Hufrehe: Fallbericht Carla

Carla ist eine 9-jährige Connemara- Stute, Stm. 153cm, gezogen im Gestüt Glaskopf. Sie ist Caryls Vollschwester, ihre Mutter kann man sich hier anschauen

 Sie ist eine sehr liebenswerte Stute, die Chefin ihrer kleinen Herde. Sie besitzt eine reiterliche Grundausbildung, wurde aber schon länger nicht gearbeitet (Zeitmangel).
Sie ist von Fohlen an bei ihrer jetzigen Besitzerin und war bis auf einziges Experiment mit einem Kunststoffbeschlag ihr Leben lang Barhuf. Schon als Fohlen hatte sie mittige Risse in beiden Vorderhufen. Ansonsten waren ihre Hufe gut und unauffällig.
Carla zeigte außer leichtem Kotwasser bislang keine gesundheitlichen Probleme, war allerdings immer zu fett.


Carla im Oktober 2005- deutlich zu dick, besonders der Hals ist 'verdächtig'.
Gewicht (mit Schätzformel bestimmt) im Herbst 05: 650kg.

Ihre Besitzerin kaufte sie als als Absetzer, von nun an lebte sie in Offenstall- und Weidehaltung. Im Sommer standen die Pferde 24h auf großen Weiden, im Winter im Offenstall bei Heu zur freien Verfügung. Sie wurde nur gelegentlich leicht geritten.
Ich kam aus Ställen und Reitschulen, wo eine überwiegende Boxenhaltung (allenfalls mit gelegentlich Weidegang- die Weiden waren in der Regel eher Trampelkoppeln) üblich war, was ich zunehmend ablehnte.
Und diese Haltung- besonders im Sommer, auf den großen Weiden- ein Pferdeparadies? Oberflächlich betrachtet, ja, auf jeden Fall. Herdenleben, natürlicher Witterungsschutz, natürliche Ernährung... Aber warum war Carla dann so fett? Dies schien das einzige Problem und man war geneigt, es nicht wirklich ernst zu nehmen. Dies ist aus heutiger Sicht ein Fehler. Denn unser modernes Grünland ist nicht unbedingt der 'natürliche' Lebensraum eines Pferdes- gerade eines Robustpferdes aus einer kargen Region. Mehr dazu im Kapitel Haltung.
 

Leider existieren von Carlas Hufen nicht viele Fotos... Ihre Besitzerin bearbeitete hauptsächlich die Hufe, und ich vergas entweder die Kamera oder es war dunkel.. Hier beispielhaft ihre Hufe im Oktober 04, zu Beginn der Bearbeitung durch die Besitzerin und mich.


-Die Hufe sind in einem nicht optimalen Zustand, die Spannungen führen zu dem mittigen Riss.

Im Oktober 05 war Carla von einer Minute auf die andere stocklahm, der Spuk verschwand aber nach einigen Tagen von selbst.

Im April 06 waren die Risse schließlich vollständig herausgewachsen (Dies dauerte 'so lange' da nach einem fast vollständigen herauswachsen einmal in einem viel zu langen Abstand bearbeitet wurde... Das hieß, zurück zum Start....). Zur selben Zeit begannen die Probleme. Carla war plötzlich lahm, innerhalb weniger Wochen mehrmals. Die Vermutung, die sich in einem Fall auch als zutreffend erwies, war ein Hufgeschwür, an einem Hinterhuf eröffnete sich eines. Anfang Mai lahmte sie wieder, diesmal vorne, doch nur leicht- im Schritt kaum zu sehen.

Sie lahmte einige Tage leicht, ihr Zustand änderte sich nicht. Ich hatte sie am morgen noch munter gesehen- wenige Stunden später wurde die Stute auf der Weide liegend gefunden, unfähig, alleine aufzustehen- Akute Hufrehe, lt. Tierarzt ein schwerer Fall, offenbar waren alle 4 Hufe betroffen. (Dies war Mitte Mai 2006)
Carla wurde hochgehoben und in die dick eingestreute Weidehütte verbracht, Hufverbände angebracht und sie wurde zur Ader gelassen. Der TA verordnete Medikamente.

In den nächsten Tagen besserte sich ihr Zustand, sie hatte allerdings offenbar starke Schmerzen, ihre Kruppenmuskulatur war völlig verspannt in der Anstrengung, die schlimmer betroffenen Vorderhufe wenigstens etwas zu entlasten. An allen Hufen war eine deutliche Pulsation zu fühlen. Laufen konnte sich nicht wirklich. Sie bekam ausschließlich gewässertes Heu. Die Medikamente wurde nach ca. einer Woche abgesetzt. Sobald sie konnte, hatte sie jederzeit die Möglichkeit, sich frei zu bewegen.

Nach etwa 2 Wochen war sie in der Lage, lahmfrei im Schritt auf einem größeren, weichen Paddock herumzulaufen. In der Folgezeit besserte sich ihr Zustand zusehends. Anfang Juli lief sie barhuf auf günstigem Untergrund (normaler Erdboden, auch mit ein paar Steinen) lahmfrei in allen Gangarten. Die Pferde kamen von dem bis dahin bezogenen Behelfsquartier auf eine Weide, wo ein Teil als Erdpaddock angelegt war. Alle Pferde durften stundenweise mit Maulkorb (seeehr kleines Loch) auf die überständige Wiesenfläche. In der restlichen Zeit gab es auf dem Paddock Heu und Stroh.

Von dieser Zeit (August 06) sind ihre nächsten Huffotos- vorher hatte ich es leider versäumt, welche zu machen- aber bis dahin gab es auch keinerlei Spektakuläre Veränderungen an den Hufen.

Röntgenbilder existieren- leider- nicht. Auch wenn man sie zur Hufbearbeitung nicht unbedingt braucht, so sind sie doch eine interessante Dokumentation.

Vorne rechts:

Die Anbindung des Hufbeines an die Hornkapsel ist hier noch sehr  schlecht- man achte auf den obersten cm Hornwand, der fast senkrecht nach unten zeigt.


Das gleiche sieht man auch von der Seite....


im Trachtenbereich ist die Blättchenschicht intakt, von der breitesten Stelle an ist sie breit, von Blutergüssen durchsetzt.

Vorne Links:


In der Sohle sind einige Entzündungsprodukte sichtbar: in der Blättchenschicht der Eckstreben und im vorderen Sohlenbereich. Dort findet sich gallertartiges Horn (darunter ist zum Glück festes Horn).


von vorne und von der Seite zeigt sich das gleiche Phänomen wie am anderen Huf, etwas weniger stark ausgeprägt.

An diesem Tag kam ein neues Shetty in der Herde, Lucky, ein dreijähriger der erst kurz zuvor gelegt wurde. Die Besitzerin rettete ihn aus einer Einzelhaltung und wir unterschätzten die Unruhe, die er in der Herde verursachen würde. (Eine ziemliche Dummheit!)
Es folgte ein Nachmittag, an dem alle Pferde ziemlich auf der Koppel herumgaloppierten, Caryl (siehe anderer Fallbericht) mit bereits bearbeiteten Hufen, Karla noch mit zu langen Hufen, die erst einige Stunden später bearbeitet wurden.


Der kleine Lucky sorgte für Aufregung- hier zusammen mit Alex.

Einige Tage war Karla stocklahm mit starker Pulsation, wir vermuteten heute Reizung der Huflederhaut durch Überlastung wegen des Herumtobens. Es wurde entsprechend einer Lederhautreizung vom TA mit Medikamenten behandelt und das Pferd auf sehr weichen Boden gebracht. Nach 3 Tagen war der Spuk vorbei...
Anfangs lief sie noch fühlig auf härterem Boden, dort trug sie wieder ihre gepolsterten Hufschuhe.


Karla Hufschuhe- Variation des Selbstbau- Hufschuhs mit geschlossener Sohle und Polsterung.


Aber ein Neuer fing an.... Hufgeschwüre!
Karla hatte zwei schwere Hufgeschwüre, die mit jeweils einer Woche Nichtbelasten des betroffenen Hufs einhergingen- eine schwere Zeit sowohl für Carla als auch für uns- besonders da sich der TA nicht durch Kompetenz auszeichnete.
Die Hufgeschwüre wurden mit Angussverbänden, abwarten und schließlich homöopathisch behandelt. Alle Hufgeschwüre brachen schließlich am Kronrand auf, wonach das Problem vorbei war. 'Löcher schnitzen' des TA auf der Suche nach Hufgeschwüren war übrigens erfolglos und fügte dem Huf Schaden zu, davor kann ich nur warnen... Mit Gabe des homöopathischen Medikaments brach auch an den bis dahin nicht betroffenen Huf ein Geschwür- diesmal ohne Lahmheit, am Kronrand auf. Dann war Ruhe mit Hufgeschwüren und Karla lief  wieder problemlos, Hufschuhe waren nicht mehr notwendig.

Im September entstanden neue Fotos:

Vorne rechts:

Deutlich sieht man die enorme Verbesserung. Der obere Teil der Hufwand (bis zur 'Rille') ist fest an das Hufbein angebunden und gesund. Der 'alte' Rehehuf konnte nun fast dem neuen Wachstum angepasst werden.


In der Sohle sieht man noch deutlich die Rehespuren, es befindet sich noch einiges Gallertartiges Horn an der Zehe, die Sohle hat noch keine normale Wölbung.


auch die Seitenwände wachsen korrekt nach, nur noch wenig Verbiegung ist übrig geblieben.

Vorne Links:


Seitlich am Kronrand sieht man das große Hufgeschwür, dass sich etwa eine Woche vor Aufnahme dieser Bilder eröffnet hat. Auch dieser Huf wächst gut nach. Der ganze Huf wirkt noch sehr 'hoch' ein Zeichen, dass das Hufbein noch ein wenig gesenkt ist.


an der Zehe und am Ende der Eckstreben hat der TA große Löcher auf der erfolglosen Suche nach einem Hufgeschwür gemacht- das muss nicht sein!

Carla läuft nun wieder lahm- und fühligkeitsfrei auf allen 'weicheren' Untergründen, wie Rasengittersteine mit etwas Erdreich, trockener Erdpaddock, Wiesenboden. Sie zeigt alle Gangarten und hat sichtlich Freude an Bewegung.
 


Ende September (sie verjagt gerade ein anderes Pferd vom Heu, daher der unfreundliche Gesichtsausdruck...)... Ist das wirklich das gleiche Pferd wie ein Jahr zuvor ;-) Durch die Haltungs- und Fütterungsumstellung sind alle auffälligen Fettpolster verschwunden. Insbesondere der 'Hengsthals'... Sie wirkt etwas eckig, da sie aufgrund mangelnder Bewegung Muskulatur verloren hat.

Anfang Oktober zogen die Pferde in den 'richtigen' Offenstall, dort wohnen Carla, Caryl und Alex in einer Hütte, in der Gummimatten liegen und einem Paddock aus Rasengittersteinen und Paddockplatten mit Holzhäcksel- Tretschicht. Zusätzlich steht ein Stück Matschweide zur Verfügung. Etwa 15 min am Tag dürfen die Pferde zum austoben auf eine Weide, auf der ausschließlich bereits verdorrtes Gras steht. Diese zusätzliche Auslaufmöglichkeit wird täglich im Galopp genutzt. Die Ponys Lucky und Dixie stehen in einem extra Offenstall um Streit zu vermeiden, bis Lucky alle Hengstmanieren ablegt hat.


Ende Oktober06: Carla läuft einwandfrei, ohne die geringste Fühligkeit flott über den abgebildeten Schotterparkplatz. (leider etwas unscharf).
Ich habe ihr Gewicht mit einer Formelabschätzung (siehe Haltung und Fütterung) erneut bestimmt: etwa 490 kg bei Stm. 153cm.

 


Die Zehenwände sind fast wieder gerade, kurz unterhalb des Kronrandes ist das aufgebrochene Hufgeschwür von letztem Monat zu erkennen.


Die unterste Rille markiert die Zeit des akuten Reheschubes- das Horn darunter ist von außen beraspelt. Schauen sich die oberen Bilder nocheinmal an und verfolgen sie, wie diese 'Trennlinie' nach unten wächst.


Vorne etwas rechts der Mitte die Überreste des 'Lochs' - Horn wächst zum Glück schnell. Die Blättchenschicht ist noch etwas verbreitert.


Ihre Sohle gewinnt ihre Wölbung langsam zurück- lediglich im vorderen Teil 'fehlt' noch etwas. Das Horn dort ist sehr hart, und es wird absichtlich nicht entfernt, denn dieser Bereich braucht momentan Schutz. Braucht das Pferd dieses Horn nicht mehr, bröselt es weg und eine normale Sohle kommt zum Vorschein.

 

 



auch der rechte Huf wächst wieder fest verbunden nach.


Der Huf ist noch etwas rillig und noch nicht völlig gleichmäßig- das kommt alles noch.. Der Riss ist aber in beiden Hufen verschwunden....

Im letzten Monat wurde über eine Blutuntersuchung ein Selenmangel festgestellt, der nun über ein Zusatzfutter behoben wird. Eine Kontrolluntersuchung ist geplant. Zuvor bestehende Kotwasserprobleme sind nun vollständig verschwunden.

Ihr geht es weiterhin bestens, ihre Hufe wachsen problemlos nach, sie ist munter und gut gelaunt-


Carla (links) mit Caryl.


- außer man versucht, Fotos von ihr zu machen.

Ihre Hufe entwickeln sich gut:

Vorne rechts:


die Wände sind sowohl von der Seite als auch von vorne betrachtet wieder gerade, der Huf wächst gesund und problemlos nach.


in der Sohlenansicht ist sichtbar, dass der letzte Rest verbreiterte Blättchenschicht (etwa noch 2,5 cm) noch herauswachsen muss.

Vorne links:


Der andere Huf entwickelt sich analog. Dieser Huf ist 'verdreht' am Pferd angewachsen, was das erreichen eines perfekt balancierten Hufes etwas komplizierter als beim rechten macht. In diesem Fall musste ich ein leichtes weghebeln der Außenwand bekämpfen.


auch hier muss der letzte Rest breite Blättchenschicht noch herauswachsen. Die Sohle bereitet sich drauf vor, sich zu erneuern, auf dem Foto leider nicht gut erkennbar. Im Bereich der Strahlfurchen und neben dem äußeren Tragrand beginnt sich Verfallshorn zu bilden- ich hoffe, dass in den nächsten Woche eine vollständig normale Sohlenwölbung zum Vorschein kommt. Noch übernimmt eine kräftige Sohlenschwiele die Tragerolle anstatt der Zehenwand.

Obwohl die Hufe noch nicht wieder 'normal' zu nennen sind, so läuft sie jedoch völlig problemlos auch über ziemlich schottrige Untergründe (Asphalt mit Streusplitt, loser Schotter, Vorsieb) , in engen Wendungen sind keine Unreinheiten zu erkennen. Sie wird -vor allem mit Rücksicht auf ihren Ausbildungsstand und die lange Reitpause- leicht geritten.


Karla im Februar 2007 beim toben auf der Weide. Sie ist glücklich, wieder gut bemuskelt  und läuft problemlos auf jedem Boden. Auch zum Reiten sind Hufschuhe überflüssig geworden.

Seit Sommer 07 wird Carla regelmäßig 2-4x in der Woche im Gelände geritten.

Im Frühsommer 07 hatte sie zwei weitere Hufgeschwüre in den letzten Resten verbreiterter Blättchenschicht. Sie brachen unten auf, nicht am Kronrand. Seitdem läuft sie absolut problemlos.

Sie ist ein wunderbares Pferd, trotz ihrer geringen Erfahrung extrem zuverlässig aber dennoch alles andere als langweilig! Das tolle Temperament und die Umgänglichkeit dieser beiden Schwestern spricht sehr für die sorgfältige Zuchtauswahl!
Im Gelände läuft sie fröhlich und sicher über alle Untergründe, ihre Besitzerin hat große Freunde an ihr.

Ihre Hufe im November 07- (ca. 2 Wochen nach der Bearbeitung)


Vorne rechts- problemlos, gerade Wände, keine Ringe mehr.


Vorne rechts unten- sorry matschfreier war nicht möglich.... Die Blättchenschicht ist gesund und fest verbunden.


Etwas dunkel, aber die Zehenwand ist gerade. Ein Bearbeiten von außen ist nicht mehr nötig.


Vorne links, sorry schief fotographiert. Dieser Hufe neigt etwas zu Assymmetrie, an der Außenwand wurde noch etwas korrigiert.


Vorne links unten- auch mit gesunder Blättchenschicht.


Vorne links seite- Gerade Zehenwand. Noch letzte Überreste von Ringen im Hufhorn...


Die Sohlenwölbung ist normal, überall ist ausreichende Sohlendicke.


Die Hufe sind nach überstandener Rehe vollständig wiederhergestellt! Rehe ist keineswegs unheilbar!