Zuerst einmal stellt sich die Frage, warum Hufbearbeitung überhaupt nötig ist. Einem Wildpferd geht ja auch keiner an die Hufe. Allerdings haben unsere Hauspferde keine natürlicher Lebensbedingungen mehr, vor allem hat niemand soviel Platz wie in der Steppe. Bei einem ungerittenen Pferd ist daher der Abrieb zu gering. Ja, zu gering, ganz im Gegensatz zu der landläufigen Meinung, dass der Mensch den Huf vor zuviel Abrieb schützen muss...
Ziel unserer Hufbearbeitung muss ein optimal leistungsfähiger, gesunder Barhuf sein. Es geht nicht um das Erreichen eines abstrakten Zieles einer optimalen Hufform, sondern um die Schaffung der Voraussetzungen für ein Pferdeleben auf gesunden Hufen. Leider wird heute üblicherweise als Beurteilungsgrundlage ein problemloses laufen auf beschlagenen Hufen herangezogen. Dies setzt jedoch die Latte für gesunde Hufe viel zu niedrig! Auf diese Weise kann man sogar chronische Rehehufe mit einem halben Kilo Eisen und Polster 'verziert' für 'gesund' halten, weil das Pferd damit zumindest eine Zeit lang problemlos läuft. Leider wird unter der Grundannahme 'Eisen=normal' viel Forschung betrieben. Diesen Ergebnissen bringe ich zumindest gesunde Skepsis entgegen, da viele Ergebnisse wahrscheinlich mit gesunden, normalen Barhufen ganz anders ausgesehen hätten.
Die Qualität der Hufbearbeitung misst sich nicht an abstrakten Idealen, sondern an der Erreichung einer maximalen Barhuf- Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Gesundheit. Jede 'Huftheorie' steht also gerade beim Pferd, das Barhuf (viel) geritten werden soll, auf ihrem Prüfstand. Ein Barhuf reagiert sehr 'empfindlich' und in der Regel schnell bis sofort auf eine falsche Bearbeitung (das Pferd läuft schlecht/fühlig!). Diese Ehrlichkeit des Barhufes ist eine der großen Chancen und gleichzeitig eine Herausforderung für den Hufbearbeiter, da ihm jeder Fehler gnadenlos vor Augen geführt wird. Im Gegensatz dazu kann man gerade mit Eisenbeschlag die Hufe jahrelang scheinbar ohne Folgen 'verunstalten'. Hier zeigen sich die Folgen später, aber umso massiver, da hier in der Regel eine schwere, über Jahre vorbereitete Schädigung nun zur Lahmheit führt.

Mit Hufeisen über Jahre 'verunstalteter' Huf. Bei diesem Grad der
Hufschädigung lahmt das Pferd nun. In solchen Fällen wurden jahrelang
Warnsignale übersehen.

Dieser Huf eines anderen Pferdes befindet sich 'auf dem Weg' zur obigen
Situation. (Das Pferd läuft noch völlig problemlos, irgendwann rächen
sich solche Hufe aber in der Regel).
Am Kronrand wächst das Horn gleichmäßig von Zehe bis Trachte. (Wer es nachprüfen will, kleine Markierungen mit der Raspel an der Hufwand anbringen und beobachten...). Beim idealen Huf ist der Abrieb an jedem Bereich des Hufes gleich und entspricht dem Wachstum.
In besonderen Fällen, insbesondere bei Hufrehe sieht es manchmal so aus, als würde die Zehe nicht wachsen. In Wahrheit wird an der Zehe genausoviel Hornröhrchenlänge gebildet wie im Rest des Hufes, nur wachsen die Hornröhrchen mangelns Verbindung zu Hufbein nicht gerade, sie winden sich geradezu entlang der Hornwand.
Ungesund ist jedes Ungleichgewicht im Abrieb. Dort sind verschiedene ‚Typen’ zu betrachten:
Die meisten Personen, die mit Pferden umgehen haben gelernt, dass
Hufe sich sehr schnell zuviel abnutzen können, sei es im Paddock oder
beim Reiten im Gelände, erst recht bei höheren Anforderungen.
Alle jene werden sehr überrascht sein, dass unsere Hauspferde in der
Regel zu wenig Abrieb haben und dass die Hufe regelmäßig bearbeitet
werden müssen, um den fehlenden Abrieb auszugleichen.
Hufe 'leben' von Abrieb und versuchen sich ständig den
Anforderungen der Umgebung anzupassen (Boden, täglich zurückgelegte
km...). Der natürliche Hufabrieb ist notwendig, um den Huf auf seiner
natürlichen Länge zu halten und neues, kräftiges Hornwachstum zu
stimulieren.
Findet kein oder kaum Abrieb statt, passt der Huf sich diesen
Bedingungen an- so wird z.B. schwächeres Horn gebildet und der Huf
wächst langsamer. Das Huf bekommt praktisch die Rückmeldung dass durch
den 'Hufschutz' gar kein leistungsfähiges Horn gebraucht wird, also wird
es auch nicht gebildet!
Gammel in der Blättchenschicht von zu langen Hufen ist nichts weiter als
ein sinnvoller Mechanismus, die zu langen Wandanteile wegbrechen zu
lassen.
Ein Huf, der keinen Abrieb erfährt wird kontinuierlich schwächer und in
der Regel deformiert. Dies ist wahrscheinlich "der" Nachteil jeden
Beschlages.
Fakt ist, dass die meisten Pferde barhuf zuwenig Abrieb haben, weil ihr Leben im Vergleich zum 'Wildpferd' einfach zu leicht ist. Am besten für den Huf ist 'echter' Abrieb (viel Bewegung in Offenstall und Weide, Reiten/Fahren) der fehlende Abrieb muss durch die Hufbearbeitung simuliert werden. Durch regelmäßige Bearbeitung trickst man den Huf quasi aus und simuliert eine viel 'härtere' Umgebung.
Werden die Hufe zu lang gelassen (in der Regel aufgrund falscher Vorstellungen seitens des Menschen) werden sie schwach, brechen aus... Das übliche Argument 'für Hufschutz' verkehrt sich ins glatte Gegenteil.
Zuviel Abrieb erreicht man sehr schnell, wenn die Hufe schief belastet
werden- siehe ein Beispiel in der
Hufbeurteilung. Kein Grund für Beschlag, sondern für gute
Hufbearbeitung am Barhuf.
Ansonsten habe ich wirklich zu starken Abrieb auf einem mehrtägigen
Wanderritt miterlebt, als pro Tag ca. 50km auf 'Bahngleisschotter'
geritten wurden- ich hatte diesen Ritt 1 Tag mit Hufschuhen begleitet.
Sowas sehe ich als extreme Bedingungen an (wo Hufschuhe angemessen
gewesen wären).
Die meisten Fälle von zuviel Abrieb sind allerdings schlicht
fehlinterpretiert, wenn ein zu langer Huf in großen Stücken wegbricht.
Es empfiehlt sich, eine Teststrecke zu haben,
ideal ist Vorsieb/Feinschotter. Man merkt sich, wie das Pferd
normalerweise läuft, merkt man einen Schwungverlust im Trab, eingreifen.
So kann man immer eingreifen, bevor es zu richtiger Fühligkeit kommt.
Dieses Vorgehen ist vor allem zu empfehlen bei sehr viel gerittenen Barhufern bzw. Pferden in der Umstellung.
Fühligkeit liegt in den meisten Fällen allerdings nicht daran, dass die
Hufe zu kurz wären.
Es ist zwar richtig und wichtig, dass sich die Hufe durch Belastung festigen. Allerdings darf man dies nie soweit treiben, dass das Pferd klamm daher schleicht. Das bringt nichts. Dosiert funktioniert es, dabei muss der Reiter aber mitdenken...
Mit der Zeit wird der Reiter sein Pferd kennen lernen, mit dieser Methode auch das Hufhorn trainieren. Man weiß dann, wie viel man den Hufen seines Pferdes zumuten kann. (mache ich den Tagesritt mit oder ohne Hufschuhe?) . Diese große ‚Vorsicht’ ist grundsätzlich natürlich nicht immer nötig. Ein langjähriger Barhufer, der täglich ins Gelände geritten wird, hat i.A. nicht zuviel Abrieb. Ganz wichtig ist dies in der Barhufumstellung und bei Belastungen, die hoch sind. (Wander- Tagesritte, Distanzen).
Ein Barhufpferd 'zwingt' den Reiter zu einem sinnvollen Training des
Pferdes, auch im Hinblick auf höhere Belastungen wie z.B. einen
Wanderritt.
Nach dem gerade gesagten ist es logisch, dass es überhaupt nicht
funktionieren kann ein Pferd das ganze Jahr über am Wochenende
mal eine halbe Stunde auf Wiesenboden oder eine Stunde in der Halle zu
reiten und dann plötzlich einen Wanderritt auf allen Untergründen
inklusive Steine und Schotter mit 30km Wegstrecke pro Tag zu reiten. Das
soll der Gesundheit des Pferdes zuliebe auch nicht funktionieren!
Es handelt sich um sehr schlechtes Horsemanship, überfordert man sein
Pferd in der hier beispielhaft genannten Weise. Die Risiken für die
Gesundheit des Pferdes sind sehr groß, wenn von ihm Leistungen
abverlangt werden, für die es körperlich nicht ausreichend trainiert
ist. Fatal ist, dass Pferde gerade in der Gruppe trotz Überforderung
weiter oberflächlich betrachtet normal mitlaufen.
Jede Belastung, die von einem Pferd verlangt wird, braucht
entsprechendes Training. Das betrifft auch die entsprechende
Bodenbeschaffenheit. Wer in seinem Reitgelände ausschließlich weichen
Sandboden hat, sollte ohne eine mehrwöchige Trainingsphase keinen
Wanderritt in einer steinigen Gegend planen will er sein Pferd barhuf
reiten. In diesem Fall kann der Einsatz von Hufschuhen/Hufschutz
sinnvoll sein, aber NUR zum Ausgleich des ungewohnten Bodens, nicht zum
Ausgleich mangelnden Trainings. Hier ist das Verantwortungsbewusstsein
des Reiters gefragt.
'Zuviel' Abrieb ist ein eher sehr seltenes Problem, wenn ein Pferd gesunde
und gleichmäßig belastete Hufe hat und ein entsprechendes Training
genossen hat.
'Zuwenig' Abrieb ist weit verbreitet, selbst bei Pferden die recht viel
geritten werden.
Wie oben erwähnt bleibt bei einem idealen barhufer der Huf in seiner idealen Form, durch die natürliche Gestaltung der Tragrandbreite und das Gleichgewicht von Abrieb und Wachstum. Es wird ganz schnell klar, dass kommt es aus irgendwelchen Gründen zu unterschiedlichen Abrieb (z.B. läuft sich die Außenseite des Hufes schneller ab als die Innenseite) sich die Hufform vom Optimalen wegentwickeln wird. Die mehr abgelaufene Seite wird steiler und kürzer werden, die andere Seite länger und schräger, evtl. mit Verbiegung, Eckstrebenhorn, Sohle und schließlich auch die knöchernen Strukturen passen sich dem schiefen Huf an. Es ist logisch, dass eine solche Ungleichbelastung zu schnellerem Verschleiß des Bewegungsapparates führen wird. Dieser ungleiche Abrieb, ungleiche Belastung kann in mannigfaltigen Formen auftreten. Dazu im Einzelnen bei der Hufbeurteilung
Aus diesen Überlegungen wird klar, dass der Huf durch Abrieb und Bodengegendruck geformt wird. In negativer Hinsicht wie in positiver. Diese Kräfte kann man NUR am Barhuf in der Hufbearbeitung nutzen und damit ungleich belastete Hufe wieder in optimale Form bringen.
So kann die Formkraft genutzt werden:


Bem: Die Sohle ist hier zu stark ausgeschnitten- heute würde ich nicht
mehr so bearbeiten.
Dieser linke Hinterhuf gehört einem Andalusier- Wallach . Zwischen
den Bildern liegen ca. 3 Monate.
Deutlich ist die enorme Formänderung zu sehen, die ganze Hufform hat
sich von sehr oval nach oval-rund verschoben, der Huf ist symmetrischer
geworden, der Trachtenbereich hat sich entspannt. Und all das nur mit
Messer und Raspel...
Bei jedem permanenten Hufschutz geht bereits nach weniger Tagen das optimale Gleichgewicht vom Abrieb und Wachstum, das beim Barhufer erreicht werden kann, verloren. Der Huf wächst, erfährt aber keinen Abrieb. Der Huf verformt sich so ganz schnell in irgendeine Richtung. (wegen der langen Hebel) Besonders häufig gibt es untergeschobene Trachten. Zusätzlich kann der Huf natürlich besonders durch schlechten Beschlag noch schneller zu Deformation gebracht werden.
Das größte Problem von permanentem Hufschutz ist wohl, dass er den Abrieb verhindert!
Durch Korrektur bleibt dem Hufbearbeiter nicht anderes übrig, als alle 5-8 Wochen den Huf (recht massiv) möglicherweise ungleich zu kürzen. Eine Korrektur von Verformungen ist so i.A. nicht möglich, da man z.B. den Winkel einer Wand nicht ändern kann. (man könnte sie natürlich von außen beraspeln, aber auf dem Beschlag würde sie deshalb nicht mehr Abrieb erfahren. Vor allem sind kleine Einflüsse nötig. Man kann nicht auf einmal einen schiefen Huf gerade raspeln) . Man kann also nicht erreichen, dass der Huf so nachwächst wie er der optimalen Form entspricht, sondern kann höchstens nachträglich gerade schneiden oder raspeln.
Die Konsequenz: Wenn ein Hufschutz als Abriebschutz nötig sein sollte (z.B. Distanzritt), dann gehört dieser nur an einen optimalen Huf! Sonst muss man noch etwas warten bis die Hufe soweit sind. Der Beschlag muss selbstverständlich gut verarbeitet werden. Wichtig ist vor allem, dass die Beschlagsperiode nicht zu lang wird. Nicht: Das Eisen drauflassen, so lange es hält... Wenn man sein Pferd soviel belastet, dass mehr oder weniger kontinuierlich ein Beschlag notwendig ist (im Freizeitbereich i.A. nicht der Fall!) ist es zweckmäßig, immer Barhufperioden einzuschieben. Bei Eisenbeschlag ist dies wegen der Beeinträchtigung der Hufqualität problematischer, bei Plastiks in der Regel problemlos.
Ein permanenter Hufschutz ist allerdings für den Freizeitreiter in den allermeisten Fällen eh nicht nötig, für Belastungsspitzen sind Hufschuhe bestens geeignet.
Ein sehr weit verbreiteter Fehler ist es, die Hufe zu selten zu bearbeiten, egal ob mit Beschlag oder Barhufer.
Oft geht dieses Übel auch noch vom Hufbearbeiter selbst aus. Bei einem Barhufer sollte im Regelfall alle 4 Wochen bearbeitet werden, bei sehr guten, optimalen Hufen die so bleiben wie sie sollen evtl. alle 8 Wochen. Bei Korrekturhufen kann 1-3 wöchentliche Bearbeitung sinnvoll sein (natürlich immer nur ein bisschen!)
Auf jeden Fall ist das Geld in guter Hufpflege sinnvoll angelegt. Sonst bezahlt man es früher oder später an den TA oder hat ein unreitbares Pferd.
Mit einem Barhufer fährt man natürlich immer billiger. Paradoxerweise wird durch schlechte, zu seltene Barhufpflege, dadurch eintretende Hufverformung dann ein Beschlag ‚notwendig’ weil das Pferd schlecht läuft. Dann wird es teurer als vorher.
Es empfiehlt sich für einen Besitzer eines Barhufers auf jeden Fall, Grundfertigkeiten der Hufpflege zu erlernen. z.B. Strahl nach schneiden oder rund raspeln. Das ist sehr einfach. Lassen sie es sich von ihrem Hufbearbeiter zeigen. Des weiteren kann ein sehr interessierter Pferdebesitzer lernen, die Hufe seines Pferdes selbst auszuschneiden, z.B. mit gelegentlicher Kontrolle eines Profis. Dies verlangt allerdings weit reichende Beschäftigung mit der Materie und grundlegendes handwerkliches Geschick. So schwer ist es aber auch nicht. Zur Ermutigung sei gesagt, dass selbst ausschneidende Pferdebesitzer in meinem Bekanntenkreis, sofern sie von einem guten Lehrer gelernt haben, wesentlich besser arbeiten als ein Großteil der Hufpfleger und Schmiede, die gedankenlos und lieblos den Huf bearbeiten. Ich selbst habe von einem Huforthopäden nach Biernat gelernt und schneide mein Pferd nun selbst aus.
Ein billiger Schmied ist nicht unbedingt schlecht, aber oft...
Generell gleicht die Suche nach einem guten Hufexperten der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Leider, leider ist das Niveau der Hufpflege hierzulande erschreckend gering! Dies hängt mit mehreren Faktoren zusammen:
Die verschiedenen Theorien liest man am besten in den jeweiligen Büchern nach.
Dazu ein paar Literaturtipps:
Das wichtigste:
Jede Theorie, sei sie noch so logisch kann nur durch die Überprüfung im Experiment bewiesen oder widerlegt werden. D.h. wie funktioniert die Theorie bzw. die Umsetzung des jeweiligen Hufbearbeiters in der Praxis???
Also ganz wichtig bei der Suche nach einem Hufbearbeiter: Man schaue sich möglichst viele vom ihm bearbeitete Pferde an. Besonders achte man auf Probleme die ähnlich denen des eigenen Pferdes sind, bzw. Pferde mit ähnlicher Stellung. Idealerweise haben andere Besitzer die Entwicklung der Hufe per Foto dokumentiert. Das selbe gilt, wenn man von einem Profi das Ausschneiden lernen will.
Das sicherste Kennzeichen für einen guten Hufbearbeiter: Er produziert reihenweise gesunde Barhufpferde, die viel ohne jeden Hufschutz geritten/gefahren werden.
Aus meiner Erfahrung würde ich für die Bearbeitung eines
Barhufpferdes immer einen Hufexperten empfehlen, der nicht
routinemäßig beschlägt, sei es mit Eisen oder Kunststoff. Warum?
Ist ein Hufexperte von den Vorteilen den Barhuflaufens überzeugt und
leistet gute Arbeit, wird er permanenten Hufschutz schlicht nicht oder
lediglich im Ausnahmefall (Distanzritte o.ä.) benötigen. Überlässt er
solche seltenen Fälle anderen Hufexperten, ist das ebenfalls völlig in
Ordnung. Ein guter Barhufprofi kann die seltenen Pferde, die extrem
schlechte Hufe haben (siehe warum Barhuf), sicher erkennen und
entsprechend an andere Hufbearbeiter verweisen, falls er jemals so einen
Fall trifft, denn diese sind selten.
Des weiteren bietet die Barhufbearbeitung Möglichkeiten der nachhaltigen
Hufkorrektur, die 'Lichtjahre' hinter dem liegen, was mit Beschlag
möglich ist, wenn eine Korrektur mit Beschlag klappt, das in der Regel
eher aufgrund der Bearbeitung des Hufes und 'trotz' Beschlag. Beschlag
verleitet zu 'Schnelllösungen', die so manches Problem einige Monate und
Jahre vertuschen können, um es dann umso schlimmer wieder auftreten zu
lassen. Denn eine 'Schnelllösung' macht den Besitzer vorerst zufrieden,
und der Hufbearbeiter führt sie durch, vielleicht obwohl er weiß, dass
das Problem nicht endgültig behoben ist.
Und letztendlich: Leistungsfähige Barhufpferde sprechen eine deutliche Sprache!
Beispielhaft: Kritische Auseinandersetzung mit üblichen Standards in der Hufbearbeitung
Die folgenden Aussagen (kursiv) habe ich in einer europäischen 'Leitlinie' für Hufbeschlag (im Kapitel über die Barhufbearbeitung) gefunden, herausgegeben von der European Federation of Farriers Associations (EFFA). Meine Kommentare sind in normaler Schrift gehalten.
1. Huf ist plan
Nein, niemals! Jeder Barhuf, der die Chance dazu hat läuft sich ein
Muster in die Unterseite des Hufes, das für das jeweilige Pferd
natürlich individuell ist. Im unbelasteten Zustand haben nur drei oder
vier aktive Punkte Bodenkontakt (Experiment: Huf mit Lehm bestreichen
und aufgehoben eine Platte draufhalten..). Dies erlaubt eine optimale
Hufmechanik für den jeweiligen Huf. Sehr häufig 'schwebt' der Tragrand
im Bereich der Seitenwand. Eine Missachtung dieser natürlichen Eigenart
des Hufes führt zu vielfältigen Problemen, wie dünnen, ausbrechenden
Wänden, hochgeschobenen Kronrändern, Gammel in der Blättchenschicht.
Dass die Unterseite des Hufes plan ist, ist notwendig für die
handwerkliche Anbringung eines Beschlages. Am Barhuf hat diese Leitlinie
nichts verloren.
2. Die Basis des Hufes steht im rechten Winkel zur
Längsachse des Mittelfussknochens
Nein, diese Leitlinie stimmt nur beim 'idealen' geraden Lehrbuchpferd.
In der Praxis findet man häufig Pferde, die in irgendeiner Weise schiefe
Hufe oder Beine haben. Aus solchen und ähnlichen Kriterien, siehe auch
unten kann man keine sinnvolle Hufbearbeitung ableiten. Ein korrektes
Kriterium funktioniert immer, auch und gerade bei 'seltsamen'
Beinstellungen. Meiner Meinung nach ist dass das lesen aus der
Belastungssituation des Hufes selbst. Manchmal erhält man nach längerer
Zeit der korrekten Bearbeitung eine 'zufällige' Übereinstimmung mit
diesen traditionellen Kriterien, auch wenn die Bearbeitung nie darauf
ausgerichtet war. Es gibt aber auch Pferde, wo ein solches Kriterium
nicht mehr zu erfüllen ist. (Auch dies würde einem die Hufsituation
selbst verraten).
Kriterien wie das obige verleiten viele Hufbearbeiter zum willkürlichen
'gerade-schneiden' der Hufe, in der Regel sehr zum Schaden der Hufe und
Beine. Willkürlich gerade geschnittene Hufe an einem schiefen Bein sind
genauso schädlich wie willkürlich schief geschnittene Hufe an einem
ideal geraden Bein!
3. Der Huf passt zum Fesselstand.
Nein, dieses Kriterium ist weitgehend nutzlos. Im wesentlichen gilt die
Argumentation wie bei Punkt zwei, nur werden meiner Erfahrung nach hier
noch mehr Fehler gemacht. Bei allen Abweichungen von der Norm,
schwierigen Hufen funktioniert dieses Kriterium nicht. Zusätzlich ist
der Fesselstand schwer zu beurteilen, nicht selten ändert sich der
Fesselwinkel völlig nach einer Hufbearbeitung, die sich aus dem lesen
der Belastungssituation des Hufes ergibt, während eine 'naive'
Einschätzung nach Fesselstand am unbearbeiteten Huf das völlige
Gegenteil in der Bearbeitung verlangt hätte.
Probleme wie die Abhängigkeit davon, ob das Pferd völlig gleichmäßig auf
allen Hufen steht, noch einmal völlig außen vor gelassen...
Alles in allen: Kann man getrost ignorieren!
4. Die Hufunterseite sollte symmetrisch sein.
Ja, dies ist nützlich. Ein symmetrischer Huf ist ein gleichmäßig
belasteter, der an allen Teilen gleich viel Abrieb erfährt. Kleine(!)
Abweichungen von vollkommener Symmetrie sind allerdings eine sinnvolle
Anpassung je nach Beinstellung und Bewegungsablauf des Pferdes.
5. Die Länge der Hufwand erlaubt ein Anbringen des
Hufeisens.
Selbstredend hat dieses Kriterium für die Barhufbearbeitung keinerlei
Bedeutung. Hier findet sich aber ein Hinweis auf den Hintergrund
häufiger Fehler, wie sie (oft von Schmieden) bei der Barhufbearbeitung
gemacht werden. Das 'traditionelle' Idealbild vom Huf ist vor allem
darauf ausgerichtet, dort gut ein Eisen befestigen zu können, die
Wandlängen müssen ein Eisen sicher halten. Mit 'funktionalen',
natürlichen Hufen hat das nichts zu tun. z.B. werden verbogene Wände oft
nicht beraspelt, weil dann ein Nagel ja nicht mehr halten würde...
6. Die Hufwand ist nicht verbreitert.
Hier handelt es sich wahrscheinlich um eine unglückliche Übersetzung.
Ich vermute, dass hier 'verbogen' gemeint war. Wenn dies so ist, ein
sinnvolles Kriterium. Natürliche Barhufe (siehe Wildpferdehufe auf
dieser Webseite) haben immer (!) gerade Wände. Nur wird es leider oft
nicht ernst genommen..
7. Sohle und Strahl müssen gereinigt, aber kräftig
gehalten werden.
Ja, dem kann ich zustimmen.
Der mit Abstand am häufigsten genannte Grund, warum ein Pferd nicht barhuf gehen könne, ist, dass der Huf 'zu kurz' sei. Es wird ein Blick auf den Huf geworfen 'Oje, wie kurz' und demzufolge ein Beschlag angebracht.
Meiner Erfahrung nach stimmt das meistens nicht. Häufiger findet man eigentlich zu lange Hufe, die durch Verformungen oder hebelnde Wände schmerzhaft geworden sind. Eisenbeschlagene Hufe sind meist extrem lang, wer dieses Bild im Kopf hat, bekommt bei gutem Barhufpferden oft einen Schreck.
Optimale, gut trainierte Barhufe wirken meist optisch kurz und weisen
nur einen sehr geringen oder keinen Überstand des Tragrandes über die
Sohle auf. Weite Hufe (z.B. Kaltblüter) wirken oft besonders kurz, da
sie wesentlich breiter als hoch sind und weniger Wölbung aufweisen.
Die optimale Länge haben die Hufe einfach dann, wenn das Pferd damit
zufrieden läuft.
Mehr Details gibt es in dem neuen Abschnitt
'Sohlenkunde'
Sehr interessant sind in in diesem Zusammenhang die Forschungen von
Jamie Jackson, der Wildpferdehufe vermessen hat. Die Wildpferde sind
grob von Typ mittelgroßes Pferd (siehe die Hufbreiten), es wurden
Gaußverteilungen gefunden. Hier eine Tabelle mit einigen seiner
Messwerte (siehe Horse Owners Guide to Natural Hoof Care, S. 147)
| #der Pferde | 2% | 13% | 34% | 34% | 13% | 2% |
| Zehenwinkel vorne[°] |
48-49 | 50-51 | 52-54 | 55-56 | 57-59 | 60-62 |
| Zehenwinkel hinten[°] |
51-52 | 53-55 | 56-57 | 58-60 | 61-62 | 63-65 |
| Zehenlänge [cm] |
6,0-6,4 | 6,7-7,0 | 7,3-7,6 | 7,9-8,3 | 8,6-8,9 | 9,2-9,5 |
| Huflänge vorne[cm] |
10,2-11,1 | 11,4-11,7 | 12,1-13,0 | 13,3-13,7 | 14,0-14,9 | 15,2-16,5 |
| Huflänge hinten[cm] |
10,2-11,1 | 11,4-11,7 | 12,1-12,4 | 12,7-13,7 | 14,0-14,3 | 14,6-15,2 |
| Hufbreite vorne[cm] |
9,5-9,8 | 10,2-10,5 | 11,4-12,4 | 12,7-13,7 | 14,0-14,3 | 14,6-15,6 |
| Hufbreite hinten [cm] |
8,9-9,8 | 10,2-10,5 | 10,8-11,7 | 12,1-12,4 | 12,7-13,7 | 14,0-14,6 |

Dieser Huf ist viel zu lang! Dies ist schädlich, z.B. Hebelwirkung
Einige Anhaltspunkte dafür, dass ein Huf zu lang ist:
Beim kürzen des Hufes- das generell nur gleichmäßig erfolgen sollte- ist viel Vorsicht angebracht. Anders als beim kontinuierlichen Abrieb greifen wir als Hufbearbeiter hier direkt ein. Zuerst sollte das Zerfallshorn an der Sohle entfernt werden. Dann sieht man, wie viel Tragrandüberstand vorhanden ist, diesen kann man dann kürzen.
Niemals darf beim kürzen in 'lebendige' harte Sohle geschnitten werden, Fühligkeit, Lahmheit und schlimmstenfalls eine Belastungsrehe können die Folge sein! Bei vernachlässigten, sehr langen Hufen sollte man vorsichtig vorgehen (lieber 1-2 Wochen später noch mal bearbeiten) und aufhören, wenn man das Gefühl hat, dass hier genug getan ist.
Und: Am besten wird das Pferd natürlich so gehalten und geritten, dass der Huf nicht gekürzt werden muss! Leider haben dazu die meisten Reiter zu wenig Zeit ;-)
Die Länge der Hornwand ist gerade bei verformten Hufen sehr variabel. Ein Huf mit sehr langer Hornwand kann trotzdem zu wenig Horn unter den lebenden Strukturen haben, wenn eine Hufbeinsenkung vorliegt. Obige Maße sind Regionen, in deren Bereich sich gesunde Hufe normalerweise bewegen. Keinesfalls darf der Huf nach irgendwelchen Tabellenwerten auf bestimmte Wand- Trachtenlängen oder Winkel zugerichtet werden!!!

Auf dem obigen Bild ist ein Vergleich zwischen den Trachtenansicht
eines beschlagenen Hufes und eines Barhufes zu sehen. Zur Verdeutlichung
habe ich jeweils 3 Hilfslinien eingezeichnet, die Tragrand,
Trachtenecken und Kronrand markieren.
Beim beschlagenen Pferd liegen die 3 Linien weit auseinander, die
Trachten sind sehr hoch.
Ganz anders der gesunde Barhuf: Der gesamte Trachtenbereich ist kurz und
kompakt.
Diesen Unterschied liegt nicht an den individuellen Beispielen (ich
wette, dass sich diese Bilder in jedem beliebigen Stall reproduzieren
lassen) sondern im System.
Unter dem Eisen erfährt der Huf keinerlei Abrieb, die Trachten und der
gesamte Huf wachsen lang und zeigen diese ungesunde und unnatürliche
Form. Dass hier leicht Hebelkräfte wirken, die z.B. zu untergeschobenen
Trachten, Rissen und vielen anderen Problemen führen, ist unmittelbar
einsichtig.
Hierbei handelt es sich um einen zentralen Punkt, der sowohl für die Bearbeitung als auch Beurteilung von Hufen wichtig ist.
Es gibt am Huf zwei 'Sorten' Horn.
Zum einen hartes, lebendiges Horn. Dieses ist glänzend, fest und
mit den Hufkratzer nicht zu zerkratzen. Besonders findet es sich am Rand
der Sohle eines guten, arbeitenden Barhufes:

Alex linker Vorderhuf. Man achte auf die Sohlenwölbung und die kräftige,
'steinharte' Sohle. Genau so sehen arbeitende Barhufe aus, man
vergleiche insbesondere mit den den Beispielen in Pete Rameys Buch 'Making
Natural Hoof Care Work for you'. Insbesondere findet sich nur ein
minimaler Tragrandüberstand über die Sohle.
Dieses lebendige Horn passt sich dem Boden an, auf dem das Pferd laufen soll und ist sehr abriebfest.
Die andere Sorte Horn ist sog. Zerfallshorn.
Zerfallshorn ist Horn, das überschüssig geworden ist und welches das Pferd loswerden möchte. Es ist von mehliger Konsistenz und lässt sich mit dem Hufkratzer mühelos abkratzen.

Auf diesen beiden Bildern ist Zerfallshorn zu sehen. Kratzspuren wurden
mit einem Hufkratzer verursacht.
Links: Beschlagener Huf mit Unmengen Zerfallshorn auf der Sohle.
Dieses bildet sich, da der Huf keinen Abrieb mehr erfährt und nun
versucht, wieder auf eine natürliche Länge zurückzukommen.
Rechts: Barhuf vor dem Ausschneiden in 4- Wochen- Abständen. Hier findet
sich etwas Zerfallshorn in bestimmten Regionen des Hufes, hier vor allem
an den Trachten. Die an die 'Zerfallshorn' - Regionen angrenzenden
Hufwände versucht der Huf durch diese Maßnahme zu kürzen. Dieses
Bestreben des Hufes wird bei der Hufbearbeitung unterstützt. Solche
Wände und allgemein Zerfallshorn läuft sich ganz rapide ab und bricht
(Hufwand) leicht aus. Hierbei handelt es sich um eine sinnvolle Maßnahme
der Natur, sich gegen zu lange Hufe bzw. Hufanteile zu wehren.
Würde man beim linken Huf die Eisen abnehmen und einen flotten Ritt über
harten Boden unternehmen, könnte der Huf danach leicht einen halben cm
kürzer sein! Während beim gleichen Ritt an Alex' Hufen nichts zu sehen
sein wird.
Das gleiche passiert, wenn Pferde, deren Hufe das ganze Jahr auf der
weichen Weide lang wachsen und nur 1x im Jahr ausgeschnitten werden,
einmal über harten Boden laufen, z.B. wenn sie dann doch mal geritten
werden oder abgehauen sind. Zu lange Wandbereiche brechen weg bzw.
laufen sich ganz rapide ab.
Ebenso erklären sich auf diese Weise 'Horrorgeschichten' von Pferden,
die sich beispielsweise über Nacht die Hufe in einem Paddock extrem kurz
gelaufen haben sollen. Ein solch extremer Hornverlust ist unter normalen
Bedingungen nur bei Zerfallshorn d.h. bei zu langen Hufen möglich.
An jedem Huf bildet sich eine Fläche, auf der der Rand der lebenden Sohle liegt. Bei einem idealen Huf ist das auf Höhe des Tragrandes oder ganz leicht darunter, natürlich an allen Bereichen des Hufes gleich viel bzw. wenig.
Wie weiter oben erklärt, bildet der Huf neben zu langen Wandbereichen Zerfallshorn, wenn wir bei der Hufbearbeitung also die Fläche der lebenden Sohle 'freilegen', finden wir bei insgesamt zu langen Hufen rundrum einen deutlichen Tragrandüberstand, bei schiefen oder ungleichbelasteten Hufen nur an bestimmten Stellen. Um der balancierten Hufsituation näher zu kommen, müssen die zu langen Wandbereiche weg. (Über das 'Wie' später mehr). Viele werden sich nun fragen, ob es wirklich so einfach sein kann? Ich sage eindeutig 'ja'. Zum einen stimmte das, was die lebende Sohle an Hufbearbeitung anzeigte, in allen(!) Fällen exakt mit dem überein, was sich aus dem 'lesen' der Belastungssituation (nach Biernat) ergab. Zum zweiten und wichtigsten: Das Pferd passte sich im Laufe der Evolution perfekt an ein Leben als Lauftier an. Seine Hufe sind überlebenswichtig, unbalancierte Hufe mit einem schlechten Abriebverhalten sind eine unmittelbare Gefahr, der Herde nicht mehr folgen zu können. Das frei lebende Pferd 'bearbeitet' sich seine Hufe selbst, durch Abrieb (harter Untergrund) oder Ausbrechen (weicher Untergrund). Ist ein Huf schief geworden, muss diese Seite trotz der geringeren Belastung durch das Pferd mehr Abrieb erfahren. Genau das macht die Natur durch die Bildung von Zerfallshorn. Die Wand steht nun frei, reibt sich rapide ab oder bietet 'Gammel' freien Eintritt und bricht dann aus (nicht schön, aber funktioniert). Das ganze funktioniert natürlich nur bei sehr viel Bewegung (daher müssen wir bei unseren Hauspferden auch die Hufe bearbeiten). Hufwand und Sohle schützen sich gegenseitig (letztere ist keineswegs funktionslos). Die Sohle zeigt also an, wo das Pferd seine Hufwand 'wünscht'. Wie gesagt, meiner Erfahrung nach ist das bis jetzt immer richtig gewesen (und in Übereinstimmung mit anderen Kriterien der Hufbeurteilung). Ich mag dieses Kriterium, da es sehr einfach zu beurteilen ist und Fehleinschätzungen relativ unwahrscheinlich.
Sehr einfach sind lebende Sohle und Zerfallshorn zu unterscheiden,
wenn das Wetter relativ feucht ist. Zerfallshorn lässt sich dann sogar
mit einer Drahtbürste 'wegbürsten', mit dem Hufmesser kann man es 'mit 2
Fingern' wie Blätterteig ablösen.
Bei extremer Trockenheit ist die Sohle immer steinhart, meist bilden
sich in Richtung Strahlmitte Risse in der Sohle, die Verbindung zwischen
Strahl- und Sohlenhorn ist sehr tief geworden (mehr
dazu im Abschnitt Sohlenkunde). Das Zerfallshorn bleibt hier
länger im Huf als bei feuchtem Wetter, beim ersten Regen kann man es oft
sogar mit dem Hufkratzer in großen Brocken rausbrechen.
Mit Versuchen, die Hufe bei anhaltender Trockenheit (bei 24 h
Weidehaltung) zu wässern, konnte ich die Konsistenz der Hufe nicht
beeinflussen.
Die nächste Frage ist nun, wie man das überschüssige Horn los wird. Der erste Schritt bedarf meiner Meinung nach keiner großen Diskussion, man nimmt (nachdem die lebende Sohle gefunden wurde), den Teil geringsten Tragrandüberstandes und kürzt den Huf gleichmäßig um diesen Betrag (Danach noch Wände bearbeiten, um Verbiegungen loszuwerden). Doch wie man jetzt noch verblieben Tragrandüberständen umgehen? (Das sind die Anzeichen ungleicher Belastung) Da gibt es mehrere Möglichkeiten, die meiner Meinung nach alle ihre Berechtigung haben, aber Bedarfsgerecht angewendet werden müssen.
Nun meine Erfahrungen, was wann sinnvoll ist:
A) Es erscheint mir allerdings sinnvoll, wenn:
Nicht sinnvoll:
B) Ich habe ca. 1 Jahr ausschließlich hiermit gearbeitet, aber erfahren, dass es Grenzen gibt.
Sinnvoll:
Nicht Sinnvoll:
C) Wende ich seit einiger Zeit mit Erfolg an:
Sinnvoll:
Nicht Sinnvoll:

Hufe eines Kleinpferdes (gleiche Hufe wie Fall
1 in der Hufbeurteilung). Die Hufe waren seitdem im Sommer
beschlagen, im Winter gar nicht bearbeitet worden. Die letzten Eisen
waren zwei Wochen (direkt nach Abnahme der Eisen hätte ich den Huf viel
moderater bearbeitet, um ca. 14 Tage später 'richtig' zu bearbeiten) vor
Aufnahme dieser Bilder verloren gegangen, waren ca. 8 Wochen an den
Hufen. Die Hufe sind dramatisch zu lang, und ziemlich aus der Form
geraten...

... wie auch in der Sohlenansicht zu erkennen. Besonders auffällig: Die
extrem langen Trachten, die nach innen hebeln. Der gesamte
Trachtenbereich ist so 'außer Funktion', dass die Abwägung ergab, den
gesamten Tragrandüberstand auf einmal zu kürzen... Das Pferd hat im
Prinzip gute Hufe und stabile innere Strukturen. An der Zehe befindet
sich kaum Tragrandüberstand. Der Schmied hatte die Trachten kaum
gekürzt, die Zehe jedoch immer "extremst", inklusive schneiden in die
lebende Sohle.

...ca. eine Stunde später. Die fertig bearbeiteten Hufe. Das Pferd läuft
wie befreit. 2-3 Wochen nach dieser ersten Bearbeitung können Feinheiten
korrigiert werden. Bei der Bearbeitung wurde zunächst die lebende Sohle
gesucht, und der Tragrand genau auf diese Höhe gekürzt...

Sohlenansicht des bearbeiteten Hufes. So ist die Verformung durch den
vorangegangenen Beschlag und Vernachlässigung zwar immer noch sichtbar,
aber der Huf hat so eine Basis, auf der er sich vernünftig entwickeln
kann. Mit Techniken B und C hätte man hier wohl zu lange gebraucht,
damit der Huf wieder wie ein Huf aussieht... So wie die Hufe dieses
Pferdes sollte man Hufe nicht verkommen lassen, obwohl leider sehr oft
zu sehen. Mit solchen 'Aufräumaktionen' ist immer Vorsicht und Abwägung
angebracht!
Ebenfalls wichtig: Hornwachstum 'auf Vorrat' funktioniert
grundsätzlich nicht. Wenn man versucht, z.B. für einen längeren Ritt
die Hufe länger (d.h. mit deutlichem Tragrandüberstand) zu
bekommen, indem man vorher eine Zeit nur mit Schuhen reitet, wird man
sich wundern, wie schnell das schöne extra gezüchtete Horn verschwindet!
Ich dachte früher, dass ein Barhuf einen Tragrandüberstand benötigt und
war frustriert, dass dieser bei dem ersten Ritt ohne Schuhe 'weg' war.
Vielmehr bewirkt diese Maßnahme genau das Gegenteil von dem, was
bezweckt wurde. Zu lange Hufe werden nämlich schwächer.
Nur wenn die Hufe kontinuierlich auf einer korrekten, kurzen
Länge gehalten werden, werden sie stark und abriebfest.
Der Schlüssel liegt in dem Anpassungsvermögen der Hufe.
Die Höhe der lebendigen, harten Sohle dient als Richtschnur für die Hufbearbeitung- siehe oben-. Neben diesem Kriterium kann man noch etwas detailreicher in der Sohle lesen. Die allermeisten Fälle, wenn Pferde nach der Hufbearbeitung schlechter laufen als vorher, sind auf Missinterpretationen und dem folgende falsche Bearbeitung zurückzuführen!
An jedem Huf gibt es eine Verbindungsstelle zwischen Sohlen- und
Strahlhorn, sie führt rund um den Strahl (im Bild unten pink
eingezeichnet- leider schlecht zu erkennen). Diese Verbindungsstelle
gibt sehr zuverlässig Auskunft darüber, wo die inneren Strukturen liegen
(insbesondere das Hufbein). Übrigens unabhängig davon, wie der Rest des
Hufes möglicherweise verformt oder vernachlässigt ist. Der Abstand der
Strahlfurchen zu den inneren Strukturen ist immer gleich! Die einzige
Ausnahme ist, falls sich ein Abszess in der Sohle gebildet hat, dann ist
die Entfernung des Hufbeins von den Strahlfurchen größer als
normalerweise.
Richtet man seine Hufbearbeitung unter anderem an der Tiefe der
Strahlfurchen aus, macht man höchtens Fehler auf der Seite der Vorsicht!
Am Pferd ist diese Verbindungsstelle als schmale Risse in den Strahlfurchen zu sehen, befindet sich wie meist etwas überflüssiges Horn auf der Sohle, ist sie als kleine 'Dreckrille' zu sehen.

Die obige Zeichnung illustriert das Grundprinzip des 'lesens' der Strahlfurchen. Die Strahlfurchen sind gleich weit von den lebenden Lederhäuten entfernt. Die linke Seite zeigt einen Huf, der sich mit gleichmäßig bis zum Rand erstreckender Wölbung an nachgiebigen Boden angepasst ist. Rechts ein Huf, der überwiegend auf ebenem Boden arbeitet. Obwohl sich die Anpassung der Sohle unterscheidet, die Strahlfurchen zeigen die gleiche Tiefe, und beide Pferden haben genug Horn zum Schutz unter ihrem Hufbein. Der Abstand der beiden Linien beträgt üblicherweise etwa 1-2 cm, wie man die adäquate notwendige Sohlenwölbung am individuellen Pferd herausfindet wird später in diesem Artikel diskutiert.

Das nächste Bild zeigt einen 'platten' Huf. Es ist kaum mehr
Sohlenwölbung vorhangen. Warum das Hufbein zu tief hängt wird ebenfalls
deutlich- die verbogenen Wände geben ihm nicht genug halt-
(Hufbeinsenkung, muss gar nichts mit Hufrehe zu tun haben, ist bei
vielen verbogenen Hufen zu einem gewissen Grad zu finden). Die
Strahlfurchen haben immer noch den gleichen Abstand zu Hufbein wie beim
gesunden Huf. So wird auch klar, dass die Sohle in den Randbereichen zu
dünn ist.
Übrigens- um so eine Situation durch zuviel Abrieb bei einem gesunden
Huf entstehen zu lassen, müssten schon absolut extreme Bedingungen
vorliegen - ich habe so etwas noch niemals gesehen.
Die meisten Hufe mit einer solchen Situation sind übrigens auffällig
lang (Hornwände) wenn man sie mit gesunden Hufen vergleicht,
trotzdem liegen die inneren Strukturen viel zu nah am Boden.
Logisch ist, dass ein Pferd mit solchen Hufen fühlig bis lahm geht.
Zusätzliche Informationen erhält man, betrachtet man den Huf im Längsschnitt:

In dieser Zeichnung ist ein gesunder Huf dargestellt. Die
Strahlfurche (rot) verläuft nahezu parallel zum Boden, mit ausreichender
Tiefe. Im vorderen Bereich des Hufes ist das Kriterium der
Strahlfurchentiefe sehr genau und extrem verlässlich. Im hinteren
Bereich des Hufes hängen die Lederhäute jedoch an den wesentlich
flexibleren Hufknorpeln, daher ist dort die Tiefe der Strahlfurchen
deutlich variabler. Die Hufknorpel können, besonders bei engen Hufen,
stärker zusammengeklappt sein und so tiefere Strahlfurchen erzeugen bzw.
eine nach hinten ansteigende Strahlfurche.
In diesem Fall muss das im hinteren Bereich des Hufes genauere Kriterium
der lebenden Sohle herangezogen werden. Wichtiges Kennzeichen eines
gesunden Hufes ist eine für das individuelle Pferd ausreichende Tiefe
der Strahlfurchen über dem Boden.
Eindeutig problematische Situationen können mit diesem Wissen leicht erkannt werden, wie der Huf auf dem unterstehenden Bild.
Folgerungen für die Hufbearbeitung

Links: Nach Entfernung offensichtlich bröseligen Materials befindet sich
eine 'Beule' in der Sohle, die oberhalb der glatten, ausreichend
dicken Sohlenwölbung
liegt, die an den Strahlfurchen (diese sind bei der Hufbearbeitung
natürlich zuerst zu suchen, deren tiefe festzustellen) ansetzt und am
Tragrand endet. (Etwas übertrieben dargestellt, Prinzip sollte jedoch
klar werden). So etwas findet sich üblicherweise in Fortsetzung der
Eckstreben. Solche Teile sind überflüssig, können weg geschnitten werden
(Schnittlinie orange dargestellt).
Rechts: Ein 'platter' Huf wie in der dritten Zeichnung oben. Hier wird häufig geschnitten, wie orange gestrichelt, und Sohlenwölbung herzustellen. Dies funktioniert aber grundsätzlich nicht, nach solchen Aktionen laufen die Pferde extrem fühlig. Hier wird in Bereichen geschnitten, die sowieso zu dünn sind.

Der typische Zustand, der anzutreffen ist, falls Hufe längere Zeit gar
nicht bearbeitet wurden. Links: Auch hier liegen die Strahlfurchen noch
im gleichen Abstand zu den inneren Strukturen. Der Abstand der
Strahlfurchen zum Boden ist hier deutlich größer als 2cm. Nicht in allen
Fällen ist das Zerfallshorn in solchen Fällen eindeutig auszumachen, es
kann sich eine falsche, doppelte Sohle gebildet haben, die 'scheinbar'
fest ist. Orientiert man sich an den Strahlfurchen kann man solche
vernachlässigten Hufe sicher bearbeiten, wobei man immer etwas auf der
sicheren Seite bleiben sollte, hat man einen 'Anfang' geschaffen, bildet
sich das restliche Zerfallshorn meist von selbst im laufe der nächsten
Wochen.

Die Strahlfurche im vorderen Bereich ist extrem flach, z.B. 2mm. Gleichzeitig liegt eine sehr tiefe Strahlfurche im hinteren Bereich vor. Die Sohlenkunde sagt uns eindeutig, dass zuwenig Material unter der Zehe ist, gerade weil die Zehe verbogen ist. Dieses Wissen bewahrt z.B. vor dem häufig anzutreffenden Fehler, solche Hufe, um einen 'steileren, zum Fesselstand passenden Winkel' zu erzeugen, an der Zehe noch mehr zu kürzen! Dies ist genau das Gegenteil dessen, was korrekt ist.

Der grüne Huf zeigt die korrekte Bearbeitung dieses häufig anzutreffenden Hufproblems. Die Sohlenkunde bewahrt uns vor dem schweren Fehler, einen Bereich, der eh schon zu kurz ist, noch weiter zu kürzen und die Trachten noch höher zu züchten, obwohl sie schon zu hoch sind.
Soll der Huf nun gekürzt/bearbeitet werden, muss selbstredend
parallel zu den inneren Strukturen gearbeitet werden. Beim gesunden Huf
ist das einfach, man folgt mit der Raspel einfach der Hufebene.
Bei einem Huf, dem z.B. an der Zehe massiv Material fehlt, ist es jedoch
unsinning, parallel zu der alten, falschen Hufebene zu raspeln. Korrekt
raspelt man möglichst parallel zu den inneren Strukturen- auch hierbei
sind die Strahlfurchen eine wichtige Leitlinie.
Die individuell korrekte Sohlenwölbung
Die bei einer überall ausreichend dicken Sohle zu findende Tiefe der
Strahlfurchen (=Sohlenwölbung) entspricht der Wölbung des
Hufbeinknochens. Diese unterscheidet sich selbstverständlich von Pferd
zu Pferd, beträgt in der Regel aber 1-2 cm (im vorderen Bereich). Im
Bereich der Eckstreben findet man meist etwas mehr Tiefe, wobei daran zu
denken ist, dass hier die Tiefe von den wesentlich flexibleren
Hufknorpeln bestimmt wird.
Aber wie legt man fest, ob das eigene Pferd 1 oder eher 2 oder mehr cm
Sohlenwölbung benötigt?
Für den Anfänger ist die Sohlenwölbung am einfachsten abzuschätzen, wenn
eine nässere Periode beginnt und die Sohle ein völlig gleichmäßiges
Gewölbe bildet- eine korrekte Sohlenwölbung erstreckt bis zum Rand des
Hufes.

Korrekte Sohlendicke- Sohlenwölbung erstreckt sich bis zur
Blättchenschicht. (feuchtes Wetter)
Bei diesem Pferd sind deutlich flache Bereiche am Sohlenrand
(Zehenbereich) zu erkennen. Die Strahlfurchen sind im Zehenbereich
flach.
Beim hellen Huf im oberen Bild kann man sich sicher sein, dass eine
ausreichende Sohlendicke vorliegt. Zu diesem Zeitpunkt ist die
Strahlfurchentiefe ideal zu messen.
Was aber, wenn ein Fall wie der dunkle Huf im unteren Bild vorliegt?
Flache Bereiche am Rand der Sohle können entweder auf fehlende Sohlendicke ODER auf die Anpassung an harten Boden hindeuten!
Bei sehr trockenem Wetter oder auch bei Frostperioden beginnt sich die Sohle an die veränderten Bodenverhältnisse anzupassen (siehe erste Zeichnung dieses Abschnitts) und es bilden sich 'scheinbar' flache Bereiche, obwohl die Sohle immer noch dick genug ist. Die Strahlfurchen sind in manchen Fällen sehr schmal und scheinen manchmal flacher als sie wirklich sind. Alternativ kann der Strahl die Seiten etwas überwuchern, auch dann bleibt die 'wahre' Strahlfurchentiefe etwas verborgen. Hier ist mit der Beurteilung also Vorsicht angesagt!
Wie das eine vom anderen unterscheiden?
Sicher sein, dass die flachen Bereiche lediglich eine Anpassung an harten Boden darstellen, kann man falls die Strahlfurchentiefe immer noch den gleichen Wert aufweist -darauf achten sorgfältig vom Boden der Strahlfurchen aus zu messen.
Wenn die Strahlfurchen (im Zehenbereich meist) extrem flach sind wie im Bild des schwarzen Hufes, kann man sich sehr sicher sein, dass du wenig Sohle da ist!
Ist man sich unsicher, kann man als zusätzliches Kriterium auch die
Länge der Hornwand messen (deren Länge man sich in einer Situation
aufschrieb, als der Huf sicher adäquate Sohlendicke aufwies) und
vergleichen.
Aber Vorsicht!! Die Länge der Hornwand bleibt nur bei sehr gesunden und
konstant barhufigen Hufen konstant!
Bei Korrekturhufen ist die Länge der Hornwand sehr variabel, bei einer
Hufbeinsenkung kann wie Wand länger werden während die Sohle dünner
wird!
Wenn man Sohlenwölbung nicht 'hinschnitzen' kann, wie bekommt man sie dann?
Sohlenwölbung muss aufgebaut werden, indem die inneren Strukturen
nach oben wandern!
Zunächst, was passiert beim falschen Vorgehen, wenn zu dünne
Sohlenbereiche beschnitten werden? Neben den hier abgebildeten 'platten'
Hufen kann der prinzipiell gleiche Fehler gemacht werden, wenn einzelnen
Bereiche des Hufes unter das Niveau der lebenden Sohle gekürzt werden.
Noch schlimmer macht man es, wenn man Sohlenwölbung anschnitzt, indem
man tiefer schneidet als von den Strahlfurchen vorgegeben.
Durch die zu dünne Sohle wird die empfindliche Lederhaut
überbeansprucht, und je mehr an der Sohle rumgeschnitten wird, desto
näher kommt die Lederhaut dem Boden! Also völlig kontraproduktiv. Werden
solche Techniken dauerhaft z.B. alle 4 Wochen angewendet, wird die Sohle
mit der Zeit immer dünner. Hufgeschwüre und Abszesse sind die logische
Folge. Nebenbei natürlich auch schlechtes laufen...
Beim richtigen Vorgehen werden zu kurze Bereiche (wie beim
'Platthuf') selbstverständlich völlig in Ruhe gelassen. Falls der Huf
vorher unter das Niveau der lebenden Sohle gekürzt wurde oder die Sohle
schlicht ausgedünnt wurde, hilft warten. Falls ein 'Platthuf' oder auch
ein Rehehuf vorliegt, müssen zusätzlich die Wände bearbeitet/der Huf
besser ausbalanciert werden.
In zu dünnen Sohlenbereichen bildet der Huf oft an den am meisten
beanspruchten Stellen kleine Schwielen, die müssen dort belassen werden,
denn der Huf fängt an, erst an den wichtigsten Stellen wieder die
natürliche Sohlendicke herzustellen.
Die Sohle wird -da sie nicht wegschnitten wird- in den nächsten
Wochen/Monaten also dicker. Dabei wird das Hufbein- parallel dazu, dass
es eine bessere Aufhängung an den Hufwänden hat- quasi nach oben
gedrückt, bis es an seiner natürlichen Position angelangt ist- der Huf
sieht dann aus wie in der zweiten Zeichnung. Die Sohlenwölbung entsteht
in dem Maße, wie das Hufbein (mit dem restlichen Pferd) nach oben
wandert. In den allermeisten Fällen von 'Platthufen' reduziert sich
dabei die Länge der Hornwände deutlich!
Sohlenwölbung entsteht -außer bei unsachgemäß gekürzten Hufen- nicht
dadurch, die Hufe einfach länger zu machen.

Wildpferdehuf (steinige Umgebung): Enorm dicke Sohle und wände, gute
Sohlenwölbung. Foto mit freundl. Genehmigung von Pete Ramey.
Anpassung der Hufe an Untergrund und Belastung
Eine der faszinierendsten Eigenschaften eines gesunden, natürlichen Barhufes ist die Fähigkeit, sich an verschiedenste Untergründe und Belastungen anzupassen. Lässt man es zu, bildet sich der für die jeweilige Anforderung ideale Huf ganz von selbst.
Leider werden die Anpassungsbemühungen des Hufes oft völlig
fehlinterpretiert und zum Schaden des Pferdes 'korrigiert'. Die meisten
Hufbearbeiter betrachten den Huf so, wie er sich bei der Hufbearbeitung
meist zeigt: Im Stand, bestenfalls noch im Schritt oder Trab auf Beton.
Um dem Huf gerecht zu werden, muss man sich den Huf aber in Bewegung und
auf verschiedensten Untergründen vorstellen.
Um dies weiter zu erklären, sollen zunächst die Grundprinzipien
erläutert werden. Zum einen braucht der Huf überall unter den lebenden
Strukturen genug Horn als Schutz vor Umwelteinflüssen. Zum zweiten
übernimmt nicht nur der Tragrand Last (das Pferd 'hängt' nicht allein in
der Blättchenschicht, wie oft fälschlicherweise angenommen wird),
sondern Sohle und Strahl beteiligen sich an der Trageaufgabe.
Betrachten wir zunächst ein Pferd, das auf Sand- und weichem Erdboden
lebt und als Spring- oder Dressurpferd auf Gras- und Sandplätzen
eingesetzt wird.
Die Böden werden unter seinen Hufen nachgeben, d.h. die gesamte Sohle
und Strahl wird automatisch bei jedem Schritt mittragen. Gleichzeitig
erfordern die Untergründe eine besonders gute Traktion. Der Abrieb ist
gering, bei entsprechend viel Bewegung würden sich die Hufe vor allem
durch ausbrechen kürzen (Wildpferd) ansonsten wird hier durch
Hufbearbeitung nachgeholfen.
Entsprechend dieser Anforderung bildet sich ein Huf mit starker
Sohlenwölbung, leicht über der Sohlenwölbung stehenden Eckstreben und
Tragrand, einen gut ausgebildeten Strahl der aber auch gut und gerne
einige mm unterhalb des Tragrandniveaus liegt. Die Wände sind nur leicht
berundet. Da dieses Pferd sich kaum auf harten Böden aufhält, darf man
ihm per Hufbearbeitung keinen Huf für harte Böden aufzuzwingen suchen.
Dies würde die Leistungsfähigkeit der Hufe einschränken.
Das genaue Gegenteil in der Anpassung ist beispielsweise ein
Kutschpferd, das überwiegend auf ebenen, befestigten Waldwegen und
Asphalt gefahren wird. Die Hufe des obigen 'Weichbodenpferdes' wären
hier völlig fehl am Platz, denn er würde nur der Tragrand tragen, der
Strahl würde nicht die notwendige Stoßdämpfung bieten usw. Hufe für
harte, ebene Böden müssen eine möglichst gute Stoßdämpfung aufweisen,
dem Abrieb sehr viel Widerstand leisten und eine einseitige
Tragefunktion des Tragrandes verhindern. Das Pferd braucht einen
möglichst kraftsparenden, effizienten Bewegungsablauf. Oft wird man
daher finden, dass die Pferde gerade die Hinterhufe etwas unsymmetrisch
aufsetzen.
Entsprechend formt sich wieder der Huf: Der Strahl wird sehr prominent
sein und voll mittragen. Der Tragrand hat keinen Überstand und ist
deutlich abgerundet, um Hebelwirkungen zu vermeiden. Die Sohle 'wächst'
dem Boden entgegen und die Sohlenwölbung 'füllt' sie etwas aus, die
Sohle ist also in der Mitte dicker. Die gesamte Unterseite des Hufes ist
stark 'verschwielt' und unglaublich hart. Anpassungen an den
Bewegungsablauf können z.B. zwei leicht unterschiedlich hohe Trachten
sein. Was im Stand als 'unbalanciert' erscheint, ist in der Bewegung das
genaue Gegenteil!
Mit jedem Schritt erhält der Huf Informationen über den Untergrund,
auf dem es sich bewegt. Entsprechend passt sich der Huf täglich an. Die
obigen Beispiele beschreiben sehr eindeutige Fälle, in denen sich das
Pferd auf einen einzigen Boden anpassen muss. Lebt das Pferd auf sehr
unterschiedlichen Untergründen, passt sich der Huf an eine gesunde
Mischung von allem an. Die Anpassung geht nicht nach Zeit, in der sich
ein Pferd auf bestimmten Böden aufhält, sondern nach Kilometern der
Bewegung, wobei abriebintensiver Boden mehr 'prägt'.
Beobachten sie ihr Pferd und seine Bemühungen, sich an den Boden
anzupassen. Zu beachten ist auch, dass sie die richtige Hufform je nach
Nutzung und Jahreszeit beim gleichen Pferd völlig ändern kann. z.B. im
Winter lebt ein Pferd überwiegend auf einen zu 'Beton' gefrorenem
Paddock, das Ausreitgelände ist entsprechend. Es bilden sich
'Hartbodenhufe'. Ein paar Wochen später wird es vielleicht tauen, der
Boden matschig werden und der Reiter überwiegend in der Halle Dressur
trainieren wollen- ein völlig anderer Huf wird notwendig.
Während es während der Frostperiode grundfalsch wäre, die Sohlenwölbung
'freizulegen' ist das nach einsetzen des Tauwetters eine sinnvolle
Unterstützung der Anpassungsbemühungen des Pferdes. Während der
Frostperiode wird die Sohle 'hart wie Stein' sein, beim Tauwetter wird
sich in der Mitte der Sohle Zerfallshorn bilden und sich wie Blätterteig
herauslösen lassen.
Der Abrollpunkt beziehungsweise korrekter gesagt die Abrollregion, denn der Huf kann auch zur Seite abhufen, liegt beim gesunden Huf in der Fortsetzung des Hufbeinrandes. Dies ist in der Zeichnung für den vordersten Punkt der Zehe zu sehen.
Die Abrollpunkte liegt beim gesunden Huf genau am Sohlenrand, zu erkennen als eine schmale Region besonders poliertes Sohlenhorn, da besonders verdichtet. Diesen Abrollrand zu erkennen, ist gerade für die Beurteilung sehr verformter Hufe wichtig.
Um die Hebelwirkung extrem verbogener Wände ist es notwendig, den Abrollpunkt in die Fortsetzung der Hufbeinkante zu legen bzw. zumindest in seine Nähe.
Der rote Pfeil zeigt bei diesem Rehehuf den Abrollpunkt vor der
Bearbeitung. Die extrem verbogene Zehe hebelt stark am Hufbeinträger,
ein verbundenes nachwachsen des Hufes ist so nahezu unmöglich.
Korrekt legt man den Abrollpunkt an den Rand der 'echten' Sohle, in der
Fortsetzung des Hufbeinrandes. Denn Sohle wächst nur von der Unterseite
des Hufbeines! Von dort aus raspelt man mit etwa 20° Winkel eine
Zehenrichtung in die verbreiterte Blättchenschicht und die Wand,
schließed wir etwa das untere drittel von außen beraspelt, wobei eine
ausreichende Dicke der Wand zum Schutz erhalten werden muss.
In der Regel kann man auch an sehr verformten Hufen den Abrollrand gut
als polierten, festeren Rand erkennen. Manchmal liegt davor noch
Sohlenartig aussehendes Horn. In dieses Horn VOR dem Abrollrand darf
geraspelt werden, denn es ist lediglich ein Teil der extrem
verbreiterten Blättchenschicht! Niemals jedoch darf der Abrollpunkt in
die echte Sohle verlegt werden, dies ist extrem gefährlich!
Zehenrichtungen 'anzuraspeln' wie oben beschrieben erfordert genaue
Kenntnis der Sohlenkunde und Hufbeurteilung sowie Erfahrung. Es sollten
Röntgenbilder vorliegen. Man kann hier sehr schnell Erfolg haben, im
Zweifelsfalle ist jedoch Vorsicht angesagt. Sicher geht man, raspelt man
den Abrollpunkt an die innenseite der verbreiterten Blättchenschicht,
dies ist insbesondere anzuraten, wenn die Sohle im Zehenbereich sehr
dünn ist.
Dieser Abschnitt soll verschiedene Typen und Ursachen verbogener Wände diskutieren- denn eine falsche Behandlung verbogener Wände kann verheerende Folgen für das Pferd haben.
Meiner Beobachtung nach gibt es einige in ihren Ursachen grundverschiedene Typen verbogener Wände, die bei oberflächlicher Betrachtung identisch erscheinen.
Von außen sieht man eine mehr oder minder verbogene Wand- das ist allen im folgenden beschriebenen Typen verbogener Wände gemein.
Verbiegung mit verbreiterter Blättchenschicht
In diesem Fall wir die Verbiegung- besonders im Bereich der Zehen- und Seitenwände, von einer mehr oder minder verbreiterten und verfärbten oder gar zerstörten Blättchenschicht begleitet.


Diese beiden Bilder -sorry für den Matsch- sind typische Beispiele
dieses Typs von Verbiegung.
In diesem Fall hat die Hornwand zumindest teilweise den Halt am
Hufbein verloren, die Blättchenschicht verbreitert sich. Entzündungen
und mechanischer Stress bei der Hornbildung führt zu gelben bis roten
Verfärbungen.
Bearbeitung: Ziel ist es, die Hebelwirkung der verbogener Wände zu
reduzieren und ein fest verbundenes Nachwachsen zu födern. Hierbei ist
insbesondere zu überprüfen, ob Fütterungs- oder Stoffwechselprobleme
verhindern, dass die Wand gerade herunterwächst.
Siehe Artikel über Hufrehe und ihre
Ursachen.
Die Wände sollten meiner Erfahrung nach von unten berundet und von
außen im unteren drittel beraspelt werden. Es ist gerade in extremen
Fällen durchaus in Ordnung, die Wände relativ stark zu berunden, gerade
wenn das Pferd sich in weichem Boden aufhält.
Die Zeichnung skizziert absichtlich einen 'extremen' Fall um das Prinzip
zu verdeutlichen.
Auf jeden Fall darf die Wand nicht zu extrem ausgedünnt werden, sonst
kann der Huf erstens seine Stabilität verlieren (dazu später mehr) und
zweitens ist dann zuwenig Schutz der inneren Strukturen von außen
gegeben. Muss verbreiterte Blättchenschicht als Schutz dienen, falls
eine extreme Verformung vorliegt, so benötigt man die doppelte Dicke
aufgrund der geringeren Härte.
Verbogene Seitenwand -lokale Verbiegung
In diesem Fall befindet sich an einem ansonsten gut verbundenen Huf eine sehr lokal begrenzte Verbiegung im Seitenwandbereich- beschränkt auf '2 bis halb 4' wenn man sich die Hufunterseite als Ziffernblatt vorstellt.

lokale Verbiegung
Die Blättchenschicht ist meist nicht verbreitet, eher trifft man
Tendenzen zu einer losen Wand.
Die Ursache einer solchen Verbieung ist meist ein 'Kollaps' einer
untergeschobenen Trachte, die Seitenwand wird dann lokal nach außen
gedrückt.
Die zugrundeliegende Ungleichbelastung des Hufes muss in einem solchen
Fall das Hauptaugenmerk der Hufbearbeitung sein.
'Plattraspeln' (extremes Ausdünnen der gesamten Wand) der lokalen
Verbiegung ist in jedem Fall kontraproduktiv!
Meiner Erfahrung nach hat sich das stärkere Berunden des Bereichs
sehr bewährt, neben der ausbalancierung. Zu starkes schwäches der Wand
führt erst recht zu einem kollabieren der Wand.
Ist die Blättchenschicht perfekt intakt kann der letzte Fall vorliegen.
Glockenform - destabilisierter Huf
Manchmal wird mit 'Übereifer' an verbogenen Hufen bearbeitet- und
dabei alle Wände bis auf eine große Höhe extrem ausgedünnt. Die Wände
sind glockenförmig verbogen, sehr dünn, bei oft intakter
Blättchenschicht.
Die Hufwände haben nun im gesunden Huf einen Teil der Last du tragen und
dienen als Schutz von außen.
Wir die Wand zu sehr ausgedünnt, verliert der Huf seine Stabilität und
kann sich verbiegen.


destabilisierter Huf- hier wurde zusätzlich die Sohle ausgedünnt was das
Problem verschärft.
In diesem Fall ist es nicht angebracht, noch weiter zu raspeln,
lediglich ein leichtes berunden ist sinnvoll.
Niemals sollten Hufe übrigens konvex gerapselt werden! Die Korrektur ist
langwierig, da auf neue, volle Hufwand vom Kronrand gewartet werden
muss.
Leichte Verbiegung bei perfekter Blättchenschicht
In diesem Fall findet man eine leicht verbogene Wand bei einer idealen Blättchenschicht. Was nun? Die Wand wächst verbunden nach, also ist hier alles in Ordnung. Die Ursache dieser Verbiegungen ist in der Regel ein (leicht) deformiertes Hufbein, insbesondere wenn über Jahre eine schlechte Hufform bestand. Hieran ist nichts oder nur geringfügig etwas zu ändern, und die Pferde stört es nicht. Röntgenbilder können den Verdacht erhärten. Auf keinen Fall den Huf optisch schönraspeln!
Dickere Wände ohne Verbiegung
... gehören streng genommen nicht in diesen Abschnitt. Dickere Wände wachsen als Ausgleich besonderer Belastung, häufigsten Beispiel ist der Fohlenhuf. Diese sollten nicht entfernt, höchstens im unteren Bereich berundet werden.
No frog, no hoof, no horse. (Kein Strahl, kein Huf, kein Pferd).
So lautet die Originalversion des alten Spruchs 'Ohne Huf kein Pferd' -und der Strahl wird mit gutem Grund zuerst erwähnt.
Leider wird dem Strahl bei Hufbearbeitung- und Beurteilung oft viel zuwenig Beachtung geschenkt, so manches Mal wird gedankenlos daran herumgeschnitzt oder z.B. nicht erkannt, dass eine vorhandene Fühligkeit des Pferdes 'nur' am Strahl liegt.
Probleme in Strahl sind weit häufiger der Grund für Lahmheiten,
Fühligkeit oder hartnäckig verformte Hufe, als angenommen wird!
So manches Pferd, das als hufrollenkrank diagnostiziert wurde, hat
nichts anderes als schmerzhafte Strahlprobleme.
Überprüfen sie den Strahl also sehr kritisch auf seine Gesundheit - auch
in Verdachtsfall kann auf Strahlfäule behandelt werden.
Der gesunde Strahl
Beginnen wir mit dem gesunden Strahl als wichtigem Teil des leistungsfähigen und gesundes Hufes- und Pferdes.
Der Strahl unterscheidet sich in der Beschaffenheit seines Hornes stark von Wand oder Sohle, es ist deutlich weicher, jedoch sehr zäh und in seiner Konsistenz stärker von der Witterung abhängig. Das Strahlhorn wird von einer eigenen Lederhaut erzeugt, siehe die folgende Zeichnung.

d: Strahllederhaut

Präparat mit Blick auf Strahl und zugehörige Lederhaut.
Im inneren des Hufes liegt das
Strahlkissen oberhalb des Strahles, für hervorragende
Zeichnungen siehe auch
Ironfreehoof.com. Der gesamte Aufbau des Hufes weist uns
darauf hin, dass der hintere Hufbereich mit dem Strahl als
auffälligsten Merkmal aufgrund seiner Flexibilität vor allem zur
Stoßdämpfung und Anschmiegung an verschiedene Böden gedacht ist.
Zusätzlich spielt der Strahl bei der Sicherstellung einer guten
Bodenhaftung und Trittsicherheit eine wichtige Rolle.
Damit ein Strahl diese Aufgaben erfüllen kann, muss er seinen
Teil des Pferdegewichts tragen, bei gegebenen Bodenverhältnissen
also mittragen, gesund und ausreichend kräftig sein.
Ein gesunder Strahl ist prominent, fest, je nach
Bodenverhältnissen etwa auf Höhe des Tragrandes und weist eine
offene, breite mittlere Strahlfurche auf.

Mustanghufe- harter Boden- mit vorbildlichen Strählen.

Guter Strahl bei weitem Huf, man beachte auch die Form der
mittleren Strahlfurche.

guter Strahl bei schmalem Huf. Seit ca. 1 Jahr hat dieser Strahl
kein Hufmesser gesehen...

Der 'weite' Huf nocheinmal: Der Strahl liegt etwa auf Höhe des
Tragrandes. Wenn das Pferd den Huf auf den Boden stellt, der man
kein Lineal mehr unter den Strahl stecken können...
Ein solcher Strahl kann die ihm zugedachten Aufgaben erfüllen, zusammen mit einem gesundes Rest des Hufes sichert er Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Pferdes. Doch wie erhält man ihn oder löst Probleme?
Grundvoraussetzung für einen gesunden Strahl ist eine artgerechte Haltung mit genügend Bewegung und eine grundsätzlich vernüftige Hufbearbeitung. In diesem Abschnitt werde ich nur auf die Bearbeitung und Pflege des Strahls eingehen. Diese Maßnahmen müssen immer im zusammenhang mit der restlichen Hufbearbeitung stehen, siehe den Rest dieser Homepage.
Pflege und Bearbeitung des gesunden Strahls
Bewegt sich das Pferd ausreichend auf verschiedenen Böden und ist der gesamte Huf balanciert und gesund, so ist kaum Bearbeitung nötig. Lediglich lose fetzen, evtl. kleine Löchlein usw. sollten mit einem scharfen Hufmesser freigelegt werden. Dabei ist darauf zu achten, möglichst wenig Material zu entfernen. Bei feuchten Verhältnissen oder Berührung der Hufe mit Mist ist hier sehr sorgfältig vorzugehen, um Fäulnis zu verhindern. Bei sehr trockenen, sauberen Verhältnissen (z.B. eine große Weide im Hochsommer) kann man weniger machen.

Vor der Bearbeitung: Dieser gute Strahl an einem Hinterhuf weist
in der äußeren Strahlfurche einen losen Fetzen auf, unter dem
sich evtl. Fäule sammeln könnte...

... nach der Bearbeitung: NUR das lose Stück wurde vorsichtig
entfernt. Weniger ist mehr!
Der Strahl muss, ebenso wie der Rest des Hufes, durch Belastung
verdichten und abhärten, nur so ist er höheren Belastungen
gewachsen. Wenn der Strahl immer wieder beschnitzt wird,
funktioniert dies nicht. Das oben abgebildete Pferd wird auf
steinigem Boden Barhuf geritten und läuft bestens. Unbedachtes
herumschnitzen am Strahl könnte das Pferd für längere Zeit
vorsichtig bis fühlig machen...
Es ist nicht wichtig, dass der Strahl nach der
Hufbearbeitung 'hübsch' ausschaut. Die Funktion des Strahl muss
erhalten werden. Keinesfalls bei jeder Hufbearbeitung eine
einige mm dicke 'Scheibe' von der Oberseite des Strahls
abschneiden!

So besser nicht: Dieser Strahl des schön geformten Hufes wurde
sowohl von oben als auch von den Seiten deutlich bearbeitet.
Diese Art der Strahlbearbeitung ist bei vielen Hufbearbeitern
ziemlich unhinterfragt 'Standartbehandlung' und schwächt den
Strahl. Soviel an einem gesunden Strahl herumschnitzen ist
falsch!

Der gleiche Fehler nocheinmal. Beim gesunden Strahl sollten nur
kleinere lose Eckchen vorsichtig entfernt werden, wenn es nötig
ist. Ansonsten benötigt ein gesunder Strahl kaum Bearbeitung.
Strahlprobleme
Was tun, wenn das Pferd einen auf die eine oder andere Weise problematischen Strahl aufweist? Im Folgenden sollen die häufigsten Strahlprobleme vorgestellt und Lösungswege aufgezeigt werden.
Strahlfäule ist wohl das bekannteste Strahlproblem, leicht zu erkennen.

Typischer Huf mit Strahlfäule.
Bei Strahlfäule wirkt der Huf zersetzt, der Strahl ist oft geschrumpft, wirkt faserig. Es findet sich schwarze(!), faulig stinkende Schmiere.
Ursachen und Lösungsmöglichkeiten:
Zur Behandlung der Strahlfäule sollten die fauligen Bereiche
gründlich ausgeschnitten werden, soweit dies möglich ist. Hier
ist falsche Scheu fehl am Platz, geschwächt ist der Strahl beim
vorliegen von Strahlfäule sowieso schon, erst wenn er gesund
nachwächst, kann er kräftig werden und verdichten. Durch
diese Maßnahme wird den Strahlfäulebakterien das Leben schwer
gemacht, denn diese sind anaerob, d.h. brauchen sauerstoffarme
Bedingungen.
Direkt im Anschluss wird der Strahl mit einem zusätzlichen
Mittel gegen Strahlfäule behandelt, wobei dies nicht immer
notwenig ist (siehe später). Handelsübliche Produkte
funktionieren in der Regel gut.
Neben dieser direkten Symptombehandlung muss nach der wirklichen
Ursache geforscht werden. Sind die Stallbedingungen
unhygienisch? Sind die Pferde gezwungen, durch ihre Exkremente
zu laufen? (unabgesammelte Matschpaddocks, zu stark beengte
Haltung, Matraze) Wenn ja, abstellen.
Zum Problem seinen starken Beitrag leistet oft eine Imbalance in
der Hufform und/oder 'Arbeitslosigkeit' des Strahls- siehe
weiter unten.
Schwache/atropierte Strähle und Strahlpilz sind ein häufiges Problem, das leider oft nicht erkannt wird.


Diese beiden Pferde weisen äußerst schwache, dünne arthropierte
Strähle auf. Die Oberfläche wirkt unregelmäßig, wohingegen
klassische Strahlfäule nicht vorhanden ist.

Typische Signatur des Strahlpilzes: Tiefe mittlere Strahlfurche.
Besonders schwache, athropierte Strähle und Strahlpilz führen zu häufig deutlicher Fühligkeit. Die tiefe mittlere Strahlfurche schmerzt, wenn das Pferd auf unebenen Boden fusst und sich der Huf verwinden oder dehnen muss. Schlimmer betroffene Pferde können gar lahmen oder 'Hufrollenkrank' erscheinen. Schwerer betroffene Pferde zeigen eine deutliche Zehenfussung.
Die Korrektur und Behandlung beginnt mit der Überprüfung der Hufsitutation und Balance. Lässt sich eine Imbalance finden, z.B. die deutliche Birnenform des oberen Hufes, so ist diese zu korrigieren, um dem Strahl Raum zur Entwicklung zu verschaffen. Gleichzeitig muss das Pferd den meist insgesamt schwachen hinteren Hufbereich wieder belasten, denn nur dann lässt sich auch die Hufform korrigieren. Hierzu eignen sich insbesondere Hufschuhe mit Polsterung (Easy Boot Comfort Pads) evtl. mit zusätzlicher Polsterung unter dem Strahl, so dass der Strahl mitträgt, obwohl er noch sehr klein und schwach ist.
Zum zweiten sollte der Strahlpilz 'chemisch' behandelt werden. Mehr dazu siehe unten.
Gleichzeitig sollte sowohl Umgebung als auch Stoffwechsel/Fütterung des Pferdes überprüft werden, denn der Strahlpilz kann zumindest teilweise 'von innen' kommen.
Bei allen Problemen, bei denen der Strahl unterentwickelt oder schwach ist, ist ein schnelles Wachstum wünschenswert. Das Wachstum ist abhängig von der Stimulation des Strahls - diese kann man gezielt erhöhen. Alle Untergründe, auf denen auch ein Strahl, der klein und schwach ist, Bodenkontakt hat, stimuliert. Dies ist z.B. Sand, weicher Wiesenboden, loser Schotter/Kiesel usw. Wird das Pferd überwiegend auf eher ebenem, hartem Boden geritten, hat es sich bewärt, ein Polster (z.B. Neoprenpad oder fertig erhältlich bei Easycare) in Hufschuhen unter den Strahl zu legen. Bei all dem sollte darauf geachtet werden, dass das Pferd immer freudig läuft und eine leichte Trachtenfussung zeigt. Tut es das aufgrund seines schwachen Strahls unter dem Reiter nicht, mit den oben beschriebenen gepolsterten Schuhen arbeiten.
Sonderfälle
Der Strahl sollte bearbeitet werden, wenn er offensichtlich zu lang geworden ist und sich 'Zerfallsstrahl' bildet. Dies findet man meist bei Hufen, die längere Zeit nicht bearbeitet wurden und wenig Abrieb hatten. Solche Hufe müssen, inkl. Strahl ersteinmal auf ein natürliches Maß gekürzt werden, um sich von dort aus zu verdichten und zu kräftigen.
In seltenen Fällen kann der Strahl zu hoch werden und in Folge auf hartem Boden drücken. Dies kann der Fall sein, wenn Trachten über längere Zeit (z.B. Keilbeschläge) sehr hoch gezüchtet wurden und der Strahl nun ebenfalls sehr lang ist. Werden die Trachten auf ein natürliches Maß gekürzt, ist der Strahl wesentlich höher als die Trachten. Ist diese Abweichung nur gering, hat sich der Strahl meist innerhalb kurzer Zeit etwas 'gesetzt' und braucht nicht bearbeitet zu werden. Extreme Höhenunterschiede können allerdings sehr unangenehm sein, in einem solchen Fall sollte der Strahl von oben gekürzt werden.
Beiden Fällen ist gemein, dass die Maßnahmen einen einmaligen Charakter haben. Bei zukünftigen Hufbearbeitungen ist ein so deutliches Bearbeiten des Strahls dann nicht mehr nötig.
Chemische Behandlung von Strahlpilz und Strahlfäule
In diesem Abschnitt schildere ich meine persönlichen Erfahrungen mit bestimmten Mitteln zur Behandlung von Strahlproblemen.
Alle Mittel werden auf betroffene Stellen aufgebracht, mit Ausnahme der Borax- Lösung, in die die Hufe eingeweicht werden sollten. Hat ein Pferd tiefe mittlere Strahlfurchen, werden diese zunächst gereinigt und anschließend mit einem Stück Mullbinde ausgestopft, das zuvor mit dem Strahlfäulemittel getränkt wurde. Dies wird täglich wiederholt, bis das Problem verschwunden ist.
Besonders seit Kunsthorn verbreitet verfügbar ist, sieht man immer häufiger extrem drastische Maßnahmen bei der Hufbearbeitung.
Dazu zählen z.B. das großflächige wegschneiden der Hufwand bei Fäule, Hufgeschwüren, loser Wand etc. oder auch das komplette wegraspeln der Zehenwand bei Rehehufen. Meist werden dann die weggenommenen Bereiche mit Kunsthorn verschlossen.
Hier gibt es einige Videos zu sehen, die zeigen, welche Maßnahmen ich meine.
Bestenfalls sind diese Maßnahmen schlicht überflüssig, im schlimmsten
Fall wird sich die Hufsituation massiv verschlechtern. Unabhängig davon
sind solche drastischen Eingriffe (die an oder nahe ans 'Leben'
heranreichen) eine 'Operation' und somit dem Tierarzt ausdrücklich
vorbehalten.
Jeder Besitzer eines Barhufpferdes sollte eine Hufraspel besitzen, um zwischendurch den Huf etwas zu berunden (keine Angst, das kann wirklich jeder lernen...). Billige Hufraspeln sind jedoch völlig untauglich, neue Qualitätsraspeln dafür eigentlich zu scharf und zu schade. Am besten besorgt man sich eine von einem Profi gebrauchte Raspel, denn wenn diese zum 'richtigen' Huferaspeln zu stumpf ist, reicht sie noch lange fürs berunden. Auch bei Ebay gibt es solche Raspeln für kleines Geld zu kaufen. Gute Raspeln gibt es z.B. von Dick, Save Edge... Kosten für eine neue Raspel ca. 20-30 €.
Man sollte zum Raspeln, sei es auch nur zum berunden, immer gute Handschuhe tragen. Sehr geeignet sind Gartenhandschuhe (Problemlos auch in Größen für Frauenhände zu erhalten) mit einem starken Gummiüberzug (Bau- oder Gartenmarkt, ca. 5 €). Man bezahlt es sonst früher oder später mit schmerzhaft blutigen Fingern.

robuste Handschuhe
Will man selbst ausschneiden, braucht man noch Hufmesser. Auch hier ist es wichtig, gute Messer zu haben, denn schlechte sind nicht wirklich scharf zu bekommen, aber scharf genug, um sich in Finger oder Beine zu schneiden (weil man abrutscht). Auch hier gibt es gute Messer z.B. Dick, Hauptner o.ä. Hufmesser gibt es in rechts- links oder beidseitig schneidender Form. Welche Art man vorzieht, hängt vom persönlichen Geschmack ab.

Hufmesser: links ein links schneidendes schmales, rechts ein
doppelseitiges, breiteres. Man beachte auch die Griffform, das linke
Messer ist zur Bedienung durch Linkshänder gedacht, das rechte für
Rechtshänder.
Das schärfen der Messer ist eine Wissenschaft für sich, hier die Methode, mit der ich gute Erfahrungen gemacht habe: (es gibt natürlich unzählige weitere)
Man braucht einen Wasser- oder Ölstein (ca. 5- 10 €), evtl. einen gröberen und einen feineren. zunächst wird der vorgegebene Grat an der Innenseite des Messers weg geschliffen (etwas mühselig, man kann eine Feile zur Hilfe nehmen). Dann wird genau im Winkel von ca. 20° zum Messerrücken geschliffen. So lässt sich auch die Rundung einfach scharf bekommen. Wichtig ist es, dass für die Ölsteine wirklich viel Öl verwendet wird. Optimale Schleifwirkung wird nur dann erreicht, wenn sich keine schwarzen Ablagerungen auf dem Schärfstein bilden. Etwas Übung macht den Rest...
Profi- Hufbearbeiter tragen nicht umsonst Lederchaps! Dies ist auch für den Hobby- Hufbearbeiter immer zu empfehlen. Auch hier lieber gleich, bevor man sich verletzt hat. Ebenfalls gefährdet sind die Innenseiten der Unterarme, ganz besonders wenn man im Sommer mit nackten Armen arbeitet. Hier lässt sich leicht ein Lederschutz basteln. Ich habe den anfänglichen Verzicht darauf mit zwei Narben an der Innenseite meiner Arme bezahlt...
Ein Hufbock ist sehr nützlich, allerdings nicht billig. Für den Hobbygebrauch reichen jedoch auch kostenlose Varianten. Zwei Möglichkeiten:

Mein Hufbock mit Halterung für die Raspel.
Anleitung für den Hufbockbau:
Optional, aber nützlich ist eine Hufabtastzange (ca. 20 €). Hiermit kann man, gerade bei Unsicherheit gut fühlen, wie viel Sohlenhorn wo ist, oder natürlich auch prüfen, ob/wo das Pferd evtl. Schmerzen im Huf hat. Vorsicht: Beim Einsatz der Hufabtastzange ist Gefühl gefragt. Man(n) sollte nicht mit Gewalt auf den Huf oder Strahl einwirken!

Weiteres Werkzeug:
Hufschneidezange:
Sehr scharfe Zange, die es erlaubt (größere) Tragrandüberstande schnell
und mühelos zu kürzen. Daher sehr nützlich bei vernachlässigten Hufen,
sollte aber bei regelmäßig gepflegten Hufen nicht notwendig sein. Recht
teuer (ca. 50 €)
Zur Reinigung der Hufe eignet sich am besten ein einfacher Hufkratzer (die ganz aus Metall sind 'unverwüstlich') und eine stabile Drahtbürste (Baumarkt).
Sonstige Werkzeuge die Sie evtl. bei einem Schmied in der Werkzeugkiste gesehen haben, sind für die Barhufbearbeitung überflüssig!
- auch wichtig für den Pferdebesitzer, der selbst nicht an den Hufen arbeiten will:
Der Profi- Hufbearbeiter macht einen Knochenjob, das kann sich jeder vorstellen, der schon einmal selbst Hufe bearbeitet hat. Durch viele kleine Aufmerksamkeiten kann man dem Profi (- oder sich selbst natürlich) die Arbeit leichter machen und zu besseren Ergebnissen kommen.
Wer kennt diese Szenen nicht? Ein zappelndes Pferd, ein verzweifelter Besitzer, ein Hufbearbeiter, der in seiner 'Not' gewalttätig wird? Solche unschönen und für alle Beteiligten (vor allem für das Pferd) stressbeladenen und verletzungsträchtigen Situationen können durch eine korrekte Vorbereitung vermieden werden.
Ich gehe bei dieser Beschreibung von keinerlei Voraussetzung aus, außer dass das Pferd bereits ein Halfter und den Kontakt zum Menschen kennt, sich überall anfassen lässt. Das trifft sowohl auf das Jungpferd zu, als auch auf ein älteres, das in irgendeiner Weise Probleme bereitet. Die Lektionen können- je nach bevorzugter Art der bisher ausgeübten Bodenarbeit- modifiziert werden, wichtig ist die Grundidee.
Lektion 1: Führen, Anhalten
Das Pferd trägt ein Halfter (auch Knotenhalfter, Führseil nach LTJ oä.).
Als Führseil verwendet man am besten einen kräftigeren, längeren
Bodenarbeitsstrick. Die üblichen Anbindestricke sind zu kurz. Der Mensch
sollte unbedingt Handschuhe tragen.
Das Pferd sollte in dieser Lektion lernen, sich ruhig und gelassen vom
Menschen führen zu lassen, auf feine Signale der Körpersprache
reagieren. Es folgt dem Menschen, zunächst in einer Basisführposition
mit Ohren auf auf Schulterhöhe des Menschen. Das Pferd lernt, sein
Tempo dem des Menschen anzupassen, stehenzubleiben, wenn der Mensch dies
tut, ebenso das Rückwärtsgehen.
Wer möchte, kann dies durch Arbeit an der Longe oder im Round Pen
ergänzen.
Schon hier führt man für das Anhalten ein Stimmkommando ein (ich
verwende ein leises Zischen). Führt man dies konsequent durch, hat man
übrigens immer und überall eine Bremse im Pferd.
Lektion 2: Stillstehen
Ich habe - gerade bei ängstlichen oder 'schwierigen' Pferden, sehr gute Erfahrungen mit dem unangebundenen stehen während der Hufbearbeitung gemacht. Das Pferd kann sich besser ausbalancieren und fühlt sich nicht eingeengt.
Erste Übungen finden auf einen eingezäunten, ablenkungsfreien Gelände statt. Ausrüstung wie bei 1., wobei darauf zu achten ist, dass eine Zäumung verwendet wird, die nicht verletzungsträchtig ist, wenn das Pferd auf den Strick tritt. Man beginnt mit einigen Führübungen, hält das Pferd dann an. Der Strick wird auf den Boden gelegt. Ein neues Stimmkommando (z.B. 'bleib' ) wird eingeführt. Der Mensch bewegt sich nun, mit möglichst neutraler Körpersprache, langsam zur Kruppe. Bleibt das Pferd stehen? Super! Langsam wieder zum Kopf, Pferd loben, Übung beenden. Evtl. kann man sich anfangs nur sehr wenig Richtung Kruppe bewegen. Hat sich das Pferd bewegt, wird es zum ursprünglichen Platz bewegt und von neuem begonnen. Mit der Zeit wird man sich immer weiter entfernen können. Schließlich sollte man das Pferd großzügig umrunden können, ohne dass es einen Huf bewegt. Wenn das ganze noch unter realistischen Bedingungen (z.B. Gras am Rand des Platzes, wo später die Hufe bearbeitet werden sollen) klappt, geht es weiter zur nächsten Lektion.
Lektion 3: Hufe geben
Ausgangsposition ist das Stillstehen. Hier ist zu unterscheiden, welche Probleme das Pferd hat. Hat das Pferd bereits gute oder keine schlechten Erfahrungen mit mit dem geben der Hufe, wird das entsprechende Bein mit den Händen abgestrichen, dann fordert man das Pferd durch leichten Druck auf die Kastanien, Zupfen am Fesselbehang oder leichten Druck auf die Sehnen und mit einem Stimmkommando auf, den Huf zu heben. Loben! Üben, den Huf in verschiedenen Positionen zu halten.
Erst wenn das Pferd den Huf selbstständig hochgehoben hat, nimmt man ihn auf und hält ihn hoch. Zieht man dem Pferd den Huf weg, verliert es sein Gleichgewicht, bekommt Angst: Ausgangspunkt für Widersetzlichkeiten!
Hat das Pferd bereits sehr schlechte Erfahrungen gemacht, und besteht die Gefahr, dass es sich z.B. durch treten wehren könnte, schaltet man einen Schritt davor: Mit einer Gerte (an die das Pferd natürlich gewöhnt sein sollte) wird das entsprechende Bein touchiert, das Stimmkommando gegeben. Wird das Bein auch nur leicht angehoben, loben! Wenn das Pferd alle Hufe auf diese Weise geben kann, kann man den Teil für unproblematische Pferde anwenden. Eine weitere Möglichkeit (gerade bei Pferden, die sich durch massives Ausschlagen wehren) ist es, die Hufe und Beine mit einem Seil zu desensibilisieren. Eine ausführliche, bebilderte Anleitung findet sich in Jamie Jacksons 'Owners Guide to Natural Hoof Care'
Hufbearbeitung
Damit wären die Voraussetzungen für eine problemlose und stressfreie Hufbearbeitung gegeben. Da bei der Hufbearbeitung sehr viele Fehler gemacht werden, möchte ich hier noch einige wichtige Grundsätze vorstellen, die Widersetzlichkeiten und Probleme erst gar nicht aufkommen lassen.
Was tun bei Problemen?
Typische Probleme wie wegziehen, hampeln etc. sind immer darin
begründet, dass der Mensch Fehler beim Aufnehmen der Hufe und/oder in
der Vorbereitung gemacht hat.
Niemals dürfen Gewalt oder Zwangsmittel verwendet werden. Sie führen
nicht zum Erfolg, sondern nur zu noch größeren Problemen.
Kleinere Probleme wie leichtes 'Draufhängen' oder 'Wippen' werden
ignoriert, der Huf abgesetzt, neu aufgenommen und gelobt, falls das
Pferd sich richtig verhält.
Ist das Pferd unkonzentriert und mehr z.B. am Gras als an seinem
Menschen, der die Hufe bearbeitet, interessiert, darf man es natürlich
zurechtweisen! Am besten durch eine kleine Einlage Führübungen und
konsequentes Stillstehen.
Allgemeine Beziehungsprobleme zwischen Pferd und Reiter kommen bei der Hufbearbeitung zu Tage, lassen sich aber nicht dort lösen!
Alex hat sich früher beim Schmied wie eine Furie benommen, der Termin war bei Schmied, mir und Alex sehr gefürchtet. Die junge Stute meiner Freundin stand beim Besuch des Schmiedes üblicherweise auf den Hinterbeinen...
Heute stehen alle Pferde dank Beachtung der Grundsätze oben wie eine
Statue, lassen sich ruhig und zufrieden die Hufe bearbeiten. Den Pferden
scheint die Hufbearbeitung sogar zu gefallen, wie ein Besuch im
Nagelstudio :-D
Hier möchte ich vorstellen, wie ich persönlich bei der Hufbearbeitung vorgehe.
Ich schaue mir an, wie das Pferd läuft, auch bei
Alex, den ich ja täglich reite. Falls ich keinen Helfer zum vorführen
habe, nehme ich dass Pferd an die Longe, so dass ich in größerem Abstand
laufen und schauen kann.
Mich interessiert vor allem der Gesamteindruck. Ist alles noch wie nach
der letzten Bearbeitung? Gänge klar? Auffälligkeiten?
Dinge wie Fussungsverhalten merke ich mir, ohne jedoch meine Bearbeitung
explizit darauf zu beziehen. Meine Erfahrung ist es, dass sich
'seltsame' Fussungseigenschaften von selbst geben, wenn die Hufe korrekt
bearbeitet werden. Ich habe natürlich den Vorteil, dass ich
mein Pferd selbst reite und genau weiß, wie er läuft. Ansonsten sollte
sich ein Hufbearbeiter das Pferd genau beschreiben lassen oder auch mal
anschauen beim Reiten. Außerdem merke ich mir, ob sich das Pferd
bevorzugt geschlossen hinstellt oder aber immer ein bestimmtes Bein
herausstellt.
Ich schaue mir die Hufe (sauber, auf ebenem
Untergrund) von vorne, seite, hinten und unten an. Welche Seite ist
mehr, oder minderbelastet (Breite, Tragränder, Eckstreben, Strahl)? Wo
gibt es ausgeprägte Tragrandüberstände? Sind die Wände verbogen? In
welche Richtung versucht der Huf zu wachsen? Risse, Blutergüsse oder
ähnliche Probleme?
Von der korrekten Analyse hängt der Erfolg der Hufbearbeitung
entscheidend ab. An ihr richte ich meine Bearbeitung aus. (Siehe
Hufbeurteilung).
Denn die Abnutzung ist der Spiegel der Nutzung des Hufes durch das
Pferd.
Ich wende die weiter oben beschriebene 'Sohlenkunde' an, mit entsprechender Beachtung der Strahlfurchentiefe und der lebenden Sohle.
Falls der Strahl über die seitlichen Strahlfurchen
wächst, zu hoch ist oder Taschen/Gammel aufweist, kürze ich ihn mit dem Messer
entsprechend.
Im Regelfall mache ich nichts am Strahl.
An der Sohle entferne ich offensichtliches Zerfallshorn, wenn sehe, dass
es nur sehr wenig ist, lasse ich es da. Beim regelmäßig gerittenen
Barhufer mache ich fast nichts an Sohle.
Falls die Eckstreben deutlich über die lebende Sohle überstehen, kürze
ich sie auf etwa 1 mm über Sohlenniveau.
Übrigens: Nicht von roten Einfärbungen (Blutergüssen) irritieren lassen:
Sie kommen von zuviel(!) Horn, das gerade im Bereich der Eckstreben auf
die Sohle drückt. Wird die Sohle extrem ausgedünnt, ändert sich ihre
Farbe (leider..) nicht.
Nun schaue ich mir an, wieviel Tragrandüberstand
nun vorhanden ist. Ich nehme die Stelle des geringsten
Tragrandüberstandes und kürze den Huf (falls notwendig) um diesen Betrag
gleichmäßig mit der Raspel. An der Stelle des geringsten
Tragrandüberstandes schließt der Tragrand nun mit der Sohle ab. (Je nach
Pferd auch ein wenig Überstand, rantasten). Falls sich der Huf nicht
gleichmäßig abläuft, bleibt an einigen Stellen ein Tragrandüberstand.
Diesen gestalte ich -je nach Belastungssituation- so, dass er senkrecht
zur Sohle steht, kürze ihn gleich, oder kontinuierlich in den nächsten
Tagen. Mehr
hier. Das Auftreten eines Tragrandüberstandes bedeutet
nämlich, dass der Huf diesen Teil 'loswerden' möchte.
Gering belastete und/oder verbogene Wände beraspele ich so, dass die
entsprechende Wand gleich dick oder etwas dünner als die viel belasteten
sind.
Anschließend berunde ich den Tragrand ('Mustang-Roll')
Verbogene Wände beraspele ich von außen, wobei ich mich in der Regel auf das untere Drittel des Hufes beschränke und darauf achte, die Wand nicht zu sehr zu schwächen.
Zuletzt fahre ich mit der Hufraspel parallel zum Boden am Huf entlang der Tragrandkante und berunde diese. Mit kleinem Radius bei dünnen Wänden, großer Radius bei dicken Wänden. Immer so, dass die innerste Schicht Horn vor der Blättchenschicht (bei schwarzen Hufen hell) noch Bodenkontakt hat, nie in die Blättchenschicht raspeln. Die Berundung bezieht sich nur auf die Unterkante des Tragrandes und reicht so hoch, wie die Wand dick ist.
Ich stelle das Pferd wieder auf festen Grund,
schaue mir die Hufe nocheinmal an. Das wiederhole ich das vorführen. Hat
sich etwas geändert?
Schließlich messe ich Hufbreite, Länge, Zehenwand, Winkel und notiere
die Daten, evtl mache ich Fotos. Daheim Vergleich mit alten Daten und
Fotos. Was ändert sich?
Ein zentraler Punkt: Regelmäßige, häufige
Hufpflege. Abstände von 2-4 Wochen sind ein Anhaltpunkt für ein
'normales' Pferd. Längere Abstände sind absolute Ausnahmefälle.
Niemals warten, bis die Hufe 'schlecht' aussehen, sondern bearbeiten,
wenn sie noch gut aussehen.
Und: Man kann in der Hufbearbeitung (kleinere) Fehler machen und
trotzdem Erfolg haben, man darf aber nicht den Fehler machen, gar nicht
oder zu selten zu arbeiten!