Hufbeurteilung

Ich versuche alle Texte so zu schreiben, dass auch ein totaler 'Hufanfänger' sie verstehen kann. Wegen der Begriffe rund um den Huf bitte erst den Abschnitt Grundlagen lesen.

Vorab: Es hat mich kein langes Suchen gekostet, die Fotos hier finden. Es laufen leider die meisten Pferde mit sehr schlechten Hufformen rum, was früher oder später zu Problemen führt. Besitzer werden oft von Hufexperten mit 'das passt schon so', 'ist halt so' oder ähnlichem abgespeist.

Übrigens ist eine schlechte Hufform auch der bei weitem häufigste Grund, warum Pferde barhuf schlecht laufen. Oder das Argument, weil ein Pferd 'schiefe' Hufe hat muss es beschlagen werden (Unsinn, siehe dazu die anderen Artikel).

Ich versuche hier, so viele beispielhafte Hufe wie möglich vorzustellen. Wer Fotos hat, kann sie mir gerne schicken.
Nach Lektüre dieser Seite schauen Sie ihrem Pferd doch mal kritisch auf die Hufe!

Natürlich kann man Anhand von Fotos keinen Huf vollständig beurteilen, z.B. um zu entscheiden, wie man ihn bearbeiten würde, das geht nur vor Ort. Den hier verfolgten Zweck, häufige, typische Hufverformungen zu zeigen, erfüllen Fotos aber bestens.

Innere Werte- Die Bedeutung der Strukturen im Huf

Bei den verschiedenen Huffotos unten wird die äußere Form des Hufes beurteilt. Vorher möchte ich jedoch einen weiteren wichtigen Punkt erklären, nämlich die Hufbeurteilung von 'innen'. Die inneren Strukturen des Hufes haben eine immense Bedeutung für die Gesundheit des Pferdes, am unmittelbarsten darauf, ob ein Pferd problemlos Barhuf läuft.

Dieser Artikel fasst vor allem Forschungen von Dr. Bowker sowie die Berichte von Pete Ramey zusammen. In meiner Erfahrung mit Hufen konnte ich die Beobachtungen und Resultate bestätigen.
Ich würde heute behaupten, dass die angemessene Berücksichtigung der Strukturen im Huf der zentrale Punkt bei der Hufbearbeitung und Beurteilung ist, der entscheidet, ob ein Pferd 'gute' oder schlechte Hufe hat.

Ausgangspunkt der Forschungen von Dr. Bowker war, dass es offensichtlich Pferde mit 'guten Hufen' gibt, die bis ins hohe Alter problemlos laufen, andererseits Pferde, die schon in jungen Jahren Hufprobleme und Lahmheiten entwickeln (z.B. Hufrolle). Um zu ergründen, wo die Unterschiede liegen, wurden tote Hufe auf ihre inneren Strukturen, vor allem die Hufknorpel und Strahlkissen, untersucht. Es ergaben sich, um es vorwegzunehmen, ganz erstaunliche Unterschiede.

Aber zunächst etwas Anatomie. Das Strahlkissen liegt, wie hier zu sehen im Inneren des Hufes über dem Strahl. Es beginnt an der Strahlspitze und endet in der Fesselbeuge. Über dem Strahlkissen liegt die tiefe Beugesehne, die am Hufbein ansetzt, darüber liegt das Strahlbein.
Die Hufknorpel setzen seitlich an den Hufbeinästen an und enden ebenfalls in der Fesselbeuge. An ihrem Ansatz sind sie am dicksten, werden nach hinten zum Ballen hin langsam dünner. Beide Strukturen sind von außen zu fühlen.
Aufgrund ihres Aufbaus spielen beide Strukturen eine wichtige Rolle bei der Stoßdämpfung im Huf.


An den gezeigten Stellen kann man die hinteren Enden der Hufknorpel fühlen. Sie sind fest, aber dennoch elastisch. Die dicke der Hufknorpel kann man im Vergleich verschiedener Pferde gut abschätzen. Eine fortgeschrittene Hufknorpelverknöcherung kann man ebenfalls ertasten.


Und hier kann das Strahlkissen ertastet werden. Gut entwickelt, ist es fest-elastisch. Unterentwickelte Strahlkissen fühlen sich weich-labberig an.

Das Strahlkissen besteht aus einem Geflecht aus Kollagenfasern und elastischen Fasern. Fohlen/Jungpferde aller Rassen besitzen diesen Aufbau des Strahlkissens. Dr. Bowker erwähnt, dass Quarters und engl. Vollblüter (Rassen, denen ja eine Anfälligkeit für Hufprobleme nachgesagt wird) solche Hufe bis zum Alter von 4 oder 5 besitzen können.
Nun kann sich die Struktur des Strahlkissens aber ganz entscheidend ändern: Bekommt der Huf eine angemessene Stimulation durch Bewegung (bei einer gesunden Hufform) bilden sich Knorpelstränge im Strahlkissen. Dieses wird dadurch fester und dicker. Dieser Prozess beginnt an der Strahlspitze und setzt sich nach hinten fort.
Wichtige Schlussfolgerungen:

Es wurde nachgewiesen, dass Gruppe (1) die Pferde sind, die keine Hufprobleme entwickeln.
Die Gruppe (2) hingegen sind die Pferde, die chronische Hufprobleme wie Hufrollenentzündung entwickeln.
Die kräftigen inneren Strukturen entwickeln sich allerdings keinesfalls einfach mit dem Alter, sondern nur, wenn das Pferd eine ausreichende Stimulation des hinteren Hufbereiches bekommt. Je kräftiger die inneren Strukturen, desto besser funktioniert die Stoßdämpfung. Funktioniert die Stoßdämpfung aufgrund unterentwickelter Strukturen schlecht, wird mehr von dem Stoß des Bodens an die Knochen, Bänder und Sehnen weitergegeben. Der Grundstein, auf dem sich Lahmheiten entwickeln.

Weiter geht es mit der Frage, ob man die inneren Strukturen des Hufes 'trainieren' kann, so dass sich gesunde und belastbare Strukturen bilden (der beste Schutz gegen Lahmheiten mit Ursache im Huf)?

Die Antwort ist, ja, das geht. Und zwar sowohl beim jungen Pferd als auch beim älteren, bei dem sich noch keine kräftigen inneren Strukturen entwickelt haben.

Voraussetzungen für das 'Training' des Strahlkissens:

Dr. Bowker hat weiterhin den Zusammenhang der Hufrollenerkrankung mit dem vorgenannten untersucht. Seine Annahme ist, dass ein Großteil des Problems bei der tiefen Beugesehne und dem Strahlbeinband liegt.
Werden Strahlbeinband und tiefe Beugesehne aufgrund eines unterentwickelten Strahlkissens/Hufknorpels zu starken Belastungen ausgesetzt, wird das den Blutfluss in dieser Region kontrollierende System geschädigt. Als Folge(!!!) entstehen die bekannten Knochenveränderungen.

Neben dem Schutz vor hufbedingten Lahmheiten gibt es noch eine weitere wichtige Anwendung: 'Fühligkeit' des Pferdes.

Es gibt Pferde, deren Hufe in der Form ziemlich unauffällig sind, nicht irgendwie falsch ausgeschnitten, zu kurz oder ähnliches, und trotzdem zeigen sie eine deutliche Fühligkeit. Bei den ersten Steinen auf dem Weg fussen solche Pferde üblicherweise deutlich mit der Zehe zuerst auf. Des Rätsels Lösung liegt dann in unterentwickelten inneren Strukturen: Während die 'dünnen' Strukturen dem leichten Fohlen erlaubten, den Boden zwar zu fühlen, jedoch keine schmerzen bei steinigem Boden zu empfinden, sind die schmerzempfindlichen Bereiche im Huf des erwachsenen Pferdes nicht ausreichend geschützt- Fühligkeit ist die Folge! Die stärke der Strukturen ist in einem solchen Fall nicht für das Gewicht des Pferdes angemessen. Mehr dazu, was man in einem solchen Fall macht.

In der Praxis kann man in der Fesselbeuge die Stärke insbesondere des Strahlkissens gut fühlen (im Vergleich). Damit kann man z.B. abschätzen, wie schwierig sich eine Umstellung auf Barhuf gestalten wird.


Unterentwickelte Strahlkissen und Hufknorpel sind bei Pferden zu befürchten, die

 

 

1. Fall:

Diese Hufe gehören zu einem Kleinpferd- Wallach. Die ersten drei Bilder zeigen des linken, das letzte (nur zur Verdeutlichung der Verfärbung) den rechten Vorderhuf.

Beurteilung:

Das Pferd hat prinzipiell Hufe bester Qualität und Größe, wie geschaffen um ihn barhufig zu reiten. Leider lässt die Hufform arg zu wünschen übrig.

Als erstes fallen die starken Verfärbungen in den Hufen auf. Bei den Verfärbungen handelt es sich um Blutergüsse im Horn. Diese entstehen während des Wachstums in der Lederhaut, wenn dort unphysiologische Kräfte wirken. Leider sind solche Verfärbungen nur bei weißen Hufen zu sehen, denn sie sind immer ein deutliches (!) Zeichen, dass die Hufe keineswegs in Ordnung sind, es sei denn, sie sind lokal begrenzt z.B. aufgrund eines Kronrandtrittes entstanden.

Von der Seite betrachtet sieht man, dass die Trachten untergeschoben sind sowie dass die Zehenwand konkav verbogen verläuft. Zahlreiche Ringe im Horn zeigen das unphysiologische Wachstum an (das Horn staut sich quasi). Es handelt sich nicht um Futterringe, diese sind selten und verlaufen absolut parallel.

Auch bei der Sohlenansicht können die untergeschobenen Trachten erkannt werden. Die Trachtenendkanten schauen sich nämlich an, die Eckstreben verlaufen im Bogen.

Von vorne wird zum Schluss noch deutlich, dass auch die Seitenwände deutlich und unterschiedlich verbogen sind. Das ist dem Pferd unangenehm. Die innere Wand ist mehr verbogen, aber nicht länger. Der Huf ist außen (steilere Wand) mehr belastet, siehe Strahl der sich nach innen neigt.

Wer hier die seitliche Ungleichbelastung noch nicht so recht sieht, schaue sich mal diesen Huf an:

Fall2:

 

Leider habe ich kein Foto von vorne gemacht (siehe dazu weitere Bilder unten von anderen Pferden)

Am deutlichsten und sichersten ist die seitliche Belastung jedoch an der Sohle zu erkennen. Die Trennlinie in der Mitte des Strahls zeigt, dass der Huf zwei verschieden breite Hälften hat. Die äußere Hufhälfte (links im Bild) ist wesentlich schmaler, die Eckstrebe steiler, analog die andere Seite breit mit flacherer Eckstrebenwand.

Ansonsten sind die Hinterhufe ähnlich wie die Vorderhufe, ringe, Verfärbungen, untergeschobene Trachten.

Fall3:

Hier nun ein ganz deutliches Beispiel für einen schiefen Huf.
Dieser gehört einer Warmblutstute, die vor Aufnahme dieses Bildes jahrelang beschlagen war und es nun wieder ist. (leider..., den Hufen hat es nicht gut getan, ich kann bei Gelegenheit mal ein Bild machen).

 

Das zweite Bild zeigt die seitliche Ungleichbelastung überdeutlich. Die äußere Wand ist einiges niedriger als die Innere und stark verbogen. Dies sorgt bei jedem Schritt für eine Hebelwirkung, daher auch der Riss in der Zehenmitte. Solche Risse sind zwar für sich harmlos, doch sie sind Symptom eines schlechten Hufzustandes, der keineswegs harmlos ist. Auch von unten deutlich: (Obwohl das Bild leider nicht genau senkrecht getroffen ist): Innen schmale Hälfte mit steiler Eckstrebe, außen breite mit flacher Eckstrebe.

Weiterhin interessant: Die verbogene Wand ist niedriger als die gerade. Es gibt zwei verschiedene Beobachtungen von 'verbogenen' Wänden:

Einmal wie hier, die verbogene, niedrige Wand. Sie ist unter der Gewichtsbelastung kollabiert. Verbogene Wände können das Gewicht nicht richtig tragen und verbiegen immer mehr. Hier findet man keinen Tragrandüberstand über die lebende Sohle- höchstens an der Trachtenecke denn oft ist bei einer solchen Hufsituation die Trachten auf der entsprechenden Seite untergeschoben.

Und die lange- verbogene Wand, die auf der minderbelasteten Seite auftritt. Hier gibt es einen oft riesigen Tragrandüberstand. Solche Wände entstehen einfach aufgrund der nur eingeschränkten seitlichen Beweglichkeit des Gelenkes, irgendwann kann der Huf nur noch 'zur Seite' wachsen wenn höher nicht mehr geht.

 

 

Fall4:

Ein typisches Beispiel, wie eine Ungleichbelastung der Hufe die Nutzbarkeit des Pferdes einschränkt.  Das Pferd hat eine prinzipiell gute Grundform der Hufe, einen breiten, gut entwickelten Strahl, leider sind die Hufe schief geworden- aufgrund schlechter/zu seltener Hufbearbeitung.
Die innere Hufhälfte ist deutlich minderbelastet, es findet sich eine flachere Eckstrebe und eine weite Hufhälfte. Die Sohlenwölbung erstreckt sich hier bis zum Rand, es ist sogar ein Tragrandüberstand zu erkennen.
Ganz anders nicht minderbelastete Hufhälfte- hier sind Teile des Sohlenrandes flach, ein Zeichen dass der Huf hier zu kurz ist.
Auf solchen Hufen ist der Abrieb selbst bei leichtem Freizeitreiten ein deutliches Problem- aber nicht, weil man zuviel reiten würde oder man eben Eisen bräuchte, sondern weil das Pferd eigentlich nur eine Hufhälfte nutzt!.

Zur Verdeutlichung ein etwas technischer Vergleich: Autoreifen halten bei unserer km- Zahl im Jahr ungefähr 4 Winter/Sommer lang, bis man sie austauschen muss weil abgefahren. Vorletzten Winter wurden erst ein Jahr alte Reifen auf mein Auto montiert- noch fast kein Verschleiß war zu erkennen. Leider war die Spur verstellt, das Auto fuhr sich die Reifen schief ab. Im Frühjahr war die Außenseite der Reifen komplett platt ohne jedes Profil- die Reifen hinüber. Das selbe Prinzip greift beim Pferd mit ungleichbelasteten Hufen!

 

Fall5 :

Ein rechter Vorderhuf (gleiches Pferd wie Fall 4). Die Schiefe sollte inzwischen jeder erkennen.
Dieses Pferd höchstwahrscheinlich deutlich zu lange Trachten, denn der Strahl liegt deutlich über Bodenniveau. Die Antwort darauf gibt zuverlässig die lebende Sohle.

Fall 6:

Eine andere Art von Schiefe sind sog. Diagonalhufe.

Dies ist ein Vorderhuf meines Pferdes. Im Dez 02. Inzwischen ist der Huf übrigens symmetrisch.

Was unterscheidet nun einen Diagonalhuf von einem schiefen Huf?

Auch hier erkennt man eine breite (rechts im Bild) und eine flache (links) Hufhälfte. Gleichzeitig findet sich an der Zehe Richtung Außenseite verschoben eine Zehenrichtung, der Tragrand hat sich stark weggelaufen. Diese Zehenrichtung findet sich nun nicht auf der mehr belasteten, sondern auf der minder belasteten Seite.
Zur Verdeutlichung noch mal beim gleichen Huf Regionen hoher (rot) und niedriger (blau) Belastung.

Fall 6:

Diese Hufe gehören zu einem schweren Warmblut. (Vorderhuf)

Von außen

vorne

innen

Es handelt sich hier um beschlagene Hufe in einem bemitleidenswerten Zustand. Es ist ein typisches Beispiel, was Eisenbeschlag auf die Dauer anrichten kann.

Der Huf leidet an vielen Problemen.

Zunächst hat auch dieser Huf untergeschobene Trachten, dazu passend ist die Zehenwand konkav verbogen. Das untere Ende der Zehenwand wurde einfach gerade abgeraspelt (Bullnase), gut von vorne zu sehen, man sieht schon die Blättchenschicht (hell) in den schwarzen Hufen, da der gesamte Tragrand im Zehenbereich entfernt wurde. Zusätzlich ist vor allem die äußere Wand recht stark verbogen (recht im Bild), siehe dazu auch die extremen Ringe außen, dort staut sich praktisch das Horn auf. Die zahlreichen unregelmäßigen Ringe und Ausbrüche gehen auf das Konto der schlechten Hufform. Der Kronrand verläuft nicht mehr gerade, sondern stark verbogen.
Diese Hufe behindern das Pferd schon ganz direkt. Da es durch die Hufe und den schlechten Beschlag behindert nicht mehr richtig abhufen kann, tritt es sich ständig in die Ballen, streicht, tritt sich die Eisen ab, die wahrscheinlich deshalb so extrem kurz gewählt wurden, was sie Hufform aber weiter verschlechtern wird.

Fall 7:

Noch mal ein Beispiel für ganz typische eisenbeschlagene Hufe in schlechtem Zustand. Rillen oder Ausbrüche fehlen hier, daher würden wahrscheinlich viele diese Hufe für völlig unproblematisch halten. In Wahrheit sind solche Hufe eine Zeitbombe, die früher oder später zu Problemen führt. Solche oder ähnliche Hufe sind extrem oft zu finden.

Es handelt sich um einen Hinterhuf (rechts) eines Warmblutes. Die Hufe sind natürlicherweise recht steilwandig und eng, mit stark ausgeprägter Sohlenwölbung.

Ganz deutlich zu sehen ist, dass der Huf insgesamt sehr lang ist und schon recht stark untergeschobene Trachten hat, auch hier verläuft der Kronsaum nicht mehr gerade. Die Hufe sind im Trachtenbereich überlastet, woraufhin sich die Trachten untergeschoben haben und den Huf hinten immer enger werden ließen. Deutlich zu sehen ist die extreme enge von unten, die Eisen bedecken bereits die Strahlfurchen, wobei das Problem verschlimmert wird.

Mit diesem Beschlag (oder überhaupt mit Eisen) wird sich ein solches Problem verschlimmern, die Hufe sich immer mehr zu Trachtenzwanghufen mit untergeschobenen Trachten entwickeln.

Fall8:

Gleiches Pferd wie 7, hier ein rechter Vorderhuf, ebenfalls sehr typisch!

Auch hier, untergeschobene Trachten (man achte auch auf den dunklen Steifen im Huf!). Interessant ist hier zusätzlich eine seitliche Ungleichbelastung. Von unten ist gut zu sehen, dass die Innenseite der Hufe wesentlich breiter ist als die Außenseite, die äußere Strahlfurche wird auch hier vom Eisen bedeckt!

 

Fall 9

oder was passiert, wenn die Eckstreben falsch bearbeitet werden...

Dies ist der Hinterhuf einer Kleinpferd- Stute. Deutlich zu sehen sind die extrem ausgeprägten Eckstreben, die sich über die Sohle legen. Solche massiven Eckstreben drücken die Trachtenwand nach außen und verbiegen sie. Die Trachtenwände im hinteren Bereich verlaufen also gebogen. Deutlich sieht man hier, dass bei diesen Hufen die weiteste Stelle fast an den Trachten liegt und der Huf in guter Näherung 'herzförmig' aussieht.
Daher müssen die Eckstreben unbedingt bearbeitet werden. Völliges wegschneiden ist natürlich auch nicht korrekt (dann fehlt den Hufknorpeln der Halt). Richtig ist es, wenn die Eckstreben ca. 1 mm über Sohlenniveau stehen. Mittragen oder über der Sohle liegen, wie hier, dürfen sie keinesfalls!

Fall 10: Risse!

Dies ist der rechte Vorderhuf der Connemara- Stute (9 Jahre) meiner Freundin. Es ist zweimal das gleiche Foto, im zweiten habe ich zur Verdeutlichungen etwas markiert.

Das Foto zeigt den Huf im Okt04, 'leider' nach der ersten Bearbeitung durch mich. (unbearbeitet wäre einiges noch deutlicher zu erkennen gewesen!).

Das augenfällige Problem dieses Hufes ist der mittige Riss, der bei diesem Pferd seit Fohlenalter mal stärker, mal weniger stark vorhanden ist.  Die Stute geht ihr Leben lang barhuf, wurde von einigen Schmieden, Hufpflegern und in letzter Zeit von meiner Freundin bearbeitet..
 

Dieser Huf ist ein gutes Beispiel, um zu erklären, wie und warum es zu Rissen kommt.
Zunächst fällt auf, dass der Kronrand nicht als gleichmäßige Linie verläuft, rechts und links der Zehenmitte ist der Kronrand hochgeschoben. Zahlreiche kleine Rillen im Hufhorn zeigen den gleichen Verlauf (leider nicht mehr so gut zu sehen, weil der Huf ja gerade beraspelt wurde...). Die weniger belastete Außenwand ist etwas flacher und verbogen, die Innenwand war auch verbogen, konnte aber schon gestreckt werden.  In den Bereichen des hochgeschobenen Kronrandes hatten sich starke sog. Zehenabweiser ausgebildet, starke Ansammlungen von Wandhorn, das sich nicht ausreichend abläuft, schließlich Falten wirft und sich verbiegt. Durch solche Zehenabweiser wird die normale Hufmechanik gestört, anstatt einer gleichmäßigen Kraftverteilung wird ziehen die beiden Zehenabweiser das Horn, das zwischen ihnen liegt, bei jedem Schritt auseinander. So entstehen die als grüne Pfeile eingezeichneten Kräfte, die den Riss verursachen.

So sieht der Huf nun im März 05 aus. Mit dem Pfeil ist der Punkt markiert, der im Oktober04 am Kronrand war. Auf dieser Höhe sieht man auch noch deutlich eine Rille. Der Huf ist zwar noch korrekturbedürftig, der Riss wächst jedoch raus. Ca. 1 cm über dem 'Startpunkt' befinden sich noch kleine Haarrisse, die aufgrund noch nicht vollständig ausgeräumter Spannung entstanden sind.  Schön zu sehen ist auch der Verlauf des Kronrandes, dieser sieht schon viel harmonischer aus. An der Stelle des alten Risses wächst jetzt eine sehr kleine Kerbe runter, dabei handelt es sich um eine kleine Narbe, das Horn ist jedoch geschlossen und stellt keine Beeinträchtigung für das Pferd dar.
Leider ist der Riss jetzt (August 05) noch nicht rausgewachsen, und zwar weil es zu einer ärgerlichen Panne kam. Die Hufe wurden im Frühsommer nicht konsequent genug bearbeitet, so dass sich lange, verbogene Trachten bilden konnten. Im Juli riss der Huf wieder bis zum Kronrand ein *grummel*. Die Besitzerin achtet jetzt sehr genau auf die Hufbearbeitung, die hebelnden Wände werden wöchentlich angegangen. Der Riss ist momentan ca. 2 cm unter dem Kronrand, startet also einen neuen Versuch, rauszuwachsen.

Der Riss wächst weiter raus, nachdem er einige Zeit wieder stagniert war. Stand Dez 05: ca. 4 cm unter dem Kronrand, Riss extrem fein. Nur zu sehen, wenn die Hufe völlig sauber sind.
Inzwischen ist der Riss völlig verschwunden. (Mai 06). Die Stute ist leider an Hufrehe erkrankt (Fütterung), ihre Hufe finden sich beim Artikel über Hufrehe.


Der selbe Huf im November 07- die Rehe ist überstanden, und der Riss längst verschwunden.

Fall 12: Weghebelnde Zehe -Hufrehe

Diese Hufe gehören einem Shetty-Mix Wallach.  Diese Hufe sind deutlich dramatischer verformt als die anderen auf dieser Seite.

Der Wallach war beschlagen, die gesamte Verformung hat sich innerhalb ca. 3 Monaten mit Eisen entwickelt.  Allerdings lagen keinerlei Rehesymptome vor, das Pony lief und läuft über jeden Untergrund. Trotzdem: Die Folgen sind die gleichen wie die eines 'dramatischen' Hufreheschubes.

Am Huf selbst fällt auf, dass Seiten- und Zehenwände extrem verbogen sind. Die Blättchenschicht ist bis auf den letzten cm an den Trachten stark verbreitert und mit Fäulnis besetzt. Sie bietet der Hufwand keine feste Verbindung mehr zum Hufbein. Im oberen Bereich direkt unter dem Kronrand wächst der Huf einiges steiler nach. Solche Hufe klingen 'hohl' wenn man auf die Hufwand klopft.

Zu Verdeutlichung habe ich hier noch einmal eingezeichnet, wie der Huf 'eigentlich' aussehen würde:

Fall 13: 'Spaltbehandlung'

Diese beiden Bilder zeigen die Hufe eines Warmbluts (Januar 2005). Die Spaltbehandlung wurde durch einen Tierarzt vorgenommen.


hinten links- Januar 05


hinten links- im Mai 05


vorne links- Jan 05


vorne links- Mai05

Bei diesen Hufen handelt es sich um typische Behandlungen, wie sie von Tierärzten, Schmieden und auch in Kliniken vorgenommen werden.

Das Symptom, der Riss, wird beim mit Rohrschnellen zusammen gehalten, anstatt auch nur einen Versuch zu unternehmen, die Ursache abzustellen!

Diese Art der 'Behandlung' ist unsinnig und bringt in den allermeisten Fällen keinen Erfolg. Näheres siehe bei 'Gründe für Beschlag'.

Nun noch etwas näheres zu diesen Hufen:

Beide Hufe zeigen Spalten, die sich im Übergang von Seiten- zu Trachtenwand befinden. Verursacht werden sie durch die untergeschobenen Trachten, die in genau diesem Bereich eine Spannung erzeugen, wenn der Huf aufhuft.

Seit Anfang Februar 05 läuft das Pferd barhuf und seine Hufe werden konsequent korrigiert. Die Erfolge der Behandlung am Barhuf sind deutlich sichtbar- die Risse wachsen raus.

 

Fall 14: Chronische Hufrehe

Diese Hufe gehörten einem Pony Mix. Der Wallach musste leider wenige Wochen nach Aufnahme dieser Bilder eingeschläfert werden, da er unter extremen Schmerzen litt und keinen Lebenswillen mehr zeigte.

Das Pony ist ca. 25- 30 Jahre alt geworden und litt ca. 10 Jahre unter chronischer Hufrehe, meist mit jährlichen Reheschüben. Behandelt wurde er von einem Hufschmied, Röntgenbilder (die stelle ich bei Gelegenheit hier ein, sie zeigen nämlich eine völlig normale Anordnung der Zehenknochen) wurden erst kurz nach Aufnahme dieser Hufbilder angefertigt. Das Pony trug über Jahre verschiedene Beschläge, lief hin und wieder mal Barhuf. 1x (vor Aufnahme dieser Bilder) wurde er von einer Huforthopädin bearbeitet. (Ich wurde diese Hufe anders bearbeiten)

Diese Hufe sind völlig verformt, und gewissermaßen die Fortsetzung von Fall 12. Der Huf ist gewissermaßen unter dem Gewicht nach vorne davongewachsen, die Hornwand hat kaum von Verbindung zu Hufbein, die Blättchenschicht ist extrem verbreitert. Bei jedem Schritt hebeln die Zehen- und Seitenwände von Hufbein weg, und stellen so ständig die Gefahr für eine neuerliche, möglicherweise rein mechanisch ausgelöste Rehe dar.

Diese Hufe sind in gewissem Maße nicht ganz typisch für chronische Hufrehe, denn meist leiden diese Hufe an extrem hohen Trachten. Siehe z.B. hier:

http://www.barefoothorse.com/barefoot_Toni_Founder.html

Allen Rehehufen ist gemein, dass sich die Zehenwand (evtl. auch die Seitenwände) von Hufbein entfernt haben. Eine Flexion (Knick) im Bereich Kronbein- Hufbein ist kein(!) Zeichen einer Rehe, sondern tritt auch beim Sehenstelzfuss (Bockhuf) auf.

Hier zu Verdeutlichung einige Bilder:


normaler Huf (flache Fesselung)

Dieses Bild zeigt die Zehenknochen (Hufbein, Kronbein, Fesselbein) eines Pferdes in normaler Anordnung, drumherum ist schematisch die Kontur des Hufes gezeichnet.  Die Zehenwand verläuft parallel zum Hufbeinrücken.


Chronische Rehe mit flachen Trachten

Hier schematisch die Situation, wie sie in den Hufen von Fall 14 vorliegt. Die Anordnung der Zehenknochen ist nach wie vor normal, nur die Zehenwand hat sich vom Hufbein entfernt. Ein ähnliches Röntgenbild würde übrigens auch Fall 12 zeigen.

Die 'Schere' zwischen Hufbein und Zehenwand wird als 'Hufbeinrotation' beschrieben. Eigentlich ist jedoch nicht das Hufbein rotiert, sondern die Zehenwand 'abgehauen.


Sehnenstelzfuss /Bockhuf

Hier nun die schematische Darstellung eines Sehnenstelzfusses. Deutlich sieht man den 'Knick' zwischen Kronbein und Hufbein. Der Huf ist ebenso steil wie das Hufbein, Zehenwand parallel zum Hufbein. Hier ist in der Regel die Sehnen verkürzt, entstanden durch falsche/vernachlässigte Hufpflege als Fohlen.


Rehehuf mit hohen Trachten

Dies ist im eigentlichen der typische Hufzustand für chronische Hufrehe. Es besteht eine Flexion (Knick) im Krongelenk, die kann schon vor der Rehe bestanden haben oder aber durch die hohen Trachten verursacht sein. Auch hier ist das entscheidende Merkmal die Zehenwand, die sich vom Hufbeinrücken entfernt hat.
Wie man auf der Seite von barefoothorse.com oder auch hier sehen kann, werden solche Hufe bei der Korrektur wieder flacher. (wenn die Sehnen nicht verkürzt waren)

 

Fall 15: Keilbeschlag und extremer Trachtenzwang

Diese Hufe gehören einem Quarter- Horse- Wallach. Die Hufe zeigen eine extreme Verformung, das Pferd lahmt teilweise deutlich, teilweise weniger deutlich. Der ganze Bewegungsablauf ist nicht mehr flüssig, besonders Wendungen auf der Stelle werden nur sehr schlecht ausgeführt.


Vorne Links Seite (Eisen locker, obwohl nach Aussage der RB erst wenige Wochen alt)


Vorne Links unten


Vorne Links Seite


Vorne rechts unten


vorne rechts vorne


Vorne Rechts Seite

Linker Vorderhuf:

Der gesamte Vorderhuf ist völlig deformiert und hat sich sehr weit von einer normalen Hufform entfernt.
Ganz besonders auffällig ist der extrem ausgeprägte Trachtenzwang, man achte auf die Form der Ballen, der Kronrand knickt Richtung Trachten regelrecht ab und verläuft dann fast senkrecht zum Boden.
Von vorne erkennt man, dass vor allem die Seitenwände extrem verbogen sind, sie hebeln nach vorne und ziehen den Huf immer enger. Am Beginn der Trachtenwand knicken die Trachten nach innen, nahezu wie ein gefaltetes Blatt Papier. An dieser Stelle entstehen früher oder später massive Risse.
 Die Zehe wurde bereits extrem beraspelt (Bullnase), die Seitenwände sind jedoch weiterhin verbogen.
Die Trachtenerhöhung am Beschlag verschärft das Problem noch weiter, da sich die Last auf die Trachten erhöht, diese werden immer weiter unterschieben.
Die zahlreichen Ringe verdeutlichen nocheinmal, in welcher schlechten Situation sich dieser Huf befindet.

Der Rechte Vorderhuf zeigt im wesentlichen die gleichen Probleme. Alles in allem ist es überhaupt kein Wunder, dass das Pferd mit diesen Hufen nicht mehr laufen möchte. Der Beschlag wird, falls er nicht abgenommen wird, die Situation weiter verschlimmern. Diesem Pferd wurden zur schlechte Hufbearbeitung die Hufe regelrecht ruiniert, ein Weg zurück zum gesunden Pferd ist möglich, aber natürlich langwierig, da der Huf sich völlig umformen muss.

Fall 16: Der Birnenhuf

Auf den Bildern ist ein rechter Vorderhuf zu sehen, ebenfalls ein häufig zu findendes Hufproblem, hier ein besonders deutliches Beispiel.

Vor allem in der Ansicht von unten wird das Problem deutlich. Eingezeichnet habe ich als Hilfslinien das Strahlende, die weiteste Stelle und den (angestrebten) Abrollpunkt (siehe unten).

Der Huf ist nicht rund bis leicht oval, sondern birnenförmig mit sehr engem Trachtenbereich. Die weiteste Stelle liegt viel weiter vorne als bei einer normalen Hufform. Wie auch hier liegen die Seitenwände von hinten betrachtet oft innerhalb der Vertikalen.

Schaut man sich den Huf genauer an, sieht man, dass die Wände zwar weitgehend gerade sind, jedoch die Trachten ziemlich lang und eingerollt. Von unten bestätigt sich diese Einschätzung. Wir finden einen deutlichen Tragrandüberstand über der lebenden Sohle an den Trachten. Die eingerollten Trachten haben die Seitenwände weggehebelt, so dass Gammel/Dreck in den Tragrand eindringen konnte.

Insgesamt kann man sagen, dass der Huf 'zu weit nach vorne' gewachsen ist.

Wie kommt man vom Birnenhuf zu einer normalen Hufform?

Man kürzt den Tragrandüberstand an den Trachten (natürlich nur bis zur lebenden Sohle), auch wenn sich das zunächst paradox anhören wird. Warum? Lange, eingerollte Trachten haben eine massive Hebelwirkung nach vorne. Je länger man sie lässt, desto mehr hebeln sie den Huf nach vorne und machen ihn hinten enger. Untergeschobene Trachten sind überhaupt nicht tragfähig. 'Trachten schonen' ist daher unsinnig und verschlimmert das Hufproblem.
Nur die zu weit nach vorne gewachsene Zehe korrigieren bringt alleine nicht den gewünschten Erfolg. Durch die Entlastung werden die Trachten oft noch länger und daher noch deutlicher untergeschoben.

Werden die Trachten gekürzt, wird die Hebelwirkung sofort reduziert. Die Trachten stehen weiter auseinander.  Die Stützfläche des Hufes wird weiter nach hinten verlagert. Oft ist nur 2 mm oder ähnliches Tragrandüberstand vorhanden. (senkrecht über der Sohle...) Aber dadurch verlagert man die Auflagefläche des Hufes um cm nach hinten oder kürzt die Länge (entlang der Hornröhrchen gesehen) der einzelnen Trachtenhornröhrchen (und damit die Hebelwirkung) um cm. Wichtig ist es, die Trachten wirklich konsequent auf Niveau der lebenden Sohle zu kürzen und nicht die letzten ca. 0,5 cm zu vergessen...

Ist dies geschehen, wird die Zehenwand im unteren Bereich etwas beraspelt (sehr deutlich, falls sie verbogen sein sollte). Anschließend die Zehenwand gut berunden. Oft zeigen solche Hufe, nachdem das erste Mal ein ausschneiden in die richtige Richtung erfolgte, sofort einen (meist deutlich) steileren Wachstumswinkel der Zehe. Falls das der Fall ist, die alte Zehenwand soweit es möglich ist dem neuen Winkel anpassen.

'Trick17' für solche Hufe: Das anbringen einer Zehenrichtung, die das abrollen trotz der Birnenform erleichtert, hier ergeben sich oft dramatische Verbesserungen der Hufform in kurzer Zeit. Das Pferd läuft in der Regel sofort viel besser, evtl. vorhandene Zehenfussung verschwindet meist schnell. Siehe Abrollpunkt

Hufbeurteilung in der Bewegung?

Die Hufbeurteilung in der Bewegung wird meist überbewertet. Einige Hufexperten behaupten, dass eine Hufbeurteilung nur in der Bewegung möglich sei und richten ihre Bearbeitung nach dem beobachteten Fussungsverhalten (meist Gdhk/Schmiede). Dies ist in meinen Augen so nicht richtig.

Trotzdem sollte man sich das Pferd in der Bewegung anschauen, man kann z.B. erkennen, ob es lahm geht, fühlig oder z.B. offensichtlich stark verspannt, schief, drehen der Hufe oder ähnliches. Zum Beispiel kann eine Blockade im Rücken und damit einhergehende Verspannung/Schonhaltung auch die Hufe und ihre Form beeinflussen. Ein zu enger Sattel (hat das Pferd Dellen hinter der Schulter?) kann die Schulter in der Bewegung hindern und das Pferd so zu ungleicher Hufabnutzung führen. Solche Probleme sollten dann abgeklärt werden, mit Tierarzt, Osteopath, Sattler.

Wie genau das Pferd fußt, d.h. mit welcher Hufseite es zuerst den Boden berührt, ist nicht wirklich relevant. Warum? Wie in dem Kapitel Hufbearbeitung beschrieben, ist die Hufform von Abrieb abhängig. Der Abrieb ist natürlich davon abhängig, wie das Pferd seine Hufe benutzt. Alle Informationen über den Gebrauch des Hufes über einen längeren Zeitraum sind also in der Hufform sozusagen gespeichert und können mit oben beschriebenen Methoden gelesen werden.

Eine solche Beurteilung ist natürlich nur am stehenden Pferd machbar und viel genauer und sinnvoller als eine Momentaufnahme der Bewegung. Die Gründe für die Unzulänglichkeit der Hufbeurteilung in der Bewegung sind unter anderem fehlende Messmöglichkeiten (Beobachtung mit dem Auge, Irrtum wahrscheinlich, Blickwinkelabhängigkeit, Bewegung zu schnell) sowie die Beobachtung nur auf einem Untergrund, nur geradeaus, was eine erhebliche Einschränkung bedeutet. Darüber hinaus gibt es nicht unbedingt eine Korrelation zwischen Hufbelastung und Auffussverhalten. Die Theorien hierzu von Seiten der Schmiede sind auch durchaus widersprüchlich. Die meiner Erfahrung nach üblichste Version ist, dass die zuerst auffussende Hufhälfte gekürzt wird. Selbst wenn man wirklich zweifelsfrei beobachten könnte, dass diese Hufhälfte zuerst auffusst, heißt das noch lange nicht, dass die zuerst auffussende Hufhälfte auch wirklich die stärker belastete ist. Es kann auch genau umgekehrt sein.

Aus diesem Grund ist an die erste Stelle das genaue Betrachten der Hufform, spezieller Abnutzungserscheinungen etc zu setzen, da hieraus am besten zu zuverlässigsten die Bearbeitung abgeleitet werden kann.

Diese Aussagen (vor einiger Zeit geschrieben) halte ich nach wie vor für richtig, allerdings habe ich darüber hinaus Dinge über die Fussung des Pferdes gelernt, die meines Erachtens sehr wichtig sind.

Es geht darum, dass der Huf und seine Mechanik dann optimal funktioniert, wenn die Trachten den Hufes (auf ebenem Boden) leicht zuerst landen. Dies lässt sich am besten erklären, wenn man betrachtet, dass im Bereich der Trachten der Huf innerlich voll auf Stoßdämpfung ausgelegt ist (Strahlkissen, Hufknorpel, größte Aufweitung des Hufes im Trachtenbereich). Außerdem zeigt ein Pferd, das mit der Zehe zuerst landet, immer ein Gangbild, das 'gekürzt' oder 'schwunglos' wirkt. Dies scheint sogar bei Tierärzten ziemlich Konsens zu sein.
Übereinstimmend als 'schlecht' gekennzeichnete Hufformen wie z.B. weghebelnde Zehen und untergeschobene Trachten zeigen meiner Erfahrung nach fast immer eine Zehenfussung.

Eine Trachtenfussung scheint also mit der Ausbildung einer korrekten Hufform und korrekt entwickelten inneren Strukturen  eng zusammenzuhängen. Wenn ein Pferd nicht mit der Trachte aufhufen möchte, zeigt es in der Regel Schmerzen im hinteren Bereich des Hufes, besonders natürlich auf hartem/schottrigem Boden, schauen sie mal genau hin!
Wie erreicht man nun eine Trachtenfussung?

Die Trachtenfussung sollte beim gesunden Barhufpferd auf allen Böden zu sehen sein. Problemfälle, die z.B. Barhuf noch eine Zehenfussung (+Fühligkeit) auf Schotter zeigen, dürfen dort vorerst nur mit Hufschuhen geritten werden (damit ist die Trachtenfussung meist null Problem, falls doch kann man unter den Strahl Neopren oder ähnliches einkleben/nieten, die dann durchgeführte korrekte Bewegung hilft umso schneller, die Hufknorpel und Strahlkissen korrekt auszubilden).

Passt der Huf zum Fesselstand?

Ein zentraler Punkt traditioneller Hufbearbeitung ist der passen des Hufes zum Fesselstand, seitlich, aber auch von vorne und hinten (Die Basis des Hufes steht im rechten Winkel zur Längsachse des Mittelfussknochens).

Ich halte diese und ähnliche Kriterien für bestenfalls überflüssig. Sie stimmen nur beim 'idealen' geraden Lehrbuchpferd. In der Praxis findet man häufig Pferde, die in irgendeiner Weise schiefe Hufe oder Beine haben. Aus solchen und ähnlichen Kriterien, siehe auch unten kann man keine sinnvolle Hufbearbeitung ableiten. Ein korrektes Kriterium funktioniert immer, auch und gerade bei 'seltsamen' Beinstellungen. Meiner Meinung nach ist dass das lesen aus der Belastungssituation des Hufes selbst. Manchmal erhält man nach längerer Zeit der korrekten Bearbeitung eine 'zufällige' Übereinstimmung mit diesen traditionellen Kriterien, auch wenn die Bearbeitung nie darauf ausgerichtet war. Es gibt aber auch Pferde, wo ein solches Kriterium nicht mehr zu erfüllen ist. (Auch dies würde einem die Hufsituation selbst verraten).
Zusätzlich ist der Fesselstand schwer zu beurteilen, nicht selten ändert sich der Fesselwinkel völlig nach einer Hufbearbeitung, die sich aus dem lesen der Belastungssituation des Hufes ergibt, während eine 'naive' Einschätzung nach Fesselstand am unbearbeiteten Huf das völlige Gegenteil in der Bearbeitung verlangt hätte.
Probleme wie die Abhängigkeit davon, ob das Pferd völlig gleichmäßig auf allen Hufen steht, noch einmal völlig außen vor gelassen...
Alles in allen: Kann man getrost ignorieren!
Kriterien wie das obige verleiten viele Hufbearbeiter zum willkürlichen 'gerade-schneiden' der Hufe, in der Regel sehr zum Schaden der Hufe und Beine. Willkürlich gerade geschnittene Hufe an einem schiefen Bein sind genauso schädlich wie willkürlich schief geschnittene Hufe an einem ideal geraden Bein!