntes Problem!
4. Schwacher Strahl
Die wichtigsten Fakten sind im Artikel über den
Strahl zu finden. Das Problem ist oft verbunden mit Nr. 3.

Typische Signatur des Strahlpilzes: Tiefe mittlere Strahlfurche.
Besonders schwache, athropierte Strähle und Strahlpilz führen zu
häufig deutlicher Fühligkeit. Die tiefe mittlere Strahlfurche
schmerzt, wenn das Pferd auf unebenen Boden fusst und sich der
Huf verwinden oder dehnen muss. Schlimmer betroffene Pferde
können gar lahmen oder 'Hufrollenkrank' erscheinen. Schwerer
betroffene Pferde zeigen eine deutliche Zehenfussung.
Abhilfe: Behandeln des Strahlproblem, Anregen zu Kräftigung
durch viel Bewegung in Hufschuhen, die unter dem Strahl
gepolstert wurden, so dass dieser stimuliert wird.
Das Pferd ist ein Lauf- und Herdentier. Es sollte selbstverständlich
sein, ihm eine Haltung in Gesellschaft von Artgenossen und mit möglichst
viel Bewegung zu ermöglichen. Des weiteren sollte das Pferd soweit wie
möglich 'naturnah' gehalten werden, z.B. sollte auf ein Eindecken außer bei kranken Pferden verzichtet werden.
Das Lauf- und Herdentier Pferd allein in einem 3x3m großen Käfig (Box)
zu halten, möglichst noch eingedeckt und bandagiert ist nicht akzeptabel
- andere 'Bereiche' des Pferdes leiden zuerst, aber eben auch die Hufe.
Ein Mindestmaß ist ganztägiger Koppelgang bei Boxenhaltung nachts.
(Pferde kennen keinen Tag- Nacht Rhythmus wie der Mensch und stehen in
fast jedem Boxenstall 14-16 Stunden im Stall, im Winter meist wesentlich
länger).
Leider gibt es immer noch Ställe, wo die Pferde im Winter 23 h in der
Box stehen. Ein (kleiner) Paddock an der Box führt oft dazu, das
zumindest im Winter kein zusätzlicher Auslauf mehr gewährt wird. Tun sie
ihrem Pferd eine solche Haltung nicht an, das gilt ausdrücklich auch für
Hengste.
Besser sind verschiedene Lösungen der Gruppenhaltung, in Lauf- und
Offenställen sowie Weiden.
Pferde sind tendenziell eher für festen Boden geschaffen. (trockene
Weide, Vorsieb/Schotter, Paddockmatten. Ungeignet als alleiniger(!)
Auslauf sind Matsch, tiefer Sand und Beton.
Es ist schön, aber nicht unbedingt notwendig, im Auslauf und im Gelände
die gleichen Böden zu haben. Training der Hufe ist richtig und wichtig,
allerdings liegt hier eher selten ein Problem. Es ist z.B. problemlos
möglich ein Pferd im Sommer 24 h auf eher trockenen Wiesen zu halten und
auf steinigem und schottrigem Gelände zu reiten.
Hufschuhe sollte man solange benutzen, wie es notwendig ist, aber
dauerhaft ohne auskommen. Ein Pferd, das ohne Hufschuhe nicht läuft, ist
auch nicht gesund.
Wichtiges zur Haltung und Fütterung hier!!!
Fast alle Besitzer von Barhufpferden sind furchtbar besorgt über 'zuviel Abrieb'. (Ich spreche hier erstmal nur von normalen Freizeitpferden).
Ich war es auch.... Angeblich soll Sand schmirgeln, dann werden 500m Asphalt auf dem Ausritt für unpassierbar gehalten, dann wieder sorgt der Paddock für zuviel Abrieb, man überlegt ob man heute die Runde um den Block wirklich ohne Hufschuhe reiten kann...
Erster Teil des Problems: Die Hufe sind schief und nutzen sich wirklich (einseitig zuviel ab). Siehe hier.
Was tun?
Gleichmäßig belastete Hufe herstellen...
Zweiter Teil des Problems: Falsche Vorstellungen von Seiten des Menschen. Kein oder wenig 'Vertrauen' in die Hufe.
Was tun?
Ein gesunder Huf braucht keinen Tragrandüberstand! (Ich habe mich
lange gewundert, warum der immer wegflog, wenn ich nur ein wenig ohne
Schuhe ritt. Naja, ganz einfach, weil die Hufe immer zu lang waren. Wenn
man in seinem Idealbild den zu langen Huf gespeichert hat, ist der
eigentlich natürliche oder korrekte Huf natürlich immer 'zu kurz'. Also
weg mit falschen Vorstellungen! Die Hufe ihres Pferdes werden
wahrscheinlich dramatisch anders aussehen als beschlagene Hufe und meist
doch sehr anders als vom '0-8-15' Schmied ausgeschnittene Hufe eines
Weide-rumsteh-Pferdes.
Siehe auch
hier.
Wenn sie reiten und auf ein Stück härteren Weges stoßen, sitzen sie vorurteilsfrei auf dem Pferd. Jeder kennt das Phänomen, was passiert wenn ein Reiter mit den Gedanken ('ich habe Angst vor dem Sprung') auf ein Hindernis zureitet- das Pferd verweigert meist oder läuft vorbei, weil der Reiter im Grunde genau das wollte (unbewusst). Wenn der Reiter vor dem Stück Schotter auf dem Pferd sitzt mit den Gedanken 'da kann mein Pferd nicht laufen', wird das Pferd (auch wenn es super-Hufe hat) nicht frei ausschreiten. Gewinnen sie Vertrauen in die Hufe ihres Pferdes. Natürlich ist es falsch, ein Pferd über Schotterboden zu zwingen, wenn die Hufe noch zu geschädigt sind, aber die allermeisten sind eher zu besorgt. Wenn sie sich unsicher sind, setzen sie einen fremden Reiter auf ihr Pferd und lassen sie ihn berichten.
Wie man die Huflänge wirklich korrekt beurteilt!
Steht im wesentlichen im Kapitel
Sohlenkunde. Erstreckt sich die Sohlenwölbung bis zum Rand, sind
sie Hufe nicht zu kurz...
Dieses Kriterium ist im Prinzip richtig, dennoch manchmal sehr schwer zu
interpretieren und potentiell daher unzuverlässig. Bei trockenen
Wetterlagen bilden sich oft scheinbar flache Bereiche in der Sohle, ohne
dass die Hufe im Vergleich zu nassem Wetter und Sohlenwölbung bis zum
Rand kürzer wären.
Ich persönlich bin immer sehr beruhigt, wenn ich etwas nachmessen kann. Zum Glück gibt es ein sehr einfaches und sehr zuverlässiges Maß für die Huflänge.
Man legt ein Lineal auf den Tragrand und misst mit einer Schublehre (am einfachsten und genauesten) oder mit Hilfe eines Stückes Draht den Abstand Strahlfurche an der Strahlspitze/Abstand Strahlfurche am tiefsten Punkt der Sohlenwölbung bis zum Tragrandniveau. (Drauf achten, dass man wirklich bis zum Boden misst, Zerfallshorn lässt sich wegdrücken, evtl. überhängenden Strahl ein wenig entfernen). Die Strahlfurche ist sehr schmal, daher ist ein einfaches Lineal zum messen nicht geeignet, damit käme man nicht bis zum Boden, gerade wenn ein wenig Zerfallshorn vorliegt.

(Maß a wird hier benötigt).
Wird das nicht weniger als üblich, dann sind die Hufe nicht zu kurz!
Auch möglich ist das Messen der Zehenwandlänge. Dies ist auch nicht schlecht, allerdings eher Änderungen unterworfen, wenn sich z.B. die Hufform noch ein wenig ändert.
Wie sieht ein gesunder Huf aus? Entscheidend ist, dass jedes Pferd seine individuellen Hufe hat, die zu einem ebenso individuellen Körperbau gehören. Das sollte klar machen, dass es keine allgemeingültigen Winkelangaben oder ähnliches geben kann. Am folgenden Beispiel werden die Kriterien für einen gesunden Huf erläutert:

Hier ist der Vorderhuf eines Kleinpferdes zu sehen.

Der selbe Huf von unten.
Das Foto von vorne ist leider nichts geworden, ist aber nicht so schlimm, denn eigentlich kann man vieles schon an der Sohle erkennen. Hier einige Kriterien für die Ansicht von vorne:
Alle diese Kriterien stehen selbstverständlich in Wechselwirkung miteinander.
Das oben abgebildete Pferd ist seit seiner Geburt in Besitz der kundigen und engagierten Besitzerin, die die Stute artgerecht aufgezogen hat, auf die Hufpflege geachtet usw. Die Stute geht schon immer barhuf. Resultat sind diese sehr schönen Hufe. Am lebenden Pferd gibt es prinzipiell keine 100%ige Perfektion, aber ein Grad dieser, der die Bezeichnung 'gesund' verdient.
Nun hat nicht jedes Pferd das Glück, dass von Anfang an alles richtig
läuft. Oft werden Fohlen die Hufe gar nicht oder viel zu selten
bearbeitet, oder das Pferd wird irgendwann im Laufe seines Lebens von
einem schlechten Hufbearbeiter 'versaut', wobei dies natürlich mit Eisen
am allerbesten funktioniert. Nicht selten halten schlechte Hufzustände
über Jahre an. Verpasste Hufpflege beim Fohlen hat nicht selten
Fehlstellungen zu Folge.
Man kann, kundige Bearbeitung vorausgesetzt, auch an schon 'versauten'
Hufen sehr viel erreichen. Sehr spektakuläre Resultate sind z.B. bei
sehr augenfälligen Spalten zu erreichen, man kann schiefe Hufe langsam
gerade werden lassen und vieles mehr. Gerade bei Fehlstellungen, die im
Knochengerüst des Pferdes begründet sind, oder bei chronischen
Krankheiten und darauf resultierenden Fehlstellungen (Arthrose, Hufrolle
z.B.) kann es sein, dass man nicht jeden Punkt des obigen Ideals
wirklich erfüllen kann. Man kann sich ihm aber annähern, je mehr, desto
besser natürlich.
Gerade bei Fehlstellung wird man z.B. eine Zehenrichtung, die nicht in
der Mitte des Hufes liegt, akzeptieren müssen. So etwas beeinträchtigt
die Pferde in der Regel nicht.
Ein häufig vorgebrachter Einwand ist es, dass das 'korrigieren' der
Hufe dem Pferd schaden würde. Das trifft tatsächlich zu, wenn man z.B.
bei einem Pferd, welches sich die Hufe schief abläuft, alle 8 Wochen auf
einer Seite 1 cm Tragrand runterfeilt, und der Huf sich in den nächsten
8 Wochen wieder schief läuft. Welche Belastungen hier die (eigentlich
nur für Bewegungen nach vorne- hinten ausgelegten) Pferdegelenke
aushalten müssen, kann sich wohl jeder lebhaft vorstellen. Daher, so
bitte nicht!
Aber gar nicht korrigieren und den Huf schief lassen, ist auch
schädlich, denn ein schiefer Huf bedeutet trotz Fehlstellung eine
einseitige Belastung in den Gelenken, die die Wahrscheinlichkeit von
(frühen) Verschleißerscheinungen erhöht.
Richtig ist es, den Huf so zu bearbeiten, dass er sich von selbst
langsam in Form läuft. Langsam und stetig, so haben die Gelenke Zeit, sich an
die Umstellung zu gewöhnen, und man kann schließlich trotz Fehlstellung
eine gleichmäßigere Belastung erzielen.
Absolut unangebracht ist es hingegen, den Huf in einen bestimmten
Winkel zwingen zu wollen, oder mit 'Gewalt' erreichen zu wollen, dass
alle Hufe gleich gewinkelt sind. Das geht schief und verstört die
Erfüllung der obigen Kriterien, zuallererst meist, dass die Wände
gestreckt verlaufen sollen...
Wildpferde haben übrigens alles andere als 45° Zehenwandwinkel wie
mancher behauptet. Jamie Jackson fand bei der Untersuchung von
Wildpferdehufen eine Gaußverteilung. (Siehe: J. Jackson, Horse Owners
Guide to Natural Hoof Care, S. 147)
Vorne: Mittelwert 54°, 68% der Pferde: 52°-56°,94%: 50°-59°, 98%:
48°-62°
Hinten: Mittelwert 58°, 68% der Pferde: 56°-60°,94%: 53°-52°, 98%:
51°-65°.
Das Fundament - Gesunde Hufe für Fohlen und Jungpferde
Nahezu jedes Fohlen wird mit gesunden Hufen geboren. Bei der Hufpflege ist nichts wichtiger und lohnender, die gesunden Fohlenhufe zu erhalten und dem erwachsenen Pferd ebensolche Hufe zu ermöglichen. Dies ist die beste Voraussetzung für ein langes, gesundes Pferdeleben ohne Probleme an Hufen oder Bewegungsapparat.
Während beim ausgewachsenen Pferd die Grundform des Hufes durch den
Hufbeinknochen in relativ engen Grenzen vorgegeben ist, ist ein
Fohlenhuf in höchstem Maße formbar - im Guten wie im Schlechten.
Der Fohlenhuf, im inneren die knöcherne Struktur, wächst beständig, bis
das Pferd vollständig ausgewachsen ist. Das stärkste Wachstum der Hufe
findet in den ersten beiden Lebensjahren statt. Während dieser
Wachstumsphase wird die knöcherne Struktur sowohl des Hufbeinknochens
als auch der Beinstellung, durch die Hornkapsel geformt.
Gleichzeitig entwickeln die die Weichteilstrukturen, z.B. Hufknorpel und
Sehnen.
Vereinfacht kann man sagen, dass die Hufkapsel das gesamte Bein des Pferdes zu formen vermag, bis das Tier vollständig ausgewachsen ist. Der formende Einfluss ist beim jungen Fohlen am größten und nimmt ab, wenn das Pferd nahezu ausgewachsen ist.
Eine gesunde Entwicklung des Hufes und des gesamten Bewegungsapparats des Jungpferdes benötigt drei Grundvoraussetzungen:
Huf und Bewegunsapparat des Fohlens benötigen ausreichend freie
Bewegungsmöglichkeit auf verschiedenen (nicht nur weichen) Böden, um
sich überhaupt vernünftig entwickeln zu können. Es ist zur Genüge
untersucht, dass Bewegungsmangel zu Entwicklungsdefiziten im gesamten
Bewegungsapparat führt.
In der Praxis heisst das: Jedes Jungpferd gehört in Weide- oder
Offenstallhaltung, in einer passenden Herde. Notwendig sind
verschiedene, auch harte Böden. Nicht zu rechtfertigen ist die Haltung
in Boxen oder beengten Laufställen. In der freien Natur folgt das Fohlen
wenige Stunden nach der Geburt mit seiner Mutter der Herde- etwa 30 km
täglich. Fohlenhufe und ihr Bewegungsapparat sind hierfür geschaffen!
Das Jungpferd sollte bedarfsgerecht gefüttert werden und regelmäßig
entwurmt, um eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Sowohl
Mangelernährung und Verwurmung als auch eine Überversorgung sind äußerst
kritisch. Zur Fütterung gehört eine gute Mineralversorgung und
qualitätvolles Grundfutter. Sehr kritisch ist es zu sehen, wenn
Jungtiere durch hohe Kraftfuttergaben früh 'fertig' aussehen sollen.
Dadurch wachsen die Tiere zu schnell, auf kosten ihres
Bewegungapparates. Ein 2- 3- jähriges Pferd soll nicht aussehen wie ein
ausgewachsenes, voll bemuskeltes Reitpferd!
Paradoxerweise werden Pferde 'gepuscht' damit sie sich als 3- jährige
besser verkaufen! Ein informierter Käufer sollte sofort die Flucht
ergreifen, wenn er solche Pferde sieht, denn sie haben eine höhere
Wahrscheinlichkeit, später Probleme zu entwickeln.
Fohlenhufe sollten etwa alle 4 Wochen (!) nach den auf dieser Seite
beschriebenen Grundsätzen bearbeitet werden. So werden die Hufe ständig
in einer optimalen Form gehalten, Probleme und Fehlstellungen entwickeln
sich gar nicht erst oder werden einfach korrigiert. Es ist im Grunde
ganz einfach und unspektakulär, jedoch findet man verbreitet schlichte
Vernachlässigung der Fohlenhufe.
Wer weiss, wie sehr die Fohlenhufe den gesamten Bewegungsapparat formen,
sollte sofort einsehen, wie viel schlimmer es ist diese Hufe zu
vernachlässigen als die eines erwachsenen Pferdes!
(Fast) alles, was an Hufen eines erwachsenen Pferdes durch
Vernachlässigung oder falsche Hufbearbeitung verdorben wurde, lässt sich
mit guter Hufbearbeitung und Zeit wieder beheben.
Was allerdings an Fohlen- und Jungpferdehufen einmal falsch entwickelt ist, lässt sich am erwachsenen Pferd nicht mehr beheben. Mit allen Schäden, z.B. Fehlstellungen, muss das erwachsene Pferd leben. Durch gute Hufpflege kann man lediglich das beste aus schlechten Umständen machen.
Ein Pferd wächst, je nach Individuum, etwa bis zum 5. Lebensjahr.
Davon sind die Hufe keineswegs ausgenommen!
Ein 3- jähriges Pferd ist nicht ausgewachsen, auch nicht was seine Hufe
betrifft. Diese sind weiter in Wachstum und Entwicklung der inneren
Strukturen begriffen.

Hinterhuf eines erwachsenen Warmblut- Wallachs, natürliche Form,
Durchmesser 14.7 cm

Vorderhuf des selben Pferdes. Hufbeinknochen ovaler als der des
Hinterhufs. Durchmesser: 13 cm.
Dem bisher Gesagten folgend, ist ein permanenter Beschlag an einem
nicht vollständig ausgereiften Huf besonders fatal - und meiner Meinung
nach nicht zu rechtfertigen.
Der Beschlag fixiert den stetig wachsenden Huf für etwa 8 Wochen auf
einem festen Durchmesser. In der Folge kann der Huf nicht mehr breiter
werden, sondern wird oval und eng.
Die Fotobeispiele des Warmblutwallach zeigen diesen Effekt
überdeutlich. Der Hinterhuf, der nie beschlagen war, zeigt eine
natürliche, leicht ovale Form eines Hinterhufes mit weitem Strahl und
breitem Ballenbereich. Der Durchmesser beträgt 14.7 cm.
Die Vorderhufe des selben Pferdes wurden im Alter von etwa 3 Jahren für
einige Zeit beschlagen. Vor Aufnahme dieser Bilder lief das Pferd
jahrelang barhuf. Als Resultat hat das erwachsene Pferd nun
ovalere Vorder- als Hinterhufe. Die Vorderhufe haben nur 13 cm
Durchmesser.
Hier wurde das natürliche Verhältnis von Vorder- und Hinterhufen durch
den frühen Einfluss des Beschlages umgekehrt, denn normalerweise sind
die Vorderhufe runder und etwas größer!
Vorderhuf einer 19- jährigen Kaltblutstute
Je früher mit Beschlag in die Entwicklung der Hufe eingegriffen wird, desto drastischer die Effekte. Dieser Huf einer 19- jährigen Kaltblutstute wurde mit 2-3 Jahren das erste Mal beschlagen. Als Folge entwickelte sich ein extrem enger und kleiner Huf, mit lediglich 13 cm Durchmesser bei einem etwa 165 cm großen und kräftigem Kaltblut!
Jedoch leidet nicht nur die Hufform unter einem frühen Beschlag, auch
und besonders die
inneren Strukturen werden in ihrer Entwicklung gestoppt.
Strahlkissen und Hufknorpel (lesen sie mehr unter dem Link oben) bilden
die wichtigste Stoßdämpfung im Pferdehuf. Sie entwickeln sich mit jedem
Schritt, den das Pferd tut, besonders natürlich während des Wachstums.
Nur mit ausreichend Bewegung und einer gesunden Hufform werden die
Hufknorpel und Strahlkissen kräftig genug. Sie sie schwach und dünn, hat
das Pferd Schmerzen bei jedem Schritt.
Je größer und schwerer das Pferd ist, desto kräftiger müssen natürlich
die inneren Strukturen sein. Während das gesamte Pferd in jedem Fall
wächst, so wachsen die inneren Strukturen nur mit, wenn das Tier gesunde
Hufe und ausreichend Bewegung hat.
Sowohl Vernachlässigung als auch zu wenig Bewegung hemmen die
Entwicklung, bei Beschlag kann man sich ziemlich sicher sein, dass
keinerlei Verbesserung der inneren Strukturen mehr stattfindet.
Wird ein Pferd also sehr jung beschlagen, wird die Entwicklung der inneren Strukturen zu diesem Zeitpunkt abgebrochen. Als Folge kann ein erwachsenes Pferd immer noch die inneren Strukturen haben, die sein Gewicht als Fohlen problemlos trugen, nun aber völlig überfordert sind. Als Folge hat man ein Pferd, das in der Regel ohne Hufschutz äußerst fühlig geht und geradezu prädestiniert für Hufrollenerkrankungen ist (Forschungen Dr. Bowker).
Die inneren Strukturen können auch beim erwachsenen Pferd mit viel Zeit und planvollem Training entwickelt werden - aber natürlich nicht so gut wie beim Jungpferd.
Sehr früher Beschlag, etwa im Alter von 2 Jahren, führt mit
ziemlicher Sicherheit zu einem Pferd mit völlig degenerierten Hufen.
Verbreitet sind solche Praktiken insbesondere im Renn- und Westernsport.
Ein solch früher Missbrauch der Hufe schadet dem Pferd enorm - Und nicht
erstaunlicherweise sind Pferde, die so früh bereits hohe Leistungen
bringen müssen, in aller Regel in kurzer Zeit verschlissen.
Falls sie ein erwachsenes Pferd besitzen, machen sie durch gute Haltung, Fütterung und Hufpflege sowie überlegtem Training das Beste aus seinen Möglichkeiten. Selbstverständlich kann man so den meisten Pferden ein problemloses und gesundes Pferdeleben ermöglichen.
Besitzen sie Jungtiere, achten sie auf die genannten Grundsätze! Vernachlässigen sie die Hufe nicht, halten und füttern sie das Jungpferd artgrecht! Beim Jungpferd kann man mit einfachen Mitteln wunderbar die Grundlagen für ein Pferdeleben auf perfekten Hufen legen. Aus der Sicht eines Hufbearbeiters ist weniges befriedigender.
Falls sie ein 3-4 jähriges zukünftiges Reitpferd kaufen wollen,
achten sie weniger auf Namen und Abstammung als auf eine vernünftige
Aufzucht ! Meiden sie Züchter, die gegen diese Grundsätze verstoßen.
Jeder Fehler, der am Jungpferd gemacht wird, hat zu Schäden oder Risiken
geführt.
Kaufen sie kein Pferd mit starken Fehlstellungen (z.B. Bockhufen) oder
völlig unterentwickelten Hufen.
Hierbei handelt es sich um eine Frage, die mich in letzter Zeit sehr
beschäftigt hatte. Bisher hatte ich die Definition aufgeführt, dass
Zehenwand und Trachtenwand völlig parallel verlaufen sollen. Leider war
das weder bei meinem Pferd Alex noch bei anderen wirklich 100%ig zu
erreichen. Der Wachstumswinkel der Trachtenhornröhrchen ist etwas
flacher als der der Zehe. Wenn man sehr genau hinschaut, ist dies auch
beim Huf oben gut zu erkennen.
Bei der Beschäftigung mit der amerikanischen Barhufbewegung fand ich
zahlreiche Bilder von Wildpferdehufen, die sich offensichtlich in dieser
Form bestens bewährt haben.
Solche Hufe kann man sich hier (Webseite Jamie Jackson) und hier (Marjorie, Barefoothorse) anschauen.
Was zu finden war, war für mich eine Überraschung: Auch hier, der Winkel der Hornröhrchen an den Trachten ist etwas flacher, nach herkömmlicher Definition also 'untergeschoben'. Allerdings ist die Zehe kurz, gerade und nicht zu flach. Ein Widerspruch?
Meiner Überlegung nach muss man hier differenzieren, und den Wachstumswinkel von den echten untergeschobenen Trachten unterscheiden:
1. Die 'echten' untergeschobenen Trachten:
Die Zehe ist hier sehr lang, verbogen und zu flach. Der Huf wächst hier unter dem Gewicht des Pferdes nach vorne weg, die Trachten werden nach vorne mitgezogen, es bilden sich Wandrundungen. Die Blättchenschicht ist gerade im Zehenbereich auseinandergerissen, verfärbt, verbreitert. Der Huf ist birnenförmig oder stark oval und zu eng im Trachtenbereich.
Zur Verdeutlichung habe ich hier ein Huffoto abgepaust und die Wachstumsrichtung der Hornröhrchen mit eingezeichnet:

2. Die 'natürliche' Differenz der Wachstumswinkel.
An den Trachten sind die Hornröhrchen etwas flacher, bei gleichzeitig kurzer, gerade Zehenwand, intakter Blättchenschicht und guter Hufform.
Zur Verdeutlichung habe ich den Wildpferdehuf abgepaust:
