Hufrehe: Fallbericht Caryl

Caryl ist eine 7-jährige Connemara- Stute, Stm. 145cm, gezogen im Gestüt Glaskopf. Sie ist Carlas Vollschwester, ihre Mutter kann man sich hier anschauen

Caryl ist ebenfalls als Absetzer zu ihrer jetzigen Besitzerin gekommen und lebt in der gleichen Haltung wie Carla. Caryl ist Sattel und Reitergewicht gewöhnt, weiter ist ihre Ausbildung noch nicht gekommen.


Caryl, noch deutlicher zu fett als Carla, im Mai 06, wenige Tage vor ihrem Reheschub. Sie war seit Jahren in diesem Zustand, sie hat extreme Fettpolster an Hals, Schultern, Kruppe. Gewicht mit Schätzformel bestimmt im Herbst 05: 650kg.

Ihre Besitzerin kaufte sie als als Absetzer, von nun an lebte sie in Offenstall- und Weidehaltung. Im Sommer standen die Pferde 24h auf großen Weiden, im Winter im Offenstall bei Heu zur freien Verfügung. Sie wurde fast nicht gearbeitet.
Ich kam aus Ställen und Reitschulen, wo eine überwiegende Boxenhaltung (allenfalls mit gelegentlich Weidegang- die Weiden waren in der Regel eher Trampelkoppeln) üblich war, was ich zunehmend ablehnte.
Und diese Haltung- besonders im Sommer, auf den großen Weiden- ein Pferdeparadies? Oberflächlich betrachtet, ja, auf jeden Fall. Herdenleben, natürlicher Witterungsschutz, natürliche Ernährung... Aber warum war Caryl dann so fett? Dies schien das einzige Problem und man war geneigt, es nicht wirklich ernst zu nehmen. Dies ist aus heutiger Sicht ein Fehler. Denn unser modernes Grünland ist nicht unbedingt der 'natürliche' Lebensraum eines Pferdes- gerade eines Robustpferdes aus einer kargen Region. Mehr dazu im Kapitel Haltung.
 

Caryl hat mich viel gelehrt, sie ist gewissermaßen ein Lehrstück, dass man zur Hufbearbeitung das ganze Pferd und seine Lebensumstände betrachten muss und nicht nur durch Hufbearbeitung korrigieren kann, wenn das Problem, wie hier z.B. in der Fütterung liegt.

Als ich Caryl kennenlernte, waren ihre Hufe -besonders da diese zu selten und zu wenig konsequent bearbeitet wurden- sehr flach und rundherum verbogen. Auf hartem Boden war die Stute fühlig. Sie war ihr Leben lang barhuf.
Sie war -neben Alex- eines der ersten Pferde, denen ich die Hufe raspelte. Ich war natürlich mehr als neugierig, mein Wissen an solchen Platthufen auszuprobieren. Also raspelte ich fleißig und regelmäßig- was auch funktionierte.


Caryls Hufe im Winter 04/05- zu Beginn meiner Bearbeitung


und ein halbes Jahr später. Die Entwicklung der restlichen Hufe verlief analog.

Auf dem Foto sieht der Huf 'normal' aus. Die Stute absolvierte die ersten Ausritte und lief problemlos und ohne Fühligkeit.
Ein toller Erfolg, der aber immer eine Kehrseite behielt.
Immer wieder 'wollten' sich die Hufwände erneut verbiegen, was auch immer ich anstellte, dies zu verhindern. Sicher, der Huf sah für jeden optisch gut aus, der nicht auf die feinen Zeichen achtete, dass ich den Huf nur durch intensives bearbeiten aufrecht halten konnte...
Sollte dies daran liegen, dass das Pferd so fett war? Ohne eine radikale Haltungsumstellung konnte man an der Fütterung aber nichts ändern... und diese wirkte ja auch auf den ersten Blick vernünftig. War die Stute im Winter bei 'nur Heu' nicht genauso fett? Was sollte man schließlich noch anders machen? Mehr Reiten? Dies ist ein zeitliches Problem beim Besitzer. Also- passierte nichts.
Ich las diverse 'Warnungen' bezüglich zu fetter Pferde besonders in Pete Rameys Büchern und Artikeln- und nahm sie nicht ernst genug bzw. sah zunächst keine Möglichkeit. Ich begann mich aber, mit Gräsern und Weidewirtschaft zu beschäftigen und buchte einen Kurs.

Hätte damals nicht die Bequemlichkeit gesiegt...

Wenige Tage nach Carla erlitt auch Caryl einen Reheschub. Bei ihr wurde dieser sehr schnell erkannt, da die Pferde natürlich nun besonders intensiv kontrolliert wurden. Sie zeigte Lahmheit, die mir beim longieren auf engen Wendungen auffiel und sich binnen einer Stunde zu einem starken Wendeschmerz steigerte. Sie wurde in der gleichen Weise wie ihre Schwester behandelt. Nach wenigen Tagen weigerte sie sich jedoch, ihre Medikamente zu fressen. Daher wurden sie abgesetzt.

Bereits nach ca. einer Woche war keine Lahmheit auf weichem Boden  mehr erkennbar. Bald zeigte sie auf normalem, auch etwas steinigem Wiesenboden freudig alle Gangarten... Die Pferde kamen von dem bis dahin bezogenen Behelfsquartier auf eine Weide, wo ein Teil als Erdpaddock angelegt war. Alle Pferde durften stundenweise mit Maulkorb (seeehr kleines Loch) auf die überständige Wiesenfläche. In der restlichen Zeit gab es auf dem Paddock Heu und Stroh.

Von dieser Zeit (August 06) sind ihre nächsten Huffotos- vorher hatte ich es leider versäumt, welche zu machen- aber bis dahin gab es auch keinerlei Spektakuläre Veränderungen an den Hufen.

Röntgenbilder existieren- leider- nicht. Auch wenn man sie zur Hufbearbeitung nicht unbedingt braucht, so sind sie doch eine interessante Dokumentation.

Die Veränderung an ihren Hufen waren insgesamt weniger dramatisch als bei Carla -trotzdem waren sie äußerst deutlich. Genauere Erklärungen folgen bei den einzelnen Hufen.

Vorne rechts:


etwa 1cm unter dem Kronrand sieht man die Folgen der Hufrehe herunterwachsen -deutliche Rille. Der Rest des Hufes ist schlecht mit dem Hufbein verbunden.


Von unten sind einige Blutergüsse zu sehen, die Hufwand ist recht stark beraspelt und berundet.


von vorne ist das gleiche zu sehen- aber nur bei genauem Hinschauen, man achte auf die Richtung des Hufwachstums im Bereich, in dem noch Fell über den Huf hängt.


beim anderen Huf ist dies- dank Beleuchtung und Perspektive etwas leichter zu sehen.

(das Bild von der Sohle fehlt leider).

Caryl erholte sich ohne Probleme oder Zwischenfälle von ihren Hufreheschub. Sie war und blieb lahmfrei und hatte Freude an Bewegung.

Im September 06 entstanden neue Huffotos, aufgenommen etwa 14 Tage nach der letzten Bearbeitung.


Die Fettpolster schmelzen dank der Fütterungsumstellung. Im gleichen Maße verbessern sich die Hufe.


Das gesunde Wachstum hat etwa die Hälfte des Hufes erreicht, weiter nach unten ist das Horn noch vom Hufbein weg gehebelt.


-was von vorne ebenfalls zu erkennen ist.


der andere Huf entwickelt sich völlig analog.

Wenige Tage nach Aufnahme dieser Bilder zeigte Caryl plötzlich eine seltsame Lahmheit an der Hinterhand. Sie lief zunächst völlig normal, bis sie eine 'falsche Bewegung' machte und von einer auf die andere Sekunde das betreffende Bein nicht mehr auf den Boden setzte. Nach einigen Stunden war die Lahmheit wieder weg. Das sah verdächtig nach einem osteopathischen Problem aus ... und siehe da, die hinzugerufene Osteo und TA fand mehrere Blockaden- und der Spuk war vorbei.

Anfang Oktober zogen die Pferde in den 'richtigen' Offenstall, dort wohnen Carla, Caryl und Alex in einer Hütte, in der Gummimatten liegen und einem Paddock aus Rasengittersteinen und Paddockplatten mit Holzhäcksel- Tretschicht. Zusätzlich steht ein Stück Matschweide zur Verfügung. Etwa 15 min am Tag dürfen die Pferde zum austoben auf eine Weide, auf der ausschließlich bereits verdorrtes Gras steht. Diese zusätzliche Auslaufmöglichkeit wird täglich im Galopp genutzt. Die Ponys Lucky und Dixie stehen in einem extra Offenstall um Streit zu vermeiden, bis Lucky alle Hengstmanieren ablegt hat.

Neue Fotos im Oktober...

 


Beim linken Vorderhuf wächst der 'neue' Huf fleißig nach unten. Die Wände sind wieder gerade, im unteren Bereich durch beraspeln erreicht.

 


Die Blättchenschicht ist noch etwas verbreitert (weniger als bei Carla)

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...doch die Sohle hat bereits wieder eine normale Wölbung.

Der zweite Huf entwickelt sich wiederum analog.

Caryl ist munter, bewegungfreudig und läuft problemlos auch auf schottrigem Untergrund. Enge Wendungen stellen ebenfalls kein Problem dar.
 

Ihr Gewicht wurde mit der Schätzformel zu 480 kg (Vergleich zu 650kg im Herbst 05) bestimmt. Sie hat noch ein paar kg zuviel auf der Rippen und noch ein wenig 'Speckhals'. Wir hoffen, dass dieser noch verschwindet. Sie war zu Beginn wesentlich deutlicher zu fett als Carla.

Caryl wird nun (Dezember 06) ebenfalls leicht geritten bzw. erste Schritte einer Grundausbildung unternommen.


Hier tobt Caryl freudig über die Winterweide auf die die Pferde zusätzlich zum Offenstall stundenweise gelassen werden.

Da Caryls' Besitzer die Zeit zum Reiten fehlt, hat die junge Stute seit Sommer 07 eine Reitbeteiligung und wird 2-4 x in der Woche ins Gelände geritten.

Sie ist ein wunderbares Pferd, trotz ihrer geringen Erfahrung extrem zuverlässig aber dennoch alles andere als langweilig! Das Temperament und die Umgänglichkeit dieser beiden Schwestern spricht sehr für die sorgfältige Zuchtauswahl!
Im Gelände läuft sie fröhlich und sicher über alle Untergründe, ihre Reiterin hat große Freunde an ihr.

Ihre Hufe sind vollständig normal und gesund. Die Bilder zeigen sie im November 07 etwa 2 Wochen nach der letzten Bearbeitung.


Vorne rechts- gerade Seitenwände, die nicht von außen beraspelt wurden!


Unten: Gesunde Blättchenschicht


Die Zehenwand ist gerade- ebenfalls nicht von außen beraspelt.


Die Sohle des linken Vorderhufs weist eine normale Wölbung mit ausreichender Sohlendicke auf.


Minimale Ungleichbelastung- sonst sehr schön...


Links unten


Auch der Linke Huf hat nun einer gerade Zehenwand


..ausreichende Sohlenwölbung rechts!